Frondienst an der Waffe

30. Juni 2010, 18:16
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Nur noch sechs der 27 EU-Mitglieder halten noch am Wehrdienst fest - Von Alexander Fanta

Elf Monate Lebenszeit hat die schwedische Regierung jedem jungen Mann in ihrem Land geschenkt. Elf Monate, die diese nicht mit drögem Kasernenleben und dumpfem Korpsgeist verbringen müssen. Schweden ist damit das erste Land Skandinaviens, aber eines der letzten in Europa. Nur sechs von 27 EU-Staaten verpflichten ihre Bürger noch zum Frondienst an der Waffe. In den letzten Jahren schafften besonders die Länder Osteuropas den Wehrdienst ab, der dort als Erbe der Diktatur gilt.

Das Ziel der „totalen" Landesverteidigung des neutralen Schwedens galt traditionell der Abwehr eines sowjetischen Angriffs. Doch umgeben von freundlichen Nachbarn ist es weder nötig, sich gegen diese zu verteidigen, noch notwendig, dazu jedes Jahr Zehntausende einzuziehen.

Mittlerweile wird auch bei unseren deutschen Nachbarn über die Abschaffung der Wehrpflicht debattiert, wo man damit Kosten sparen will. Doch wenn eine heilige Kuh geschlachtet werden soll, sind schnell starrköpfige Traditionalisten aller Lager zur Stelle.
Das Bundesheer solle „gesellschaftlich eingegliedert" bleiben, formulierte etwa kürzlich unser Verteidigungsminister Norbert Darabos. Alle Bevölkerungsgruppen sollen im Heer vertreten sein. Doch längst gehen vor allem die weniger Gebildeten zum Heer. Ob diese von Koma-Saufen, patriotischer Schusswaffenerziehung und autoritären Strukturen profitieren, ist mehr als fraglich. (DER STANDARD, Printausgabe, 1.7.2010)

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