Randbezirk Donaustadt - tiefrot und bauwütig

Lukas Kapeller, 1. Juli 2010, 12:22
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    Ein Logo der SPÖ an der Fassade Goethehofs in Wien-Kaisermühlen.

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    Nah am Wasser gebaut: Die Wiener Uno City, eines der Zentren der Vereinten Nationen.

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    foto: beyer.co.at

    Überragend: Voraussichtlich ab Ende 2012 wird sich der Hotel- und Büro-Wolkenkratzer in den Himmel schrauben. Der Spatenstich für den kleineren Turm erfolgt erst in einigen Jahren. (Bild: beyer.co.at)

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    Die rote Vormacht war 2005 noch ungebrochen. Quelle: wien.gv.at

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    grafik: wien.gv.at

    Beim Bezirksparlament sah es nicht viel anders aus. Quelle: wien.gv.at

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    Zweistromland: Die Wiener Donauinsel aus dem Flugzeug fotografiert.

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    foto: christian fischer

    Auf der Donauinsel lässt es sich dem Alltag entfliehen - und der Hitze.

Es wird gebaut und bald auch wahlgekämpft - Im Architekten­mekka Donaustadt ist ein Gutteil der Wiener SPÖ-Basis daheim

Wien - Früher wurde uns in der Donaustadt die große Politik erklärt. Innig verbunden, gemütlich und erfolglos stolperten die Bezirksräte Rudi Gneisser (SPÖ) und Erwin Schoitl (ÖVP) durch den "Kaisermühlen Blues". Sie hielten der damals noch in Stein gemeißelten Großen Koaltion den Spiegel vor.

Fernseh-Grätzel Kaisermühlen

Die Serie machte Kaisermühlen zum bekanntesten Grätzel des 22. Wiener Gemeindebezirkes Donaustadt. Bis zu 1,5 Millionen Österreicher sahen in den 90er Jahren jeden Sonntag zu. Nicht nur die ORF-Quoten scheinen heute aus der Zeit gefallen. Seit Wolfgang Schüssels schwarz-blau-orangen Jahren hat sich vieles verändert - nicht nur, aber auch in Donaustadt.

"Die Bewohner verbindet nichts mehr, weder Parteiprogramme noch Fernsehprogramme", schrieb der Kultursoziologe Ernst Strouhal jüngst im STANDARD-Album über den Goethehof, einen geschichtsträchtigen Gemeindebau in Kaisermühlen. Wie überall in Wien bröckeln die Gemeindebauten in ihrer Eigenschaft als rote Bastionen.

SPÖ muss 58 Prozent verteidigen

Die Entwicklung lässt sich an Wahlergebnissen nicht unbedingt ablesen. Bei der Wiener Gemeinderatswahl 2005 lag die SPÖ im 22. Bezirk immer noch mit satten 57,8 Prozent vor der FPÖ mit 16,4. Dahinter folgten ÖVP (13,1 Prozent) und Grüne (9,9 Prozent).

Bezirksvorsteher ist seit 2006 der Sozialdemokrat Norbert Scheed. Auch der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) ist in der Donaustadt politisch beheimatet. Bei der Nationalratswahl 2008 fuhren die blauen Rechtsaußen in der Donaustadt 25,6 Prozent ein - fast soviel wie in den 90er Jahren, als es noch Jörg Haider und den "Kaisermühlen Blues" gab.

Größter Bezirk, jüngste Geschichte

Neben Floridsdorf ist Donaustadt der einzige Bezirk jenseits der Donau, zugleich der flächenmäßig größte von allen 23 - und besteht freilich nicht nur aus dem transdanubischen Grätzel Kaisermühlen. Da gibt es auch noch zum Beispiel Kagran und Stadlau. Oder die Lobau, bekannt für ihre Augebiete und ihre Nudisten - zwischen den verzweigten Donauarmen etablierte sich ein Erholungsgebiet, das bis heute gerne von Anhängern der Freikörperkultur frequentiert wird.

Die Entwicklung der Donaustadt verdankt sich freilich maßgeblich der Donauregulierung von 1870 bis 1875. Erst die schützte das Gebiet vor Hochwassern, machte das weite Land als Baugrund hochinteressant und rückte es in den Fokus der Stadtplaner. Das Erscheinungsbild des jungen Bezirks mit 150.000 Einwohnern hat mit der Gründerzeitarchitektur der Innenstadtbezirke nichts gemein.

Neue Stadtviertel und Wolkenkratzer

In den Medien macht die Donaustadt heute mit riesigen Bauvorhaben von sich reden. So ist etwa das ehemalige Flugfeld Aspern eines der größten Stadtentwicklungsgebiete in Europa. Ein urbaner Stadtteil mit Wohnraum für 20.000 Menschen und ebenso vielen Arbeitsplätzen - und mit einem Park und einem See - soll hier entstehen. In den nächsten 20 Jahren wird die "Seestadt" auf den 240 Hektar des abgerissenen Flugfeldes gebaut und entwickelt.

Schon wesentlich früher wird im jungen Stadtteil Donau City Österreichs höchster Wolkenkratzer errichtet. Erst vor zwei Wochen erfolgte der Spatenstich für den "DC Tower", der 2012 fertig sein soll und mit seinen 220 Meter den Millennium Tower in Wien-Brigittenau um 50 Meter übertreffen wird.

Die Wiener und die Donauinsel

Die bisherigen Errungenschaften der Donaustädter Bauwut sind über die Wiener Grenzen hinaus bekannt: etwa die Uno City oder der 252 Meter hohe Donauturm (von dem natürlich nur ausgesprochene Zyniker behaupten, er sei der schönste Ort Wiens, weil man von seinem Dach aus ganz Wien überblickt, nur nicht den Donauturm sehen muss).

Unbestritten ein stadtplanerischer Wurf gelang der Wiener SPÖ mit der Donauinsel, deren südlicher Teil zur Donaustadt gehört. Als während der 1970er Jahre die zweite Donauregulierung in Angriff genommen wurde, entstand ein mehr als 200 Meter breites Entlastungsgerinne, das den Namen "Neue Donau" bekam. Der 21 Kilometer lange Landstreifen zwischen den beiden Strömen verband das Nützliche - Hochwasserschutz - mit dem Angenehmen: die Donauinsel, der Wiener liebstes Naherholungsgebiet.

Gastronomie, Bootsverleihe und viel Grün warten hier auf den geplagten Stadtmenschen. Dass das noch heute viel mit Politik zu tun hat, verrät der nachstehende Link. (Lukas Kapeller, derStandard.at, 1.7.2010)

Link: Großer TV-Moment: ORF-"Alltagsgeschichte: Die Donauinsulaner"

Info zum Bezirk:

Wahlberechtigte: 153.408 (Stand Ende 2008)

Bezirksvorsteher: Norbert Scheed (SPÖ)

Bezirksvertretung: SPÖ 36, FPÖ 10, ÖVP 8, Grüne 6

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oba_öch
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22.7.2010, 10:39
Rechenfehler?

Donaustadt hat also 150.00 Einwohner und ~153.000 Wahlberechtigte...geht irgendwie nicht. an die 107.000 werden's sein, hm? ;-)

David-Lauritz
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Stadtverschandelung!

Wolkenkratzer und Bauhaus-Retro Architektur passt nicht zu Wien; es interessiert einfach niemanden! Wie kann man sich sonst erklären, dass das Hundertwasserhaus das einzige Bauwerk nach 1945 ist, welches man in Reiseführern findet? Wann kapiert die Architektenlobby, dass niemand auf ihre autoritären 68-Ideen abfährt. Natürlich sind SPÖ-Aufsteiger-Politker ein idealer Spielball für die Architektenlobby, da ersteren ein verwurzeltes Kunstverständnis fehlt (außer jenem. das sie vom Fußballplatz mitbekommen haben).

Proconsul
00

Zum Glück gibts nur EIN Hundertwasserhaus...

StandardLeser2
112
Kreisky hätte UNO-City nie in Schwarzem Bezirk gebaut

bezahlt haben wir's sprichwörtlich mit unserem Arbeitsleben!

bitte veröffentlicht doch einmal ein best-of-Kreisky samt Zinseszins-Belastung für uns!

fine
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so nebenbei

wer ständig von roten Prolos spricht, der hat wohl selbst nicht gerade viel Format!

Freigeistin1
82

Das hat doch nichts mit Format zu tun. Man braucht sich (va.) in Wien doch nur mal umschauen ... Da war damals der Mundl ja harmlos.
Der typische (rote) Wiener ist halt so - ein Unikat.

Freigeistin1
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Also dort (wie in fast ganz Wien) möchte ich niemals wohnen.
Mir gefällts in Wien-Umgebung viel besser.

eager beaver
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sie gehen uns jetzt schon ab.

Freigeistin1
60

Wie kann ich Ihnen abgehen? 1. kennen Sie mich nicht und 2. hab ich ja nie dort gewohnt ;-)
Kenne die Gegend nur vom durchfahren.

José Atento
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Ich würde meinen, sie können sich es einfach nur nicht leisten in Wien in einem EF- Haus zu wohnen ;-)
Ist nämlich viel praktischer, als immer viele km im Stau nach Wien zu pendeln.

Freigeistin1
30

1. Ich pendle nicht nach Wien.
2. Will ich gar kein Haus in Wien. Und ja es stimmt, einen rund 2000m2 grossen Garten in Wien können wir uns nicht leisten.

leitfaden
315
ach, sie sind auch eine von den egomanen speckgürtel-pendlern,

die wiener straßen und wiener infrastruktur benützen (und verstopfen) und zugleich auf die stadt-plebs herunter schauen.

wer das nötig zu haben glaubt, ist eigentlich arm.

Freigeistin1
30

Nein, ich bin kein Pendler und arbeite vor Ort.

Freigeistin1
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... ausserdem, die Infrastruktur wird von Steuern (österreichweit!) bezahlt. Wien bekommt sehr viel Geld von den Bundesländern und die Infrastruktur gehört NICHT den Wienern!

chilli p.
06

die ubahn schon.

mit g'fällt ja der nö-pröll immer, wenn er möchte, dass die böse urbane u-bahn in "seinen" speckgürtel verlängert wird - aber zahlen möcht er nix dafür... typisch landpomeranze, eben.

leitfaden
01

und die wiener landes- und gemeindestraßen. auf denen die wien-besucher den platz verparken.

Freigeistin1
60

Gebe Ihnen Recht. Bin auch der Meinung dass die U-Bahn nicht nach Nö (zB Purkersdorf) verlängert werden soll! Die U-Bahn gehört den Wienern. Wir brauchen sie hier nicht.
Bin zwar grundsätzlich Övp Anhänger - aber nicht unbedingt vom Pröll (zwar besser als die Sozis, aber naja, auch nicht gerade konservativ, so wie sie sein sollten).

Eckhausbesitzer
01

Hängt davon ab, obs in Bundes- oder Landeskompetenz fällt. U-Bahn bau gehört jedenfalls nicht dazu, Autobahnen schon.

Freigeistin1
60

Zum Glück gibts bei uns keine U-Bahn ;-)
Würde nur die Landschaft verschandeln. Autobahn haben wir aber schon - sogar 2 Ab/Auffahrten - und ja, die brauchen wir auch :-)

Freigeistin1
101

Nein, ich bin KEIN PENDLER. Unsere Firma ist in unserem Ort (eine Filiale in Wien, wo ich aber selten bin).
Wenn ich nach Wien fahren will, mach ich das aber ohne die Wiener zu fragen, da haben Sie Recht - dafür bekommt die Stadt nicht wenig Kommunalsteuern ;-)
Wusste auch nicht dass man gleich ein Egomane ist, wenn man in einer schönen Gegend wohnt (ist übrigens nicht der Speckgürtel - sondern viel weiter draussen - wir haben Pferde, und anderes Getier im Garten).

leitfaden
06

und was mischen sie sich dann in diskussionen über wien ein? bleiben's bei ihnare pferterln - die haben immerhin ihr niveau...

Striker78
19

aber wegen jedem Dreck dann ins Wien mit dem Auto fahren ...

Freigeistin1
90

Nein, keine Sorge. Ich bin so gut wie nie in Wien - max. 1-2 x / Monat.

Freigeistin1
00

Find ich lustig dass man rote Striche bekommt, weil man nur sehr selten in Wien ist. Was soll denn das aussagen?

Eva Ulrich
03

Stimmt. Die Wiener sollten sich eigentlich freuen, dass Sie nicht öfter in Wien sind.

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