Meine Vuvuzelas machen mich glücklich

30. Juni 2010, 16:22
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Seit ich in Südafrika wieder unter die Posaunisten gegangen bin, hat das WM-Gefühl noch mehr Flair

Ich habe gestern meine Zweit-Vuvezala über das Pressezentrum ins Cape Town Stadium zum Achtelfinalmatch Spanien gegen Portugal geschmuggelt, obwohl man mit einer derartigen Plastiktröte in Südafrika sicher direkt in das Präsidenten-Office, die Schatzkammer der Nationalbank oder einfach durch den Sicherheitscheck am Flughafen schreiten kann. Die Vuvuzela ist ein Kulturgut, im Pressebereich allerdings verpönt.

Bei der Eröffnung des Cape Town Stadiums Ende Jänner 2009 hatte sich bei einem Kapstädter Derby zwischen FC Santos und Ajax Cape Town ein deutscher TV-Kameramann an der damals noch mit alkoholischen Getränken bestückten Media-Bar wohl schon ein wenig zu viel bedient gehabt und während des Spiels von der Pressetribüne hinweg eine Vuvuzela plärren lassen, dass es sich gewaschen hat. Mit klassischem deutschen Akzent und festem Lallen rief er: "Why are you not happy? Everybody is blloowing a vuvuzella, I allso want to bllow a vuvuzelala." Oder so. Nach höflichen Hinweisen der Pressebetreuer etwas leiser zu treten, fühlte sich der Kollege noch mehr motiviert, nach einer Diskussion gelangte man zur Entscheidung, den Herren hinauszuweisen. Drum trau´ ich mich im Pressebereich auch keine Vuvuzela pusten.

Aber gestern habe ich dann dieses grüne Billig-Steckteil von Pick n Pay um 16,90 Rand (ca. 1,80 Euro, siehe Bild Mi.) „hineingeschummelt", bin auf die reguläre Besucherebene gegangen, habe meine Akkreditierung in der Jacke versteckt und aus vollster Brust der Welt einfach "trrräärääääääähhhöööööäääöööäöäöäö" gesagt. Und dann noch einmal "trrräärääääääähhhöööööäääöööäöäöäö", usw. Gut hat das getan. Es gibt ja diese, zugegebenermaßen, esoterische Theorie, dass durch die gesamte enthusiastische Energie des Vuvzela-Trötens sehr viele Aggressionen abgebaut würden. Dass sich die Gesellschaft sozusagen den Frust von der Seele bläst. Vielleicht gibt es die katharsis vuvuzelaensis tatsächlich. "trrräärääääääähhhöööööäääöööäöäöäö." Ich will´s nicht widerlegen.

Meine erste Vuvuzela habe ich mir übrigens am Sonntag nach dem Sieg der Deutschen gegen England gekauft. Um 50 Rand (5,50 Euro) am Markt direkt hinter dem FIFA Fan Fest auf der Grand Parade. Eine „Limited Edition" mit vielen aufgeklebten Flaggen, am Heimweg war ich 15 Minuten lang nicht zu beruhigen, wobei ich aufgrund meiner über 10-jährigen Erfahrung als Zugposaunist in der Trachtenblasmusikkapelle Stroheim wenigstens etwas Tonalität ins Spiel zu bringen versuchte. Jedenfalls versteckte mir dann zuhause in Vredehoek mein Spezi und Herberggeber Rene die Vuvuzela lieber doch in einer Lade hinter dem Kühlschrank. In der Früh war ich immer noch Deutschland-Fan.

  •  Meine drei Prachtstücke (v.l.n.r.): Die Limited Edition vom WM-Markt, das Steckteil von Pick n Pay, wo die dünnere Hälfte gerade in der dickeren steckt, und eine Kelp-Vuvu aus getrocknetem Seetang, die einen recht feinen Klang ergibt.
    foto: martin obermayr

    Meine drei Prachtstücke (v.l.n.r.): Die Limited Edition vom WM-Markt, das Steckteil von Pick n Pay, wo die dünnere Hälfte gerade in der dickeren steckt, und eine Kelp-Vuvu aus getrocknetem Seetang, die einen recht feinen Klang ergibt.

  •  Die Vuvuzela auf jenem Highway-Zubringer in der City von Cape Town, dem irgendwann zu viele Häuser im Weg gestanden sind, darf nicht geblasen werden - Lärmbelästigung.
    foto: martin obermayr

    Die Vuvuzela auf jenem Highway-Zubringer in der City von Cape Town, dem irgendwann zu viele Häuser im Weg gestanden sind, darf nicht geblasen werden - Lärmbelästigung.

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