Das Wiener Naherholungsgebiet Floridsdorf ist einer der zwei Bezirke jenseits der Donau und liegt fest in SPÖ-Hand
Für FP-Chef Heinz-Christian Strache lebt der echte Wiener in Floridsdorf. Und dieser werde "nicht untergehen", rief er im Juni dieses Jahres einer Menschenmenge zu, die gekommen war, um mit ihm gegen den Ausbau des islamischen Kulturzentrums in der Rappgasse zu protestieren. Die Freiheitlichen stellen im 21. Wiener Gemeindebezirk die zweitstärkste Kraft dar, mit knapp 17 Prozent. Einer ihrer prominentesten Vertreter ist David Lasar, Gemeinderat in Wien und Mitglied der Israelitischen Kultusgemeinde. Etliche seiner Verwandten sind im Holocaust umgekommen, sein Engagement für die FPÖ sorgte von Beginn an für Irritationen.
Überlegen auf Platz Eins liegt jedoch die SPÖ mit knapp 58 Prozent. Damit das nach der kommenden Wahl so bleibt, schicken die Sozialdemokraten nun ihre Parteiprominenz ins Feld: Neuer SP-Chef im 21. Wiener Bezirk ist seit Ende März der Vizebürgermeister und Wohnbaustadtrat Michael Ludwig. Mit im Team sind außerdem Sozialminister Rudolf Hundstorfer und Landtagspräsident Harry Kopietz.
"Ferry" Maier und Susanne Dietl
Ebenfalls nicht unbekannt ist der Bezirksparteiobmann der ÖVP, Ferdinand "Ferry" Maier. Der Generalsekretär des Österreichischen Raiffeisenverbandes sitzt seit 2002 im Nationalrat. Nach dem Abgang von Johannes Hahn als Wiener VP-Chef war er eine Zeitlang als Nachfolger im Gespräch, er verzichtete jedoch auf eine Kandidatur. Die Volkspartei erreichte bei den Wahlen 2005 etwas über 13 Prozent.
Klubobfrau der Grünen Floridsdorf ist Susanne Dietl, die Grünen stehen im Bezirk bei knapp unter zehn Prozent.
Zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe
Floridsdorf ist einer der größten Bezirke Wiens und neben Donaustadt der zweite Bezirk jenseits der Donau. Er beheimatet zahlreiche Industrie- und Gewerbebetriebe. Seit 1989 gibt es mit der Shopping-City-Nord ein eigenes Einkaufzentrum. Zu den größten Siedlungen zählen die Großfeldsiedlung und die Nordrandsiedlung, das neue Siedlungsgebiet Neu-Stammersdorf zwischen Brünner Straße und Jedlersdorfer Straße dehnt sich auf einer Fläche von 76 Hektar aus.
19.000 Euro als Nettojahreseinkommen
Anfang 2009 lebten insgesamt 139.729 Menschen in Floridsdorf, die drittgrößte Bevölkerungszahl eines Wiener Bezirks. Allerdings liegt Floridsdorf mit 3.143 Einwohnern pro Quadratkilometer hinsichtlich der Einwohnerdichte im unteren Viertel der Wiener Gemeindebezirke. Der Bevölkerungsstruktur nach gibt es deutlich mehr Kinder, aber auch eine etwas höhere Zahl von Menschen über 60 Jahre als im Durchschnitt Wiens. Der Anteil der Bevölkerung zwischen 15 und 59 Jahren liegt hingegen deutlich unter dem Durchschnitt, vor allem mangelt es an 20 bis 34-Jährigen. Das durchschnittliche Nettojahreseinkommen liegt bei etwas über 19.000 Euro, die meisten Bewohner (48,5 Prozent) haben eine Lehre absolviert, nur etwa 12 Prozent die Matura.
Naherholungsgebiet Donauinsel
Eines der beliebtesten Naherholungsgebiete der Wiener, die Donauinsel, liegt zu einem Teil in Floridsdorf. Es gibt Liegebereiche und Wassereinstiege in die Neue Donau, außerdem Grillplätze und -bereiche. Seit 1989 hält die SPÖ Wien hier jährlich das Donauinselfest ab. (nik, derStandard.at, 6.7.2010)
Info zum Bezirk:
Wahlberechtigte: 101.076 (Stand 2005)
Bezirksvorsteher: Heinz Lehner (SPÖ)
Bezirksvertretung: SPÖ 35, FPÖ 10, ÖVP 8, Grüne 6, BZÖ 1