Thema Life Ball 2010

Schwules Blut

Bianca Blei, 13. Juli 2010 17:02
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    Foto: dpa/a3724 felix heyder

    Homosexuelle Männer dürfen noch immer nicht Blutspenden.

Blutkonserven sind rar - also werden dringend Spender benötigt, aber "bitte nur heterosexuelle"

Gerade vor dem Sommer kommt es wieder zu Engpässen bei Blutkonserven. Vor kurzem mussten Wiener Spitäler sogar auf Vorräte aus Niederösterreich zurückgreifen, um die Versorgung sicherzustellen. Deshalb startete das Rote Kreuz auch einen Blutspendeaufruf: Rette Lebe, spende Blut. Mit einem kleinen Nachsatz: kein Blut von homosexuelles Männern.

Vor dem Blutspenden ist von jedem potentiellen Spender ein Fragebogen auszufüllen. Darin wird abgeklärt, ob er/sie an chronischen Krankheiten leidet oder vor kurzem in einem Risiko-Urlaubsgebiet unterwegs war. Gegen Ende findet sich aber auch eine Frage, die für hitzige Diskussionen zwischen dem Roten Kreuz und schwul/lesbischen NGOs sorgt: Hatten sie als Mann Sex mit einem Mann?

"Klare Diskriminierung"

„Es ist nun einmal eine Tatsache, dass homosexuelle Männer eine Risiko in Sachen HIV-Ansteckungsgefahr sind", begründet Andrea Winter vom Roten Kreuz Österreich die Fragestellung: „Die Sicherheit unserer Blutspendeempfänger hat oberste Priorität." Marco Schreuder von den Grünen Andersrum sieht die Tatsache, dass schwule Spender schon im Vorfeld ausgeschlossen werden, aber als „klare Diskriminierung und schürt das Vorurteil, das homosexuelle Männer, hart formuliert, nur wild herumvögeln". Außerdem würde die Kategorisierung als Risikogruppe „längst nicht mehr dem aktuellen Forschungsstand entsprechen."

Laut Studienergebnisse der Statistik Austria, die alle HIV-Neuinfektionen seit dem Jahr 1985 dokumentierte, ist die Gruppe „Homo/bisexuell" zwar noch immer in der Aufstellung vertreten, doch war es im Jahr 1998 zum letzten Mal der Fall, dass es mehr Neuinfektionen unter homosexuellen Männern gab, als durch heterosexuelle Übertragung. Im Jahr 2009 gab es unter homosexuellen Männern sechs Neuinfektionen und im Vergleich dazu vierzehn bei heterosexuellen Personen.

Fragebogen "nur zusätzliche Sicherheit"

Für Julian Wiehl von Vangardist, einem Onlinemagazin für schwule Männer, wird durch das Rote Kreuz „ein falsches Zeichen gesetzt und die Infektionsgefahr für heterosexuelle Menschen heruntergespielt." Seiner Meinung nach sagt die sexuelle Orientierung „nichts über die Qualität von Blut aus, denn das muss ja dann sowieso noch einmal medizinisch getestet werden." Winter stellt klar, dass der Fragebogen nur eine „zusätzliche Sicherheitsvorkehrung" sei und „eine Stufe im Diagnoseverfahren". 

Außerdem stellt Winter fest, dass auch Personen, die sich während der BSE-Krise in den 1980er Jahren in Großbritannien aufgehalten hätten, von der Blutspende ausgeschlossen würden, „auch wenn sie Vegetarier sind". Aber natürlich „ist verständlich, dass sich homosexuelle Männer diskriminiert fühlen". Gegen diese Diskriminierung wollen laut Schreuder die Grünen Andersrum vor allem mit medialen Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit vorgehen und er kennt einen Weg, wie homosexuelle Männer trotzdem Blut spenden dürfen: „Einfach beim Fragebogen nicht zugeben, dass man schwul ist. Das passiert ja schon immer wieder."

Auch Lesben waren ausgeschlossen

Das Rote Kreuz will laut Winter aber kein „was wäre wenn spielen" und nicht darüber nachdenken die Frage aus dem Diagnoseverfahren zu streichen. Obwohl so etwas schon einmal passiert ist: bis 2003 waren bei einzelnen Blutspendeeinrichtungen auch lesbische Frauen als Spenderinnen verboten. Dazu Winter: „Das ist der beste Beweis, dass wir Risikogruppen, sofern sie nach dem aktuellen Stand der Forschung nicht mehr als solche gelten, auch wieder aus dem Verbot entfernen." Laut Forschung liegt die Neuinfektionsrate bei Lesben in Österreich aber schon seit dem Jahr 1985 bei 0 Prozent. (Bianca Blei/derStandard.at/13.7.2019)

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Posting 1 bis 25 von 218
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Ich, hasse Beistrichfehler
15.07.2010 22:31
Ich frage mich, wie in den 80ern im Standard über HIV in Punkto Risikogruppen berichtet worden wäre...

Der Biber
15.07.2010 18:07
Bitte Zahlen im Artikel prüfen

Neuinfektionen

Täglich kommt es zu ein bis zwei Neuinfektionen in Österreich.
Im Jahr 2009 wurden 507 Neuinfektionen festgestellt. Das sind um zwei mehr als im Vorjahr. In Wien ist die Zahl der diagnostizierten HIV-Neuinfektionen 2009 auf 279 gegenüber 273 im Jahr 2008 gestiegen.

Zu den meisten HIV-Infektionen kommt es in Österreich durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr. 2006 erfolgten fas 42 Prozent der Neuinfektionen über heterosexuelle Kontakte (1998 waren es noch 27 %), 28,6 Prozent über homosexuelle Kontakte und 20,5 Prozent über intravenösen Drogenkonsum.

Quelle: Aids Hilfe Wien

LostinSpacetime
17.07.2010 22:24
selbst bei einem anteil von 20% homosexuellen männern

ergeben diese zahlen ein mehr als 3 faches risiko für einem homosexuellen mann. auf jeden fall ausreichend für maßnahmen.

tycho
18.07.2010 20:40

eh.
Gegen Maßnahmen wehrt sich ja keiner.
Passend sollten sie halt sein. Und nicht diskrimierend sollten sie sein.

Leider ist das österreichische RK davon weit entfernt. In der Hinsicht sind uns ausnahmsweise sogar die USA überlegen.

Bei uns geht's um Stigmatisierung und um sonst nichts.

Zwetsch Genbaum
15.07.2010 16:55
Naivität

Ich halte Marco Schreuders Empfehlung beim Ausfüllen des Fragebogens einfach zu leugnen dass man schwul ist für gefährlich. Ob sich Schreuder darüber im klaren ist was das im (unwahrscheinlichen aber durchaus möglichen) Einzelfall heißen kann darf bezweifelt werden.
Bei der ganzen Sache geht es darum das Risiko für den Empfänger einer Blutkonserve gering zu halten. Schreuder ruft dazu auf diese Bemühungen zu torpedieren, das halte ich für sehr bedenktlich. Dass der Blutspendedienst, der ja auf freiwillige Spender angewiesen ist Spendergruppen ohne hinreichenden Grund ausschließt, ist nur schwer vorstellbar.

Timagoras
 
15.07.2010 14:24
"Hatten sie als Mann Sex mit einem Mann?"

aha.
wer das mit ja beantwortet, dessen blut wird (ohne es zu testen) nicht genommen.

und wer das mit nein beantwortet, dessen blut wird genommen und dann getestet.

so weit so logisch.

oder doch nicht?

Zwetsch Genbaum
15.07.2010 16:34
Getestet wird jedes Blut.

Ein Test kann aber nicht immer zu 100% sicher sein ( http://de.wikipedia.org/wiki/Diag... es_Fenster ). Insofern ist jede weitere Maßnahme ein Infektions-Risiko zu senken sinnvoll.

Timagoras
 
15.07.2010 19:20
"Ein Test kann aber nicht immer zu 100% sicher sein "

und bei blut von heteros nimmt man dieses risiko aber halt in kauf?

aha .......

Zwetsch Genbaum
15.07.2010 22:09
"und bei blut von heteros nimmt man dieses risiko aber halt in kauf?"

Ja. Aber wahrscheinlich nur weil sonst nicht mehr viele Spender übrig bleiben würden, wenn Sie verstehen was ich meine. Null-Risiko gibt es halt nicht, vermeidbares Risiko ist aber zu meiden.

Timagoras
 
15.07.2010 22:28
"Null-Risiko gibt es halt nicht, vermeidbares Risiko ist aber zu meiden"

wenn ich Sie ernst nehmen soll, müssten Sie dafür plädieren, vor jeder blutspende einen gesicherten "homotest" vorzunehmen, denn nur das "befragen" der blutspender ist wohl kein wirklich sicherers vermeiden von risiko (wie leicht ist ein "nein" angekreuzt?)

Zwetsch Genbaum
15.07.2010 22:33
"denn nur das "befragen" der blutspender ist wohl kein wirklich sicherers vermeiden von risiko"

Zumindest nicht bei Leuten wie Schreuder, wie es scheint.

:
14.07.2010 21:05

Dieskrimierung ist ja der Sinn und Zweck des Fragebogens. Ich sehe da nichts negatives. Ich sehe auch nicht, dass Vorurteile verstärkt werden, denn Vorurteile basieren ja nicht auf Fakten.

worstbull
14.07.2010 19:58
blah

Aids Hilfe Wien schreibt: "Täglich kommt es zu ein bis zwei Neuinfektionen in Österreich.
Im Jahr 2009 wurden 507 Neuinfektionen festgestellt."
Von wegen 14...
Dass die meisten HIV-Neuinfektionen bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr entstehen, lässt sich auch dann nicht leugnen, wenn man irgendwelche Zahlen umherwirft.

Vielleicht denkt mal jemand darüber nach, Männer generell auszuschließen, weil deren Blut mit einer höheren Wahrscheinlichkeit vergiftet ist...

Ich wäre auch dafür, Leute auszuschließen, die in den vergangenen fünf Wochen Alkohol getrunken haben. Dann hat sich das Thema erledigt (ein Prost den Zeugen Jehovas).

Wikipedia zum Thema "Homosexualität": "...eine repräsentative BRAVO-Umfrage aus Heft 14/97, ergeben hat, dass 25 Pro

worstbull
14.07.2010 20:06

...25 Prozent aller Jungen zwischen 14 und 17 gleichgeschlechtliche Erfahrungen gemacht haben."

Selbst wenn man nur sagt, dass bis zum Alter von 50 vielleicht 33 % daraus werden, ergibt das ein nichtmal annähernd doppelt so hohes Risiko einer HIV-Infektion wie bei Heteros.

Das ganze IST diskriminierend.
Es IST Populismus, und die Scheu vor etwaigen Klagen durch rechts-denkende.

tycho
14.07.2010 17:00
Mir unverständlich...

6 Wörter würden die ganze Diskriminierungdiskussion hinfällig machen:

Frage 37 jetzt:
"Hatten Sie als Mann Sex mit einem anderen Mann?"

Frage 37 ohne Diskriminierung:
"Hatten Sie als Mann IN DEN LETZTEN 4 MONATEN UNGESCHÜTZTEN Sex mit einem anderen Mann?"

Effekte:
- die Konserven wären genauso sicher wie bisher
- es gäbe mehr Konserven
- Diskriminierung wäre beendet

Was ist daran so schwer?

t ttttt
14.07.2010 16:35
frische...

...infektionen sind teilweise durch die papendeckeltests nicht nachzuweisen!!! abgesehen davon werden auch junkies ausgeschlossen!!! risiko minimierung ist das stichwort!!! und ob mans glaubt oder nicht aber die blutkonserven haben schon so einige am gewissen... allein schon wegen den falschen blutgruppen/beschriftung!!!
das das rote kreuz ein wenig christlich angehaucht ist lassen wir jetzt aussen vor!!!

FlauschBär
 
14.07.2010 15:56
Bananenblut

Einerseits hält sich mein Mitgefühl für Leute die nicht Blutspenden können in Grenzen, es gibt auch andere Möglichkeiten unentgeltlich etwas Positives für die Gesellschaft einzubringen. Natürlich verstehe ich dass man sich diskriminiert fühlt, jedoch werden auch Spender die in den Tropen geboren wurden teilweise abgelehnt und letztlich muss das Wohl der Empfänger Priorität haben. Ich werde allerdings nie vergessen wie bei der „freiwilligen“ Blutspendeaktion beim Bundesheer ein in Brasilien geborener Rekrut mit dem Hinweis „kein Bananenblut“ abgelehnt wurde.

Christ Kind
14.07.2010 15:42
ich geh

aber schon noch davon aus, dass jedes gespendete Blut genauest gestestet wird bevor es an Empfaenger weitergegeben wird......

also wo is des Problem?

Robert10010
 
14.07.2010 16:00

1. gibt es keinen Test mit 100%-iger Genauigkeit

2. wird nicht jede Konserve einzelnen getest, sondern immer mehrere zusammengemischt und dann getestet. Das ist kosteneffizienter.

Statistisch gesehn müsste dann mehr Blut entsorgt werden weil die Wahrscheinlichkeit eine infizierte Charge zu erwischen überproportional zum Spendeaufkommen steigt.

Unterm Strich ist es eine Frage der Rentabilität.

JuvonLiebig
14.07.2010 15:35
Worum geht es eigentlich?

Menschen zu helfen oder Diskussionen über Befindlichkeiten zu führen. Jeder der eine Blutkonserve braucht soll auch eine kriegen und zwar mit dem geringst möglichen Risiko einer möglichen Infektion. Und wenn es Risikogruppen gibt, dann können die in diesem Fall nicht helfen. Danke für die Absicht es gibt sicher viele andere Möglichkeiten zu helfen, zu spenden.

tycho
14.07.2010 15:52

Und genau weil jeder eine Blutkonserve bekommen soll wenn er sie braucht (immer wieder herrscht Knappheit) ist es umso unverständlicher, dass ganze Gruppen PAUSCHAL abgelehnt werden.

Jemand aus einer sogenannten RisikoGRUPPE der kein RisikoVERHALTEN an den Tag legt braucht nicht als potentieller Spender ausgeschlossen werden.

Dazu müsste sich lediglich das ÖRK dazu hinreissen lassen, die Fragestellung entsprechen anzupassen.

Kein vernünftiger Mensch verlangt, dass Leute die sich einem Risiko einer Infektion ausgesetzt haben spenden dürfen sollen.

Darum gehts hier eigentlich. Mir zumindest. Vielen anderen geht es darum, dass sie ein klischeehaftes Schwulenbild haben und sich hinter Statistiken verstecken die eh unbstritten sind.

kapitän nemo
Thomas Herzig
15.07.2010 10:56

auch wenn es mittlerweile ungefähr gleich viele heterosexuelle HIV-positive gibt, wie homosexuelle männer, so muss man auch dem umstand rechnung tragen, dass ja bloß maximal 3% der männer schwul sind, also nur 1,5% der gesamtbevölkerung.
Das zeigt, dass bei dieser bevölkerungsgruppe das HIV-risko auf den einzelnen spender umgerechnet doch um ein vielfaches höher ist.
umgekehrt machen 1,5% der bevölkerung nicht viel unterschied aus, wenn diese zum blutspenden wegfallen.
ich denke doch, dass der ausschluss jeglichen gesundheitsrisikos vorrang hat, vor der politischen korrektheit gegenüber einer sehr kleinen personengruppe in einer angelegenheit die nur sehr geringe bedeutung für diese hat.

Johannes St.
 
14.07.2010 15:24
die Frage, die hier nicht ansprochen wurde: gibt es ein Zeitfenster, in dem zwar eine Erkrankung (HIV) nicht nachweisbar ist, aber schon ein Ansteckungsrisiko besteht?

wenn ja, dann habe ich für diese Fragestellung (wechselnde Partner, homosexuelle Partner) Verständnis.
wenn nein, dann verstehe ich diese Fragen nicht

Robert10010
 
14.07.2010 14:52

Annahme: 10% der männlichen Bevölkerung sind homosexuell.

Wenn sich von den restlichen 90% 14 Individuen mit HIV infizieren, dürften es rein statistisch nur ca. 1,55 bei den Homosexuellen sein. Es sind aber gleich 6 (fast das 4-fache!). Es gibt hier also sehr wohl ein erhöhtes Risiko!

Ich, hasse Beistrichfehler
14.07.2010 14:45
relation neuerkrankungen 6:14

ich nehme an, dabei geht es um absolute zahlen und nicht um prozentsätze => unseriöse berichterstattung! denn: wie viele männer sind homosexuell, wie viele hetero?

man kann ja auch nicht hergehen und beispielsweise sagen: die friedlichsten immigranten sind personen von den fidji-inseln, denn nur 1 person wurde 2009 straffällig. gäbe es nämlich in summe zB nur 2 leute von den fidjis in ö., wäre das ja bereits eine kriminalitätsrate von 50%.

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