Ausgefallene Beinarbeit lehrt Teenager mehr über HIV

30. Juni 2010, 16:14
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Wie ein Jugendfestival in Südafrika versucht, Kinder über HIV aufzuklären

Es ist schwer dieser Tage irgendwo in Südafrika hinzugehen, ohne vom Fußballfieber angesteckt zu werden. Bei der FIFA Fußballweltmeisterschaft 2010 starten nun in dieser Woche die Viertelfinali und ich muss gestehen, dass mich das Fußballfieber schwer gepackt hat - obwohl ich noch nie ein Fußballfan war.

Nun klebe ich bei jeder Fußballübertragung auf meinem Sessel vor dem Fernseher und ich habe sogar damit angefangen das Dress Südafrikas an „Fußball-Freitagen" zu tragen. Das einzige, womit ich noch meine Probleme habe, ist ein fundiertes Wissen der Fußballregeln!

Aber ein kürzlicher Besuch in Khayelitsha, einem großen Township im Umland von Kapstadt mit mehr als 500.000 Einwohnern, wo fast jeder dritte Erwachsene HIV-positiv ist, hat mir ein anderes Gefühl von Südafrika gegeben. Abgesehen von der Armut und der hohen Belastung durch HIV und TB Co-Infektionen, geht das Leben in Khayelitsha (bedeutet „neues Zuhause" in dem lokalen Dialekt Xhosa) weiter. Die Leute feiern hier das Leben und den Fußball auf ihre eigene Art und Weise - wie auf vor Kurzem mit einem Jugendfestival an der Bulumko Schule.

Das Festival wurde von Khayelitshas Jugendforum in Zusammenarbeit mit Partnerorganisationen, wie Ärzte ohne Grenzen, Youth AIDS, dem Simelela Zentrum und vielen anderen Zusammenschlüssen, organisiert.

Hunderte Kinder und Jugendliche sangen und tanzten gemeinsam und nahmen an einem Gemeinschaftstheaterstück und Chorauftritten teil. Diese Aktivitäten sollten das Bewusstsein für HIV/Aids unter Jugendlichen schärfen und die HIV-Präventionsprogramme und Gesundheitseinrichtungen für Jugendliche in Khayelitsha bekannt machen. Dort erhalten Teenager HIV-Beratung und -Tests, Informationen über HIV/Aids, die antiretrovirale Therapie und Selbsthilfegruppen, Aufklärung über Fortpflanzung und Verhütung und lernen sogar Dinge fürs alltägliche Leben – alles durch eine Basis-Fußballinitiative.

Lerato Mhlwawuli zog meine Aufmerksamkeit auf sich, weil das 6-jährige Mädchen die unumstrittene Königin der Bühne war. Sie bewegte sich im Rhythmus und Takt in einer total ungehemmten Darbietung ihrer Tanzkünste. Sie sah winzig und süß aus, aber ihre Selbstsicherheit und ihr Talent strahlten bei jedem Schritt ihrer erstaunlichen Performance. Von allen Teilnehmern bekam sie den lautesten Beifall des Publikums. Nonledo Bulana von Youth Aids war voller Stolz, als sie Lerato fest umarmte.

„Wir von Youth Aids unterscheiden uns dadurch, dass wir uns auf HIV-Vorsorge für Kinder und Jugendliche zwischen 7 und 15 Jahre konzentrieren. Ich glaube, dass es wichtig ist, Kinder und Jugendliche zu stärken, indem man sie über HIV/Aids aufklärt und sie ihre Körper verstehen lernen. Wir machen das, weil diese Kinder die Zukunft sind und den Schlüssel zu einer HIV/Aids freien Gesellschaft halten", erklärt Nonledo.

Ich sprach auch mit Dr. Carolina Malavazzi Galvão, einer Ärztin von Ärzte ohne Grenzen aus Brasilien, die in der Jugendklinik von Khayelitsha arbeitet. Anfänglich sprachen wir über ihre Frustration beim ersten Spiel der brasilianischen Fußballnationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft und wie Fußball für Brasilianer die Art zu leben bestimmt, egal wo sie gerade sind.

Aber sie erzählte mir auch, warum das Jugendfestival so wichtig ist: „Es ist lebensnotwendig, dass HIV Programme verschiedene Jugendeinrichtungen integrieren, um zu verhindern, dass sich HIV weiter verbreitet, vor allem unter jungen Menschen. Hier in Khayelitsha ist die Zahl der HIV-Behandlungen unter Kindern und Jugendlichen sehr niedrig. Viele Patienten hören auf in die Kliniken zu gehen. Wir müssen ihre Eltern oder Erziehungsberechtigten erziehen, damit die Kinder verstehen, warum es so wichtig ist, dass sie ihre Behandlung fortsetzen und unterstützende Initiativen suchen, die ihnen helfen, mit ihrem HIV Status umzugehen."

Ich war so glücklich zu hören, dass diese Jugendinitiativen helfen, junge und lebensnahe Antworten zu geben, wie man HIV bekämpft und dass das nächste Jugendfestival in den Zentren stattfinden wird, wo sich viele Kinder befinden.

Nun bräuchte ich vor dem WM-Finale nur noch ein wenig "ExtraTime", um das Mysterium der Fußballregeln zu lüften. Irgendwelche Freiwilligen, die mir helfen?

(Baikong Mamid ist Communications Officer von Ärzte ohne Grenzen in Südafrika)

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