Mehr Licht in die dunklen Seiten des Vatikans

30. Juni 2010, 13:36
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Kirchenmann Papst Benedikt XVI. will nach mehreren Skandalen und dunklen Geschäften durch eine große Finanzreform für mehr Transparenz sorgen

Rom - Finanzreformen sind derzeit aus guten Gründen en vogue. Mehr Transparenz lautet vielfach das Schlagwort in der schnöden Welt des großen Geldes. Ein Ansinnen, an dem nun auch der oberste Kirchenmann, Papst Benedikt XVI, nicht vorbei kann. Vor allem, nachdem eine Reihe von Skandalen für Aufsehen sorgten, in die die vatikanische Bank IOR und die päpstliche Kongregation Propaganda Fide (die einen Großteil der vatikanischen Immobilien verwaltet) geraten sind, berichtet die Tageszeitung "La Repubblica".

So soll der Ex-Präfekt der Kongregation, der heutige Erzbischof von Neapel Kardinal, Crescenzio Sepe, in einen ausgedehnten Korruptionsskandal verwickelt sein. Die Vorwürfe gegen den Kardinal beziehen sich auf die Zeit zwischen 2001 und 2006, in der er Präfekt der "Propaganda Fide" war. Nach den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Perugia soll Sepe eine Immobilie im Vatikan zu Vorzugsbedingungen an Italiens Zivilschutz-Chef Guido Bertolaso vermietet haben. Sowohl gegen Bertolaso als auch gegen den ehemaligen Verkehrsminister Pietro Lunardi laufen ebenfalls Korruptionsermittlungen. Diese beziehen sich auf ein weit verzweigtes Netz öffentlicher Bauaufträge, bei denen Schmiergelder gezahlt worden sein sollen.

Weitere dunkle Geschäfte

Auch die Vatikanbank IOR ist kürzlich ins Visier der italienischen Ermittler geraten. Das Institut, das offiziell den Namen "Institut für religiöse Werke" führt, gehört nicht zur römischen Kurie und legt traditionell weder Bilanzen noch Rechenschaftsberichte vor. Eigentümer der Bank ist der Papst selbst, der die Gewinne für den Heiligen Stuhl - aber nicht für sich als Person - beansprucht. Die römische Staatsanwaltschaft überprüft nach Medienberichten suspekte Konten der Vatikanbank. Laut "La Repubblica" hatte die Vatikanbank Konten bei italienischen Banken eröffnet, ohne den Namen des Konto-Inhabers anzugeben. Auf einem Bankkonto, die die IOR bei einer Filiale der inzwischen von der UniCredit übernommenen Banca di Roma eröffnet hatte, seien in den letzten Jahren riesige Geldsummen geflossen. Allein 2007 wurden monatlich Schecks mit Beträgen zwischen 32 und 80 Millionen Euro eingezahlt. Die Ermittler gehen davon aus, dass das IOR-Konto Personen als Schutz diente, die sich des Betrugs, der Geldwäsche und der Steuerhinterziehung verantwortlich gemacht haben.

Glaubwürdigkeit zurückgeben

Nun soll mittels großer Finanzreform für mehr Licht im Dunkeln gesorgt werden. "Der Papst will der vatikanischen Finanzpolitik und den päpstlichen Institutionen Glaubwürdigkeit zurückgeben", heißt es in der Zeitung. Mit der Reform wurde Kardinal Attilio Nicora, Präsident der Güterverwaltung des Heiligen Stuhls (APSA), beauftragt. Alle Finanzinstitutionen des Vatikans sollen unter Kontrolle der Güterverwaltung gestellt werden. Sie soll die Bilanzen autonomer Einrichtungen kontrollieren, wie jene des "Peterspfennigs", der die Spenden aus der Weltkirche an den Papst verwaltet. Auch die IOR und "Propaganda Fide" sollen unter APSA-Aufsicht gestellt werden.

Nicora und seine Mitarbeiter wollen die IOR-Bank in ein moderneres Geldhaus umwandeln und die Pflicht für Bischöfe, Kardinäle und religiöse Orden abschaffen, dort ein Konto zu haben. Anonyme Bankkonten bei der IOR sollen damit ebenfalls der Vergangenheit angehören. Von diesem Bankgeheimnis haben bisher auch privilegierte Bürger profitiert. (rb)

Wissen

1887 hatte Papst Leo XIII. als Reaktion auf die Zerschlagung des Kirchenstaats die Bildung der Vatikan-Bank angeordnet. Papst Pius XII. machte sei 1944 zu einer echten, eigenständigen Bank. Heute arbeitet sie mit eigenem Vermögen und auf eigene Rechnung, beschäftigt 130 Personen und verwaltet rund 40.000 Konten und rund fünf Milliarden Euro. Die Bank war nach der Verwicklung in den Bankenkrach 1981 unter ihrem damaligen Präsidenten Erzbischof Paul Marcinkus umstrukturiert worden. Im September ist es zu einem Führungswechsel gekommen. Der italienische Bankier Ettore Gotti Tedeschi steht nun an der Spitze der Bank.

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    In der Welt des großen Geldes - und da sind auch die kirchlichen Gefilde nicht ausgenommen - ist mehr Licht angesagt.

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