Ringen um ÖVAG-Zukunft nun vertraulich

30. Juni 2010, 13:28
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Zehn-Prozent-Aktionär Ergo will Strategien nicht weiter öffentlich besprechen

Wien - Wie es mit der Volksbank AG (ÖVAG) weiter geht, nachdem ein erster Versuch eines Verkaufs gescheitert ist, soll nun ohne Mediengetöse zwischen Eigentümern und mit der Bankenaufsicht beraten werden. Das hoffen zumindest Verantwortliche in der Bank und auch die Aufsicht selber. Die Bank brauche jetzt Ruhe, formulierte es der 10-Prozent-Aktionär Ergo am Mittwoch. Auch die Finanzmarktaufsicht (FMA) äußert sich gegenwärtig nur kryptisch.

Die ÖVAG ist die viertgrößte Bank Österreichs. Sie hat vor knapp einem Jahr aus dem österreichischen Bankenhilfspaket eine Milliarde Euro an staatlichem Partizipationskapital erhalten, das sie mangels Gewinns zur Zeit nicht bedienen kann.

Im Mai sind Verhandlungen mit der BAWAG über eine Fusion gescheitert. Weil kein anderer Käufer in Sicht ist, musste die ÖVAG-Spitze vorige Woche in einem ersten Schritt eine innere Umstrukturierung beschließen: Ihre Immo-Tochter Europolis verkauft sie an die CA Immo, die defizitäre Investkredit wird nicht verkauft, sondern in die ÖVAG hineinfusioniert. Pläne einer Kapitalerhöhung bei der ÖVAG, bei der ungewiss war, wer außer den einzelnen Volksbanken noch mitzeichnen würde, sind vorerst für ein paar Monate aufgeschoben.

Die FMA hat mehrfach wissen lassen, dass sie für die ÖVAG einen Verkauf an einen kapitalstarken Partner bevorzugt. Die jetzigen alternativen Schritte wurden von der FMA-Spitze am Dienstag Abend auf Journalistenfragen inhaltlich nicht kommentiert. "Es gibt wie so oft im Leben nicht nur einen Weg, der nach Rom führt, sondern viele", sagte FMA-Vorstand Helmut Ettl in einem Pressegespräch mit seinem Vorstandskollegen Kurt Pribil.

Ausschluss der Öffentlichkeit

Die FMA werde "alles mit der Volksbank AG unter Ausschluss der Öffentlichkeit besprechen", sagen die Vorstände der Finanzmarktaufsicht.

Die Ergo Versicherungsgruppe schwieg sich zu ihrer Wiener Bankbeteiligung ebenfalls aus. "Das kommentieren wir nicht in der Öffentlichkeit" sagte der Vorstand auf Fragen, ob die Ergo in der ÖVAG drinleibt bzw. an einer Kapitalerhöhung mitzieht. Auch zum Thema weitere Partnersuche gab es keine Angaben.

"Die Bank braucht Ruhe", befand Torsten Oletzky, Vorstandsvorsitzender der deutschen Ergo Versicherung heute.

Die Ergo hat 10 Prozent an der ÖVAG. An der Victoria Volksbanken Versicherung hält Ergo Austria 74,63 Prozent und die ÖVAG 25,37 Prozent. Zu Details über gegenseitige Andienungsrechte machte die Assekuranz keine Angaben. Derzeit sei keine Veränderung geplant.

Hauptaktionäre der ÖVAG sind die regionalen österreichischen Volksbanken (58 Prozent). Einzelaktionäre sind die deutsche DZ Bank (25 Prozent), die deutsche Ergo Versicherung (10 Prozent) und aus Österreich noch die Raiffeisen Zentralbank, RZB (6 Prozent). (APA)

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