Die vielleicht kleinste Wal-Population der Welt

30. Juni 2010, 12:04
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Pazifische Nordkaper-Bestände umfassen nur noch etwa 30 Tiere - Spezies vom Walfang des 19. Jahrhunderts immer noch nicht erholt

London - Die Spuren des Walfang-Zeitalters sind noch lange nicht getilgt - die niedrigen Reproduktionsraten großer Säugetiere führen dazu, dass sich Bestände nur sehr langsam erholen können. Im schlimmsten Fall tun sie dies überhaupt nicht, wie beim Pazifischen Nordkaper (Eubalaena japonica), der mit 18 Metern Länge und 80 Tonnen Masse zu den größten Walen zählt, befürchtet werden muss. Im 19. Jahrhundert wurden die Tiere zu zehntausenden getötet, im 20. waren kaum noch nennenswerte Populationen vorhanden - und das hat sich offenbar bis heute nicht nennenswert verbessert, wie Forscher in den "Biology Letters" der britischen Royal Society berichten.

Noch zu Mitte des 20. Jahrhunderts sollen im Nordpazifik mehrere hundert dieser Tiere aus der Familie der Glattwale gelebt haben. Gründe für das extreme Schrumpfen der Nordkaper-Population sind der unkontrollierte und illegale Walfang. Rund 400 Tiere tötete die damalige Sowjetunion in den 1960er Jahren trotz internationaler Walfangverbote. Diese Fänge haben die ohnehin langsam wachsende Population - Nordkaper bringen lediglich alle drei bis vier Jahre ein Kalb zur Welt - stark geschwächt. Danach wurden die Kolosse so selten, dass jede einzelne Sichtung der Wale veröffentlicht wurde. Als soziale Gruppe von mehreren Tieren wurden sie erst 1996 wiederentdeckt.

Ein Team um Paul Wade von der US-Meeresforschungsbehörde NOAA hat anhand von Fotos und Genproben nun erstmals den Bestand der Tiere abgeschätzt. Das Ergebnis: Nur noch etwa 30 Exemplare schwimmen durch das Beringmeer - es könnte sich damit um die kleinste Walpopulation der Welt handeln. Es gibt nur noch eine weitere Population des Pazifischen Nordkapers östlich von Sibirien. Diese dürfte größer sein, allerdings gibt es kaum Daten darüber. Da der Pazifische Nordkaper mit dem Atlantischen zwar den Namen teilt, sich nach DNA-Analysen jedoch als eigene Spezies herausstellte, steht die Spezies auf der Liste der bedrohten Arten derzeit in der zweithöchsten Gefährdungsstufe. Die einzig gute Nachricht ist: die extrem kleine Population scheint zumindest langsam zu wachsen. (APA/red)

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    Rein zahlenmäßig betrachtet bewegt sich der Pazifische Nordkaper vom Aussterben weg - allerdings so langsam, dass es ihn jederzeit einholen kann.

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