Sonderbriefmarke zu Ehren von Grete Rehor

30. Juni 2010, 11:27
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Christgewerkschafterin war das erste weibliche Regierungsmitglied Österreichs - Festveranstaltung zum 100. Geburtstag

Wien - Am 21. April 1966 wurde in Österreich das erste weibliche Regierungsmitglied angelobt: Die Christgewerkschafterin Grete Rehor, die am 30. Juni ihren 100. Geburtstag feiern würde. Am Dienstagabend wurde anlässlich dieses Jubiläums eine Sonderbriefmarke der Österreichischen Post präsentiert.

Rehor zu Ehren lud der Zweite Nationalratspräsident und langjährige FCG-Vorsitzende Fritz Neugebauer am Dienstagabend zu einer Festveranstaltung ins Parlament, bei der neben VP Wien-Klubobmann Karlheinz Kopf, Staatssekretärin Christine Marek und Ehrenparteiobmann Alois Mock auch Rehors Tochter Marielies Rehor zugegen waren.

"Bemerkenswertes Ereignis"

Als ehemaliger Generalsekretär des Wirtschaftsbundes leitete Kopf die Begrüßung mit einer Anekdote ein: Dass es Grete Rehor 1966 an die Spitze des Sozialministeriums schaffte, sei angeblich dem Wirtschaftsbund zu verdanken, der sich vehement gegen den ursprünglich vorgesehenen Kandidaten - Karl Kummer, Sozialexperte und Vordenker des ÖAAB - gewehrt haben soll. Damit wurde allerdings erreicht, dass aus der ÖVP kommend die erste Frau in die Bundesregierung einzog. "Das war zur damaligen Zeit ein bemerkenswertes Ereignis", unterstrich Kopf.

Auch wenn man auf Rehors Arbeit zurückblicke, gebe es einiges Bemerkenswertes. In einer Zeit, in der die ÖVP-Alleinregierung die Parole ausgab, "den Gürtel enger zu schnallen", steigerte Rehor das Budget des Sozialministeriums um mehr als die Hälfte. 

Mutter des Mutterschutzes

"Rehor ist auf vielen Gebieten Pionierin gewesen", so Staatssekretärin Christine Marek, Obfrau der ÖAAB-Bundesfrauen. Es sei fast unverzeihlich, "dass wir uns ihres Andenkens, ihrer Arbeit, nicht viel stärker bewusst sind." In ihrer Arbeit, ihren Forderungen und Positionen habe sie eine unglaubliche Modernität und Fortschrittlichkeit an den Tag gelegt. "Mit Zähigkeit und Engagement hat sie die Weichen in vielen unterschiedlichen Bereichen gestellt", erinnerte Marek an den Mutterschutz, für den Grete Rehor die Grundpfeiler gelegt habe.

Nach wie vor aktuelle Fragen

Auch das Arbeitsmarktförderungsgesetz habe sie auf die Beine gestellt. In vielen Bereichen seien ihre Forderungen aktueller denn je, erinnerte Marek daran, dass die Frauenpolitikerin für gleichen Lohn für gleichwertige Arbeit kämpfte. Rehors Postulat sei mittlerweile 50 Jahre vergangen. Es habe sich zwar viel getan: die Frauen seien in höherem Ausmaß am Arbeitsmarkt aktiv, die Frauenerwerbsquote gestiegen und bei den Bildungsabschlüssen haben die Frauen die Männer sogar überholt. "All dies geht in die richtige Richtung. Tatsache ist aber, dass gerade bei den Gehaltsunterschieden noch viel zu tun sei. Nie zuvor waren mehr Frauen erwerbstätig, aber die Einkommensschere ist immer noch groß. Im europäischen Vergleich müssen wir besser werden", so Marek.

Eine weitere Forderung von Grete Rehor war jene nach einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf - auch eine aktuelle Frage. "Rehor kämpfte - geprägt durch ihre Erfahrungen als Alleinerzieherin - dafür, beides zu leben", hob Marek hervor, dass Rehor den Mutterschutz auf zwölf Wochen ausgeweitet habe. "Wir sind mitten am Weg und noch lange nicht am Ziel. Ein Blick in die Vergangenheit tut gut, um dann in die Zukunft zu schauen."

Sonderbriefmarke der Post

Apropos Zukunft: In der wird Grete Rehors Konterfei auf so manchem Brief prangen, denn die  Österreichischen Post AG präsentierte abschließend die Sonderbriefmarke für die Politik-Pionierin. Eine Auflage von 300.000 ist vorgesehen - ein nicht unbeträchtlicher Beitrag, ihr Andenken zu bewahren. (red)

  • Fest für Grete Rehor: Bildung, Arbeitsrechte, Mutterschutz, Soziales waren die Anliegen der ersten Frau in der Regierung. Auch Außenminister Spindelegger war bei der Veranstaltung dabei.
    foto: parlamentsdirektion/carina ott

    Fest für Grete Rehor: Bildung, Arbeitsrechte, Mutterschutz, Soziales waren die Anliegen der ersten Frau in der Regierung. Auch Außenminister Spindelegger war bei der Veranstaltung dabei.

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