Einfühlsame Stadt mit 20.000 Sensoren

30. Juni 2010, 09:33
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Um die vitalen Daten einer Stadt besser zu erfassen, wird das nordspanische Santander als experimentelle "Smart City" ausgerüstet

Die "intelligente" Stadt rückt näher. "SmartSantander", ein Projekt in der Provinzhauptstadt des nordspanischen Kantabriens, wird wie eine interaktive SimCity seine 180.000 Einwohner mit der urbanen Lebenswelt in vernetzter Symbiose verschmelzen.

Im Herbst beginnt die Installation der ersten 8000 Sensoren, bis August 2013 sollen 12.000 weitere Sensoren dazukommen und 20.000 stationäre und mobile Datensammler ergeben. Nebst Wetterdaten, Wassertemperatur an den Stadtstränden, Stauwarnungen oder Parkhausauslastung werden sie auch Schadstoff-, Pollen- und Lärmbelastung überwachen. Die optimale Bewässerung der städtischen Grünflächen zählt dann ebenso mit zu den Aufgaben der Sensoren wie die Optimierung der Straßenbeleuchtung, was zehn Prozent Strom sparen soll.

Effekte erst 2011 spürbar

Federführend bei SmartSantander ist die Universidad de Cantabria (UC) mit ihrem Exzellenzzentrum in Telematik und Informatik, sowie der spanische Telekomkonzern Telefónica. Daneben gibt es Partneruniversitäten in Lübeck, Belgrad und Melbourne, wo weitere Sensoren installiert werden. Die EU schießt im Rahmen ihrer Forschungsförderung 8,7 Millionen zu, die Stadt eine halbe Million Euro.

"Spürbar für die Bewohner werden Effekte erst im Juni 2011", sagt Luis Muñoz, Cheftechniker von SmartSantander und Professor für Telematik an der UC. Über Maschine-zu-Maschine-Technik (M2M) und das "Internet der Objekte" (IOT-D - Internet-of-Things-Devices) funken dann Fahrzeugzähler, Hygro- sowie Thermometer im Akkord oder auf Anfrage. Für die Netzwerke werden unterschiedliche Datentechniken verwendet, wie Mobilfunk, Wi-Fi (Wireless LAN) oder Wimax. "Das macht die Infrastruktur offener und unabhängiger", erklärt Muñoz dem Standard.

Aber auch wenn Bewohner aus der Verfügbarkeit der Daten praktischen Nutzen ziehen können, "ist der Kern von SmartSantander, die Infrastruktur für Experimente bereitzustellen", erklärt der Experte. "Info-Services und das Steigern der Lebensqualität sind praktisch, aber Nebensache."

Wie in einem Hollywoodfilm

"Wir werden in drei Jahren keine Science-Fiction-Stadt wie in einem Hollywoodfilm sein", erklärt Telefóncia-Projektmanager José Manuel Hernández. SmartSantander sei ein "erster Embryo, ein Modell für die Wissensgesellschaft". Das großflächige Experiment soll "die Gräben zwischen den drei Akteuren der Gesellschaft überbrücken, der Wissenschaft, den Unternehmen und den Bürgern".

Trotz des experimentellen Charakters des Projekts gibt sich Bürgermeister Iñigo de la Serna euphorisch: "Die ganze Stadt wird zum Technologiepark." Vernetzt erhofft er sich für Santander Extrapunkte für den Titel der Kulturhauptstadt Europas 2016. Dann sollen die Santanderenses bereits emsig mit der, wie er sagt, "lebenden Stadt" interagieren können. Denn ein Social Web, das den Kontakt und Info-Austausch der Bewohner ermöglicht, soll dem Sensorennetz den nötigen menschlichen Touch geben. (Jan Marot aus Santander, DER STANDARD/Printausgabe, 30.6.2010)

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    Städte waren immer schon gigantische Netzwerke. Um sie optimaler nutzen zu können, wird Santander "Smart City": ein Experiment für Bewohner wie Planer.

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