Warum es im Handy Phosphor braucht

Clemens Schmetterer, 29. Juni 2010, 22:53
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    Ein sogenannter "Ball Grid Array" ist eine Gehäuseform von integrierten Schaltungen. Lötstellen, die Phosphor enthalten, verbinden ihn mit dem Rest des Geräts.

Phosphor ist entzündlich, brennbar und kann leicht verdampft werden - Dennoch spielt das chemische Element bei Lötverbindungen in der Elektronik eine entscheidende Rolle

Ist Ihnen auch schon einmal ein Handy zu Bruch gegangen? Womöglich fiel Ihnen unter den Bestandteilen ein Bauteil auf: ein quadratischer Chip mit vielen Lötverbindungen an der Unterseite - ein sogenannter "Ball Grid Array", auf Deutsch eine Kugelgitteranordnung bzw. eine Gehäuseform von integrierten Schaltungen.

Chips dieser Art ermöglichen eine große Zahl elektrischer Kontakte auf engstem Raum. Die Lötkugeln stellen dabei den elektrischen Kontakt zwischen Chip und Platine her und halten ihn auch an seinem Platz. Lötstellen sind aber leicht verwundbar, durch mechanischen Schock, Erschütterungen oder abrupte Temperaturwechsel.

Chemisch betrachtet haben die Kontaktflächen auf der Platine eine Nickel-Phosphor-Oberfläche. Phosphor kommt in vielen biologischen Molekülen (unter anderem auch der DNA) vor. Er ist als reines chemisches Element aber entzündlich, brennbar und kann leicht verdampft werden. Phosphor wird aber auch als Legierungsbestandteil in der Elektronik verwendet.

Spröde Verbindungen

Dies liegt an der guten Lötbarkeit von Nickel-Phosphor-Legierungen und der leichten Aufbringung auf Kupferoberflächen, dem Grundmaterial für Leiterbahnen. Während des Lötens kommt es zu chemischen Reaktionen mit den festen Kontaktmaterialien. Dabei entstehen spröde Verbindungen, die bei mechanischer Belastung - also wenn das Handy runterfällt - brechen können.

Bei der Auswahl der zu kombinierenden Materialien müssen Kompromisse zwischen den gewünschten physikalischen und chemischen Eigenschaften, den Anforderungen der Produktion und dem Verhalten während der Nutzung geschlossen werden. Genau das ist ein Forschungsschwerpunkt am Institut für Anorganische Chemie der Universität Wien. Die Basis für Forschung an Legierungen ist die Erstellung des jeweiligen Phasendiagramms, das in seiner Funktion mit einer Landkarte verglichen werden kann.

Anstelle von Flüssen, Straßen und Städten zeigt es Schmelztemperaturen, chemische Verbindungen, Materialumwandlungen und andere für die Materialentwicklung wichtige Parameter. Das Nickel-Phosphor-Zinn-Phasendiagramm ermöglicht das Verständnis von Vorgängen beim Löten von Nickel-Phosphor-Oberflächen mit Zinn-basierten Loten.

Arbeiten mit Phosphor ist freilich besonders kompliziert. Die Herstellung der Nickel-Phosphor-Zinn-Legierungen im Labor erfordert das Aufschmelzen der drei Elemente in einem vakuumdicht verschlossenen Tiegel. Phosphor wechselt schon bei sehr niedrigen Temperaturen in einen gasförmigen Aggregatzustand über. Dadurch steigt der Druck im Reaktionsgefäß stark an, was mitunter zur Explosion führen kann. Daher lag die bisherige Arbeit vorrangig auf nickelreichen Legierungen.

Erkenntnisse über Lötstellen

Noch sind die letzten wissenschaftlichen Rätsel des Nickel-Phosphor-Zinn-Systems daher auch dieser Lotverbindung nicht gelöst. Die meisten Verbindungen sind spröde, was die Festigkeit der Lötstelle beeinflusst. Eine genauere Kenntnis des entsprechenden Phasendiagramms sowie der Eigenschaften der Verbindungen wird das Verstehen der Lötstelle und ihres Verhaltens ermöglichen.

Das wiederum führt zu Verbesserungen im Lötprozess und damit am Produkt und erhöht so die Zuverlässigkeit und die Haltbarkeit elektronischer Geräte. Vielleicht wird Ihr Handy den nächsten Absturz in ein paar Jahren unbeschädigt überstehen. (Clemens Schmetterer, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30. Juni 2010)


Der Autor
Clemens Schmetterer dissertierte 2009 in Chemie an der Uni Wien und forscht nun an der TU Bergakademie Freiberg.

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Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 26
1 2
werwolfi
00
7.12.2010, 03:52

"im handy ist phosphor" ist ungefähr eine so sinnvolle aussage wie "in der zahnpasta ist fluor" (elementar saugiftig...) - die verbindung machts! ;o)

Und jedem seine eigene Busspur
00
30.6.2010, 16:59
Das Traumziel wären

halt flexible leitfähige Lötverbindungen....

Alchi
00
30.6.2010, 14:37
da...

...schlafen einem ja die fuesse ein, so spannend wie hier berichtet wird.

NeunZollNagler
 
00
30.6.2010, 14:42

Das erstellen eines solchen Phasendiagramms ist auch nicht unbedingt spannender ;)

Alchi
00
30.6.2010, 15:19
genau deshalb...

...frage ich mich, wieso man dann darueber berichtet. sicher nicht um den "mann von der strasse" phasenlehre naeherzubringen und fuer wissenschafter ist es einfach zu kaesig geschrieben.

bangser
01
30.6.2010, 11:06
Mann mann mann

Das kommt dabei raus, wenn ein Laienjournalist versucht technische Hintergründe zu erkären.

Den Phosphor haben wir dabei, weil wir ihn zur Herstellung von lötbaren Oberflächen brauchen. Sog. chem. Nickel-Goldbad. Dabei wird über Ionenaustausch eine Nickel-Goldschicht auf Kupfer deponiert. der Phosphor dient hier als "Opfer" um den Austauch überhaupt in Gang zu setzen.

Def. Izit
01
30.6.2010, 13:05
Mann mann mann

Es gibt heute schon TU-Absolventen (Dipl.Ing.), die nicht wissen, warum man rechteckige Formrohre in Tragwerken "hochkant" verbaut.

lg

werwolfi
00
7.12.2010, 03:55

das kommt allerdings drauf an, in welche richtung das "rechteckige formrohr" hauptsächlich belastet wird, das muss nicht unbedingt nach unten sein ;o)

unoking
00
30.6.2010, 16:36

was is ein tragwerk?

Böse Zungen behaupten:
00
30.6.2010, 15:31
Mann Mann Mann

Ich als unstudierter Laie habe zwar 0 Ahnung was ein "rechteckiges Formrohr" genau ist, aber liegts eventuell daran, dass hochkant gestellte Hohlkörper weitaus tragfähiger sind als wenn man sie legt?

ikepod
00
30.6.2010, 16:01
mann mann mann

an ihnen ist ein dipl ing verloren gegangen!

ehem. ams kunde
00
30.6.2010, 09:58
"Braucht" es Phosphor?

Ein Gruß aus der Schweiz?

sterngucker
 
00
30.6.2010, 11:19
Beim Standard

hat es immer komischeres Deutsch.

rough_rider
00
30.6.2010, 12:55

erinnert mich mehr und mehr an die pseudo lässigen forumulierungen der FM4 sprecherInnen!

a grünes stricherl
 
00
ist unterschichtdeutsch aus mittel nord deutschland ..

keine ahnung warum ebendieses in einer erntzunehmenden onllinezeitung vorkommen muss ..

Litschi Monster
00
30.6.2010, 08:00
Phosphor z.B. in der DNA?

Wie wäre es mit Knochen und Zähnen? Das ganze Gerüst des Menschen besteht aus Phosphaten. Deshalb ist Phosphor eines der Hauptelemente des Körpers, nicht wegen der schnöden DNA.

Bountin
 
00
30.6.2010, 19:57

Man hat ja so ziemliches das ganze PSE im Körper ...

arlequin
00
30.6.2010, 13:50
photosynthese und oxidative phosphoryllierung (zellatmung)

nicht zu vergessen. Kein Phosphor = Keine Energie für mehrzellige Organismen.

zlgrppnprtzpnt
 
03
30.6.2010, 00:43
handy mit dediziertem grafikchip? ;)

werwolfi
00
7.12.2010, 03:59

gut gesehen ;o)

werwolfi
00
7.12.2010, 03:59

ja, da hat die bildred. mal ordentlich ins klo gegriffen ;oP

man muss aber festhalten, dass die bildauswahl fast immer sehr gut ist, besonders die schönen meuchelfotos bei politischen berichten oder die diversen drolligen viecher, die direkt oder indirekt mit dem inhalt zu tun haben - oder auch nicht... ;o)

Flaschenpost
02
30.6.2010, 06:34
Leere Bilder...

war vor ein paar Wochen Thema beim RAU: Bilder von Banknotenbündel zum Thema Schuldenkrise im TV.

Der Seppl
 
01
30.6.2010, 04:15

vor allem mit einem inzwischen 12 Jahre alten ;)

zlgrppnprtzpnt
 
00
30.6.2010, 11:56
nema problema

das handy hat doch einen agp-port, da steckt man sich eine 4870er-karte rein, der vorteil ist, dass ding ist dann auch als fön zu gebrauchen...

Bodo Steinbrech
00
30.6.2010, 19:50
weiterer Vorteil:

Es wird nicht geklaut - wer klaut schon ein 5 Kilo Handy im praktischen Schuhkartonformat ;-)

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