Südamerikaner setzen sich in einem schwachen und torlosen Achtelfinale gegen Japan erst im Penaltyschießen durch
Pretoria - Paraguay steht nach einem Elfmeter-Krimi zum
ersten Mal im Viertelfinale einer Fußball-Weltmeisterschaft. Nach
erschreckend langweiligen und torlosen 120 Minuten profitierten die
Südamerikaner vom Lattentreffer des Japaners Yuichi Komano und
gewannen den Shootout aus elf Metern mit 5:3.
Die Albirroja
hat die WM in Südafrika damit auch zu einer Copa
America mit internationaler Beteiligung gemacht. Als vierte
Mannschaft aus Südamerika nach Uruguay, Argentinien und Brasilien
zog sie in die Runde der letzten Acht ein.
Im Viertelfinale
trifft die Mannschaft am Samstag in Johannesburg auf
Spanien oder Portugal. Der Sieger dieses Spiel könnte im Halbfinale
auf Deutschland treffen. Paraguay ist schon zum achten Mal bei
einer WM dabei, zum vierten Mal in Folge. 1986, 1998 und 2002 war
das Achtelfinale noch jeweils Endstation.
Schlafwagenfußball
In der erschreckend
ereignislosen Begegnung kam erst nach
einer Stunde ein bisschen Leben ins Spiel. Vor allem Barrios
entpuppte sich als belebendes Element. Richtig gute Torchancen
blieben allerdings auf beiden Seiten eine Mangelerscheinung. Ein
Lattentreffer von Daisuke Matsui (22.) war lange der aufregendste
von wenigen spärlichen Höhepunkten.
Erst in der Verlängerung
ging ein wenig lebhafter zu. Valdez
scheiterte in der 98. Minute an Japans Torhüter Seigo Narazaki
scheiterte. Praktisch im Gegenzug boxte Paraguays Schlussmann Justo
Villar einen Freistoß von Stürmerstar Keisuke Honda zur Seite.
Dabei ging es für beide Mannschaften ging es vor 36.742
Zuschauern im Stadion 'Loftus Versfeld' in Pretoria um ihr erstes
WM-Viertelfinale, die Japaner spielten darüber hinaus auch noch um
die Fußball-Ehre Asiens. Noch nie in zehn Versuchen war es einer
asiatischen Mannschaft bei einer WM gelungen, eine südamerikanische
Mannschaft zu besiegen.
Zunächst tat Paraguay alles, um die
Serie für Südamerika zu
verlängern. Der Dortmunder Bundesliga-Sturm wurde allerdings
gesprengt, da Nationaltrainer Gerardo Martino Valdez nicht von
Beginn an einsetzte - dieser kam erst in der 60. Minute. Barrios,
der im letzten Gruppenspiel von der Bank gekommen war, spielte von
Beginn an, war der einzige Angreifer und der auffälligste Spieler.
Keine Möglichkeiten
Die Albirroja kontrollierte zumeist den Ball, sie spielte auch
gefällig, war aber selten torgefährlich. Die Japaner versuchten
ihrerseits, mit Steilpässen ihren schnellen und torgefährlichen
Stürmer Keisuke Honda einzusetzen. Dies gelang aber genauso selten
wie paraguayische Kombinationen.
Die Langeweile wurde nur
kurz unterbrochen, etwa bei einem
genialen Trick von Barrios. Der 25-Jährige drehte sich im Strafraum
wie in einem Computerspiel im Moment der Ballannahme durch zwei
Gegner hindurch, scheiterte aber an Torhüter Eiji Kawashima (20.).
Damit hatte Barrios die Japaner aus dem Dornröschenschlaf gerissen
- nur zwei Minuten später traf Mittelfeldspieler Matsui aus 25
Metern die Latte.
Danach waren Großchancen auch mit viel gutem
Willen kaum
auszumachen. Gegen Ende der zweiten Halbzeit schienen sich beide
Mannschaften bereits auf die Verlängerung und ein Elfmeterschießen
vorbereiten zu wollen - keine riskierte noch groß etwas. (SID)
Paraguay - Japan 0:0 n.V. - 5:3 im Elferschießen
Pretoria, Loftus-Versfeld-Stadion,
36.742 Zuschauer, Schiedsrichter Frank De Bleeckere
(Belgien).
Paraguay: Villar - Bonet, Da Silva, Alcaraz, Morel - Ortigoza (75.
Barreto) - Santa Cruz (94. Cardozo), Vera, Riveros, Benitez (60.
Valdez) - Barrios
Japan: Kawashima - Komano, Nakazawa, Tulio, Nagatomo - Abe (81.
Nakamura) - Hasebe, Matsui (65. Okazaki), Endo, Okubo (106. Tamada) -
Honda
Gelbe Karten: Riveros bzw. Matsui, Nagatomo, Honda, Endo
Elferschießen:
1:0 Barreto trifft
1:1 Endo trifft
2:1 Barrios trifft
2:2 Hasebe trifft
3:2 Riveros trifft
3:2 Komano vergibt (Latte)
4:2 Valdez trifft
4:3 Honda trifft
5:3 Cardozo trifft