In der NS-Zeit entzogene Bilder, gutgläubig erworben

29. Juni 2010, 18:44

Rudolf Leopold verweigerte eine offene und ehrliche Auseinandersetzung mit der Vergangenheit

Wien - Rudolf Leopold war ein Sammler mit scharfem Blick. Sein Name ist seit Jänner 1998 aber auch mit dem Themenkomplex Kunstraub/Restitution verknüpft: Damals wurden, nach Ende einer Schiele-Retrospektive im Museum of Modern Art, in New York zwei Kunstwerke beschlagnahmt, weil sie im Geruch standen, in der NS-Zeit geraubt worden zu ein.

Der Fall Tote Stadt III konnte rasch aufgeklärt werden (das Gemälde kam nach Wien zurück), um das Bildnis Wally aber wird weiterhin vor Gericht gestritten. Denn die nach London geflüchtete Kunsthändlerin Lea Bondi-Jaray hatte Leopold 1953 um Unterstützung bei ihrem Vorhaben gebeten, ihr Eigentum zurückzubekommen. Trotzdem erwarb Leopold das Bildnis ein Jahr später von der Österreichischen Galerie.

Im Zuge der Ereignisse im Frühjahr 1998 gingen Journalisten und Historiker der Frage nach, ob es in der außerordentlichen Sammlung noch weitere Werke mit fragwürdiger Provenienz gibt. Immer wieder tauchten neue Namen und Bilder auf. Rudolf Leopold bestritt, wissentlich NS-Raubkunst erworben zu haben - und berief sich auf den Gutglaubenserwerb.

Auf medialen Druck hin aber bestellte der Stiftungsvorstand einen Provenienzforscher. Seine Aufgabe schien es vor allem zu sein, die Rechtmäßigkeit der Erwerbungen zu bestätigen. Offensichtliche Fehler in der Provenienzdatenbank wurden z. B. erst nach Hinweisen im STANDARD korrigiert. Zudem beteuerte man permanent, zur Restitution nicht verpflichtet zu sein: Das 1998 erlassene Rückgabegesetz bezieht sich nur auf die Bundesmuseen - und nicht auf das vom Bund finanzierte Leopold Museum. Es gab immer wieder negative Medienberichte, die Kultusgemeinde erklärte das Gebäude im Museumsquartier 2008 in einer spektakulären Aktion zum "Raubkunst-Museum".

Claudia Schmied, die Elisabeth Gehrer als Kulturministerin nachfolgte, versprach, sich des Problems anzunehmen. Im Mai 2008 wurden zwei Historiker beauftragt, die Provenienzen der Sammlung zu prüfen, erst im Dezember 2009 lagen elf Dossiers zu 23 Werken vor. Behandelt wurden unbedenkliche Fälle, aber auch brisante: Würde das Rückgabegesetz für die Stiftung gelten, wäre u.a. Schieles Häuser am Meer zurückzugeben. Von einer Naturalrestitution wollte Leopold aber nie etwas wissen: Er bot den Erben nach Jenny Steiner nur eine geringe Entschädigungssumme an.

Mit den Dossiers beschäftigt sich nun ein zehnköpfiges Gremium unter dem Vorsitz von Ex-Justizminister Nikolaus Michalek. Es tagte Ende letzter Woche und soll auch Empfehlungen ausgesprochen haben. Doch Schmied gab diese bisher nicht bekannt.

Eines hat sich der Augenarzt mit seinem Tod erspart: im Herbst vor Gericht in New York zum Bildnis Wally auszusagen. (Thomas Trenkler/DER STANDARD, Printausgabe, 30. 6. 2010)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 48
1 2
cantanto
00
16.12.2011, 21:35
Ich bin auf für die lückenlose Aufklärung, wie Bilder erworben wurden!

Aber dann bitte vom Tag 1 an.

Alles Andere ist lächerlich und reine "Klientelpolitik"!

adalbert zillner
01
Karin Stadler2
10
30.6.2010, 15:12
Guter und wichtiger Beitrag

Auch wenn's vielen hier im Forum nicht passt.

Ueberlegen Sie doch mal was alles mit Oesterreichern damals passiert ist. Und was Oesterreich verloren hat an Kultur und Genie. Auch nachzulesen in Stefan Zweigs "Die Welt Von Gestern"
Von der menschlichen Tragoedie mal ganz abgesehen - die uebersteigt ohnehin alles was Sprache ausdruecken kann.

Herbert Gruber
10
30.6.2010, 12:02
Fritz Grünbaum

Die Tote Stadt III wurde 1989 nach der Beschlagnahme zwar zurückgestellt, aber nur deshalb da damals im Gegensatz zu heute die tatsächlichen Erben nicht bekannt waren.
Nunmehr wir ein Dossier der Provenienzforscher des Bundes im kommenden Monat erwartet.
Siehe auch http://artstolenfromfritzgrunbaum.wordpress.com/

Kra Wuzikabuzi
27
30.6.2010, 11:16
ein nachruf

von jemandem, der bei seinem ableben vermutlich keine zeile wert sein wird.

Isabelle Eberhardt
18
30.6.2010, 11:11
Zählen bis 23!!!

Es ist ja ein stadtbekanntes Gerücht, dass Trenkler Leopold immer gehasst hat, insbesonders, nachdem ihm dieser per gerichtlicher Verfügung untersagen ließ, ihn einen R***sammler (wie etwa Göring) zu nennen.

Den Dreck jetzt zu werfen, das ist letzklassig!

Wenn man das aber tut, sollte man wenigstens genau sein. Trenkler KANN die Berichte zu 23 Kunstwerken gar nicht gelesen haben. Denn hier findet man nur 19:
<http://www.bmukk.gv.at/ministeri... 3a.xml>

karla k
42
30.6.2010, 10:51

ich finde den artikel von trenkler nicht hetzerisch. leopold war in vielen dingen umstritten, warum darf man nicht diesen polarisierenden charakter beschreiben? er hatte antisemitische äusserungen gemacht. zb. egger-lienz hätte nicht dem jüdischen geschmack entsprochen! leopold betonte immer, dass er schiele entdeckt hätte, auch das eine verzerrung der geschichte, man bezahlt in den 20ziger jahren für schiele höchstpreise. schiele wurde damals vielfach ausgestellt u.geehrt,viele werke wären längst in museen, wenn nicht weltwirtschaftskrise, naziregime, krieg u. nachkriegsjahre gefolgt wären.aufgrund der geschehnisse hatte leopold letztlich profitieren können u. seine sammlung von schiele in der nachkriegszeit aufgebaut u.an bund verkauft.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
33
30.6.2010, 14:14
egger-lienz hätte nicht dem jüdischen geschmack entsprochen

was ist daran "antisemitisch"?? Das mag eine Vereinfachung sein, aber in keinem Sinne eine Abwertung. Würde man das weiterdenken, so entspricht seine eigene Sammlung zu weiten Teilen dem vereinfachend apostrophierten "jüdischen Geschmack", und dann müßte er ja, wäre er Antisemit gewesen, mit sich selbst Probleme gehabt haben.

Nein, der Trenkler ist ein unanständiger, manipulativer Journalist.

t
04
30.6.2010, 10:25
Eine dichandsche

Kampagne als Nachruf für ... Leopold. Mein Beileid.

Geh!danke
41
30.6.2010, 10:52
Frei nach Tucholsky gibts Menschen, die nicht denken können und solche, die nicht denken wollen

Diesen Artikel mit einer Krone-Kampagne zu vergleichen, ist ein starkes Stück eines Fehlurteils. Hier werden Fakten genannt! (aber nichts Erfundenes in hetzerischer Weise verdreht wiedergegeben! )
Das ist vielleicht nicht sympathisch, aber keinesfalls eine Hetze!

John DeLock
03
30.6.2010, 10:15
"Kauf in gutem Glauben"

ist im AGBG exakt geregelt und eben NICHT verboten, und es muß per Gesetz auch nicht zurückgegeben werden, is so ...

johnnyfavorites
11
30.6.2010, 10:30
naja aber wenn die aussage so stimmt:

"Denn die nach London geflüchtete Kunsthändlerin Lea Bondi-Jaray hatte Leopold 1953 um Unterstützung bei ihrem Vorhaben gebeten, ihr Eigentum zurückzubekommen. Trotzdem erwarb Leopold das Bildnis ein Jahr später von der Österreichischen Galerie"
dann ist das ja kein "kauf im gutem glauben".
ich finde aber das man mit so einem artikel ev. noch bis nächste woche warten hätte können..

Dr. Lari and Mr. Fari
 
03
30.6.2010, 11:47
Dann ist das halt sowas wie abgejagt.

Sehr ähnlich folgendem Fall, der einem guten Freund von mir, der ein Geschäft mit Filialen betreibt, zustieß: Zwischen seinem Geschäft und dem eines Branchenkollegen lag ein kleines Geschäftslokal einer Betreiberin eines anderen Metiers. Diese ging in Pension und gab ihr Geschäft auf; sie hatte meinem Freund unter Beisein und mit Zustimmung des Hauseigentümers in die Hand versprochen, daß er ihr Lokal bekommen würde.
Und plötzlich bekam der Nachbar das Geschäftslokal...

Nicht anständig, nicht sauber, aber keine Vertragsverletzung oder sonst was Klag- oder gar Anzeigbares.

Karin Stadler2
20
30.6.2010, 15:17
Sie sagen es ja selber

Nicht anstaendig, nicht sauber - das von Ihnen genannte Beispiel.
Sich aber nicht Restitutionsfragen stellen wollen, vor dem Hintergrund, was in unserer juengeren Geschichte passiert ist - was ist das dann?
Habe uebrigens von einer Kuenstlerin schon vor 20 Jahren gehoert, da gab es das Thema Restitution noch gar nicht, dass Leopold ein sehr ruchloser Sammler war.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
02
30.6.2010, 22:27
Das ist doch Quatsch!

Der Kunsthandel ist kein Mädchenpensionat, und ein passionierter Sammler auf der Fährte hat was von einem Jäger.
Das sind aber alles Dinge, die sich weitab vom Thema Nazi-Raubzüge in diesem Geschäftsbereich, seitdem es sowas wie einen bürgerlichen Kunstsammlermarkt gibt, abspielten und abspielen.

Der Weise von Zion
20
30.6.2010, 14:02

ist aber kein kauf im guten glauben
und darauf kommt es hier an

Dr. Lari and Mr. Fari
 
11
30.6.2010, 15:32
Wieso? Der Kauf im guten Glauben setzt lediglich voraus, daß der Lieferant der Ware dem glaubwürdigen Anschein nach legal befugt ist, über diese Ware zu verfügen.

Wenn ich mit einem Partner vereinbare, gemeinsam zu kaufen, ich es mir dann überlege und alleine kaufe, so ist das eine Düpierung des Partners und je nach vorheriger Vereinbarung u. U. ein Fall, bei dem der ausgebootete Partner von mir eine Entschädigung erheischen kann; an der Tatsache des rechtlich einwandfreien Besitzerwerbes an der Ware ändert das ganz und gar nichts. Natürlich darf ich auch nicht böse sein, wenn der ex-Partner über mich sagt, ich sei ein Gierass und wortbrüchig. Aber das Geschäft ist gültig.

Wenn ich einen A8 mit allen Papieren bei einem Audi-Händler günstig bekomme, darf ich annehmen, daß er mir das Auto legal verkauft - auch wenn sich später herausstellt, daß das Auto gestohlen war.

Der Weise von Zion
00

wenn leopold von bondi informiert war, dann war es kein kauf im guten glauben

John DeLock
02
30.6.2010, 10:42
sag ich ja nicht, daß es beim Leopold so war

aber grundsätzlich ist in AUT "Kauf in gutem Glauben" möglich, und sei es nur das Fahrrad das ihnen geklaut wird und sie in nem 2nd-Handshop "widerfinden". Es gehört ihnen dann nicht mehr, sie könnens nur zurückkaufen, weil: der Händler hat das Fahrrad in gutem Glauben erworben.

Nicht daß mir das neulich passiert wäre...

landderdenker
11
30.6.2010, 09:18
EIN ECHTER ÖSTERREICHER

John DeLock
01
30.6.2010, 11:57
das ist per se durchaus was Löbliches!

Oder was wollten Sie andeuten?

THE MGT.
20
30.6.2010, 12:02

Per se ist Österreicher zu sein weder "löblich" noch das Gegenteil. In der allermeisten Fällen ist ein Einfach Ergebnis des Zufalls hier als Kind von Österreichern zur Welt gekommen zu sein.

Geh!danke
42
30.6.2010, 09:10
Lieber Herr Trenkler,

lassen sie sich von den Gefühlsausbrüchen der Leopold-Fans nicht beirren. Was zählt, sind nicht diffuse Emotionen, sondern Fakten!
Dennoch:Respekt vor Leopold, er hat das Zeitfenster, als die Nazis noch bei Waldmüller, Gauermann & Co. waren, optimal genützt.
D a s war seine Genialität. Schiele war in Liebhaberkreisen schon längst internat. bekannt, nur in Ö. und D. gabs Nachholbedarf an "entarteter Kunst", da spielte Leop. eine Rolle.

Dr. Lari and Mr. Fari
 
13
30.6.2010, 11:50
Das ist definitv falsch.

Mein Vater studierte ab 1946 am Schillerplatz und besuchte dort die Meisterklasse einer ausgewiesen antifaschistischen Lehrperson; deren Meinung zu Schiele war einfach "Ein Schmarren".

sandra 0101
28
30.6.2010, 09:02
Die dossiers der provienzforscher liegen seit monaten vor!

Trenkler hat auch angekündigt jedes dossier zu besprechen, was er dann aber nicht gemacht hat, denn es stand halt nicht drinnen,was er sich erwartet hatte. Und einmal was objektives und positives über das museum zu schreiben, kommt diesem herrn ja nicht in den sinn.
Nicht einmal zum tod des sammlers, den man in den anderen medien sehr wohl als herausragende persönlichkeit würdigt. Mein mitgefühl gehört der familie, die sich bereits in der stunde des todes diese schmähung gefallen lassen muss. Einfach pietätlos und aufschlussreich über den charakter dieses menschen. Dasselbe gilt für die hier massiv vertretenen hetzpostings „gegen die sattheit“. Darüber bildet sich jeder sein eigenes urteil.

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