Schlechte Verdauung

29. Juni 2010, 20:57
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Ex-Hypo-Investor und -Bankenchef Tilo Berlin lässt in "persönlichen Notizen" tief blicken

In Kärnten blühen nicht nur politische Sumpfblumen, deren Dünger Bestemm ist (Josef-Martinz-Wiederwahl durch die ÖVP), in der Kärntner Anscheinselite lebt auch in Prosa gegossene Ignoranz. Profil veröffentlichte "persönliche Notizen" von Ex-Hypo-Investor und -Bankchef Tilo Berlin, die, sollen seine Erinnerungen uns nicht narren, in Untiefen eines Systems blicken lassen, das Ernsthaftigkeit verhöhnt.

Vom Stotterer (sein erstes Treffen mit Wolfgang Kulterer hatte Berlin "nach einwöchiger Hungerkur. Meine Tweedjacke hing übermächtig an mir herunter. Ich war so geschwächt, dass ich ... stotterte." ) wurde er zum Denker: "Was aus diesem schönen Land zu machen ist, werden die nächsten Jahre zeigen." Von "verzweifelt beschriebenen Servietten" lernt die für die Hypo blutende Nachwelt ebenso wie von "hektischen Gesprächen bei der Hasenjagd auf Einladung von Industriellenpräsident (und Hypo-Investor, Anm.) Veit Sorger" .

Rustikal war Berlin auch, als er einen Chef von Hypo-Aktionär Grawe beim Preisfeilschen mit den Bayern zum Schweigen bringen wollte: "Ich füllte seine Gläser derart zügig, dass es nicht lange dauerte, bis er die Gesprächsfähigkeit verlor." Und, so Berlin, nachdem wenig später die Grawe den Deal fast platzen ließ und er noch höher pokern musste: "Zur Verdauung ging ich ... auf ein Bier." Hoffentlich verdaut Österreich die Folgen. (Fortsetzung möglich.) (DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2010)

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