Tag der Abrechnung

Unruhe an Märkten - EZB zieht von Banken 442 Milliarden ein

Lukas Sustala, 29. Juni 2010 18:31

Institute in Südeuropa fürchten Engpässe, Nervosität an den Börsen

Am Donnerstag ist Zahltag: Die Europäische Zentralbank (EZB) will am 1. Juli 442 Milliarden Euro einziehen, die sie vor einem Jahr im Zuge der Krisenbekämpfung den Banken geliehen hat. Das sorgt für Nervosität, obwohl die Notenbank zugesagt hat, den Banken unlimitiert Gelder zuzuteilen. Allerdings beschränken sich die neuen Ausleihungen auf drei Monate, was manchen südeuropäischen Instituten Schwierigkeiten bereitet.

Vor allem griechische und spanische Banken werden am Geldmarkt aus Angst vor hohen Risiken in den Bilanzen geschnitten. Daher sind sie von der EZB abhängig. Spanische Politiker haben in den letzten Tagen die Notenbank aufgefordert, Engpässe zu vermeiden. Die Anspannungen wurden am Dienstag an den Märkten sichtbar. Staatsanleihen hoch verschuldeter Länder wie Griechenland und Spanien wurden verkauft. Der Euro kam wieder stark unter Druck und erreichte ein Rekordtief zum Franken. Die Aktienmärkte gaben am Dienstag ebenfalls deutlich nach.

***

Wien - Der Tag der Abrechnung im europäischen Geldsystem naht. 442 Milliarden Euro hat die Europäische Zentralbank (EZB) vor fast genau einem Jahr den Banken zum Zinssatz von einem Prozent geliehen, um die Liquiditätskrise des europäischen Bankensystem zu überwinden. Das Besondere war, dass sie die Gelder mit zwölf Monaten länger zur Verfügung stellte als üblich.

An diesem Donnerstag soll dieses Geld wieder an die EZB rücküberwiesen werden und damit aus den Bankbilanzen verschwinden. Doch gerade angesichts der jüngsten Probleme rund um Griechenland, Spanien und Portugal stehen die Geldmärkte, auf denen sich etwa Banken untereinander Geld leihen, wieder unter Strom. So ist der Euribor, jener Zinssatz, zu dem sich Banken gegenseitig Kredit gewähren, für Drei-Monats-Geld seit April um elf Basispunkte, also 0,11 Prozentpunkte, gestiegen.

Gerade spanische Banker sollen, wie die Financial Times berichtet, bei der EZB massiv lobbyiert haben, wieder einen Ein-Jahres-Tender anzubieten, um die Rückzahlung der Liquiditätsspritze in den Juli 2011 hinauszuzögern. Die spanischen Banken haben wegen der jüngsten Befürchtungen um die Cajas, die regionalen Sparkassen, schwierigeren Zugang zum internationalen Kapitalmarkt bekommen. Der Vorstandsvorsitzende von Spaniens zweitgrößter Bank BBVA hat zusammen mit Zentralbankern und dem stellvertretendem Finanzminister vielfach vor einer Liquiditätsklemme für spanische Banken gewarnt. Doch die Währungshüter in Frankfurt sind hart geblieben, für spanische Banker ein "absurdes Verhalten". So gibt es zwar die Möglichkeit für Banken, Geld für drei Monate zu leihen, doch einen langfristigen Ein-Jahres-Tender wird es nicht mehr geben.

Der Zahltag wird daher zeigen, wie angespannt die Lage im europäischen Bankensystem wirklich ist. Bankanalysten von Goldman Sachs und Barclays schätzen, dass sich Banken rund 200 Milliarden Euro in einem Drei-Monats-Tender von der EZB holen werden. Beanspruchen die Banken mehr, wären das "bad news", betont etwa Bankenanalyst Simon Samuels von Barclays. Das würde nämlich zeigen, dass der Liquiditätsbedarf im Bankensektor weiterhin außergewöhnlich hoch ist.

Kapitalmarkt günstiger

UniCredit-Analyst Luca Cazzulani geht davon aus, dass nur jene Banken erneut zur Europäischen Zentralbank gehen werden, die wirklichen Liquiditätsbedarf haben, da es mittlerweile günstiger sei, das Geld am Kapitalmarkt zu refinanzieren. Es werde daher besonders auf den Geldmärkten, auf denen sich Banken US-Dollar holen können, mitunter weiter einen Engpass geben.

Die Anspannungen an den Märkten sind unübersehbar. Wie stark die Anleger Risiko scheuen und daher in als sicher geltende US- oder deutsche Staatsanleihen flüchten, zeigt sich an den fallenden Renditen. Berlin kann derzeit Geld für zehn Jahre um 2,53 Prozent aufnehmen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sackte unter die Schwelle von drei Prozent, Papiere mit zweijähriger Laufzeit fielen vorübergehend auf 0,53 Prozent und damit auf ein historisches Tief.

Verkauft werden hingegen die Anleihen stark verschuldeter Staaten. Griechenlands Anleihenkurse etwa sind in den vergangenen Tagen wieder stark gefallen, die Rendite also gestiegen. Die hellenischen Geldinstitute haben sich im vergangenen Jahr überproportional viel Geld von der EZB geholt, knapp 18 Prozent ihrer Bilanzsumme. Auch die Prämien für Kreditversicherungen angeschlagener Staaten haben sich wieder deutlich verteuert.

Die Europäische Zentralbank stützt die Banken, indem sie ihnen Staatsanleihen - bisher im Volumen von 55 Mrd. Euro - abkauft. Das Versprechen der EZB, diese zusätzliche Liquidität wieder einzuziehen, hat sie bisher nicht ganz erfüllt. Nur knapp 32 Mrd. Euro nahm sie durch Einlagen aus dem System.

Die Unruhe rund um die EZB-Transaktion färbte auch auf die Devisen- und Aktienmärkte ab. Der Euro sackte am Dienstag stark ab und erreichte zum Franken ein Rekordtief. Am Mittwoch zeigte sich die Gemeinschaftswährung leicht erholt. (Lukas Sustala, DER STANDARD, Printausgabe, 30.6.2010)

Kommentar posten
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georgesoros
30.06.2010 12:00
Mich freut´s

ich verdiene Franken und hab gerade zum rekordkurs in EUR gewechselt. Der Urlaub ist schon fast gratis :-)

dasBeobachter.blogspot.com
30.06.2010 11:28
die EZB als vorbote des nächsten sparpaketes?

vielleicht hat die regierung die transparenzdatenbank gegen die falschen sozialschmarotzer eingerichtet...

Knochenmann
30.06.2010 11:12
Potztausend!

Meine Milliarde kriegen die nicht! Geschenkt ist geschenkt, wiederholen ist gestohlen!

also dann ...
30.06.2010 11:11
das "virutelle geldsystem" - oder : wie beraubt man (legal ?) das V O L K !

wie funktioniert das geld-ringelspiel :

- die EZB "gewährt" d. banken mit v i r t u e l l e m 442 mrd zu 1 % (weil siche diese untereinander NULL vertrauen, sagt man)
- diese "veranlagen" die überliquidität...sodann um
6-10 % in staatsbonds, (griechische, spanische etc.)
...die banken + die "gleichgeschalteten medien" verbreiten die totale PANIK - und sieh an :
die euro-staaten garantieren das geld, das die EZB aus dem n i c h t s erschuf !
...SO macht man mrd-gewinne - o h n e r i s i k o ! (nur durch eine buchung im PC !)

sodann treten die "ackermänner"...
dieser welt vor die presse und vollkünden "ihre" (?)
mrd-gewinne voller arroganz.
- und werden darob v.d. "mainstream-journaille"...
in den himmel gelobt !

Kapitalismus Luege
30.06.2010 12:40
das Europaeische ZentralKomitee (E-ZK) heisst EZB


"Die Verfassungsform, die Feudalismus und Absolutismus ablöste, war demokratisch; die Herrschaftsform plutokratisch.

Heute ist Demokratie Fassade der Plutokratie: weil die Völker nackte Plutokratie nicht dulden würden, wird ihnen die nominelle Macht überlassen, während die faktische Macht in den Händen der Plutokraten ruht.
...
Während mit der Bereicherung des Unternehmers der Volkswohlstand wächst, sinkt er mit der Bereicherung des Schiebers."

1925 Coudenhoven-Kalergi, Gruendervater Europas

http://tinyurl.com/3yzn58a

der_gote
30.06.2010 12:28
Du hast vergessen zu erwähnen,

dass dieses virtuelle Geld (egal ob von der EZB oder Nationalbank kommt) zur Abfederung der teils virtuellen Verluste (Aktien haben ja nix mit realen Firmenwerten zu tun) dann in realen Geld von den Steuerzahlern in Form von Steuererhöhungen und Sparpaketen bezahlt werden dürfen.....

Denn die Staaten haben sich ja virtuelles Geld von den Banken ausgeborgt - von den virtuellens Geld das sie von der EZB erhalten haben - um dann den Banken wieder virtuell Geld zu geben = Rettungspaket Banken.

Ahhhh .. ich krieg Kopfschmerzen, die Verlierer sind immer die kleinen Steuerzahler.....

also dann ...
30.06.2010 12:34
danke - stimmt. kommt noch im 2. teil...der dauert . . .

also dann ...
30.06.2010 12:26
ergänzung : wie wird das virtuelle geld ... r e a l ?

oder - wie raubt man das volk aus :

von den "hart erwirtschafteten"...gewinnen d. banken
- werden HOHE dividenden - REAL - ausgeschüttet !
... dies unter "zuhilfenahme" aller denkbaren und
(IL)-legalen steuertricks (die BACA zahlt - dank gruppenbesteurung - bei 1mrd gewinn... NULL KÖST)
(siehe u.a. die töchter aller banken in steueroasen).

- die REAL und cash ausgeschütteten gewinne,
werden v.d. eigentümern,
(die das "geld-spiel" erschaffen... haben und kennen)
in REAL-werte (immob. gold) investiert
= großes UNGLEICH-gewicht d. vermögensverteilung !

that`s ...the only truth !

p.s.
für das (fehlende) eigenkapital wird - wieder -
der steuerzahler ... ange-pumpt.
(natürlich, wie in Ö, OHNE ihm unt.anteile zu geben !)

also dann ...
30.06.2010 12:38
ergänzung 2 : und dann ... stellt sich hr. kopf hin und sagt : es sei schwachsinn...

die steuern auf vermögen... zu erhöhen !

hugh !
das "passiert" nicht zufällig, sonder nur wenn man
"handelsschulabsolventen"... zu viel macht gibt.
er ist ja nur der bauchredner... vom konrad etc.

Der große Mann
30.06.2010 12:19

... ja gut, wir hätten auch ihre Hausbank pleite gehen lassen können. Wär halt ihr ganzes Vermögen weggewesen weil sie sich bei der Auswahl ihrer Bank verspekuliert haben.

Und wer hätte dann wohl als erster nach Steuergeld aka Mindestsicherung gebettelt???

good vibration
30.06.2010 21:55
Es muss nicht bei Betteln bleiben..

...wenn anscheinend rechtens ins Allgemeingut eingebrochen wird, geht der kleine Maxi aus seinem Rechtsempfinden heraus einbrechen oder zündet Autos an (wie in Paris) etc..

tomatensaft
 
30.06.2010 12:45
jajaja...

...wer Vermögen hat, der hat dieses Vermögen sowieso "gestreut", zum einen, zum anderen gibt es die Einlagensicherung des Staates... die zuerst unbegrenzt Ihr Vermögen abgesichert und jetzt immer noch großzügige 100k ... Von welchem Vermögen reden Sie? Bei bis zu 1 Mille reicht es, das Geld auf Sparbüchern aufgesplittet in verschiedenen Instituten zu haben... Reden wir über mehr, dann ist dieses Vermögen sicher nicht bei der "Hausbank" veranlagt, sondern in Wertpapieren - denen es wurscht ist, ob die Hausbank pleite geht!

net-diver
 
02.07.2010 06:08
Alles..

... schön und gut, nur die gesamten Firmenkonten wären plötzlich leer gewesen. Auch nicht lustig oder?

also dann ...
30.06.2010 12:41
in welchem land leben sie ?

dem steuerzahler ... wurden nur die verluste umgehängt - die gewinne gingen a.d. eigentümer !
d.h. hypo, kommkredit, volksbank.

an den (noch profitablen) anderen banken, raiffeisen, w.öster. ... hat er ja keine unt.anteile !

und das wichtigste :
zuerst ... sind (wenn man da aktiengesetz kennt)
die eigentümer (!) mit einer einlage heranzuziehen gewesen - nicht so in Ö !!!

Galileo
30.06.2010 10:59
Warum muss sich ein Staat geld borgen? Muss er das wirklich ... oder nur weil es einigen große große Gewinneund vor allem "MACHT" bringt?

Hallo Nutzmenschen (99,9% der Menschen) guckt mal hier - www.Monetative.de

Staaten die das Privileg der Geldschöpfung an Private abtreten werden von den neuen Inhabern dieses Privilegs/Monopols regiert


Demokratie - eine Java-Applikation für das Volk, ohne Zugriff auf das Betriebssystem der Welt. (F. A.)

„Man kann den Staat auffassen als eine ökonomische Kollektivperson der herrschenden Klasse, die sich die Arbeitskraft der Untertanen als »Wertding« beschafft hat.“ (Franz Oppenheimer)

Würden die Menschen verstehen, wie unser Geldsystem funktioniert, hätten wir eine Revolution – und zwar schon morgen früh J.Ford

Ein Gespenst geht um in der Welt - das Wissen um die Funktionsweise unseres Geldsystems

also dann ...
30.06.2010 12:33
richtig : warum...borgt sich der staat das geld PRIVAT... wenn nur ER...über das gelddruckmomopl verfügt ? ? ?

der staat...
vergibt per lizenz an die zentral- und geschäftsbanken das gelddruckmonopol - und kassiert (nur v.d. zentralbank) dafür eine sehr kleine dividende.

er könnte - insofern keine "korruption" existierte -
den banken (vor allem jenen die mit steuergeld gerettet wurden) die lizenz - jederzeit - entziehen,
oder einschränken, was bisdato nie...passierte.
der staat...
könnte natürlich - s e l b s t - geld drucken.
die einwände (dies würde zur grossen verschuldg. führen) sind angesichts dieser PRIVAT-BANKEN-KRISE... nichts als einfältige...totschlagargumente.

im euroraum...
kann der staat kein geld mehr drucken, da ja (sieh an...) die geldpolitik an die (unabhängige...) EZB delegiert wurde.

ein simpler sumpf-kreislauf.

tante koal huaba
30.06.2010 10:56
schweizer frankenkredite

heute auf 1,32 gestiegen, na dann prost, kenne einige häuslbauer die bei 1,74 einen kredit genommen haben..... hust, hust !

tante koal huaba
30.06.2010 11:41
na

da haben ja einige die hosen voll ;o)

Orakel von Lissabon
 
30.06.2010 11:25
Es ist eben ein Fehler,

aus dem Kurs der Vergangenheit in die Zukunft zu schließen. Nur weil der Franken sich in den letzten 20 Jahren in einer bestimmten Spanne bewegt hat, heißt das leider nicht, dass er das in Zukunft auch tun wird.

Letztendlich ist man ein Spielball der großen Hedgefonds: Wenn die beschließen, Währungen umzulagern, dann hilft alles nichts, dann ändert sich der Kurs.

valorennummer
30.06.2010 11:14
liebe tante

da der eur/chf noch nie über 1,70 war spar uns bitte deine weisheiten

tante koal huaba
30.06.2010 11:43
im herbst 2007

war er über 1,70.....

Gerhard1967
30.06.2010 11:57
Falsch ...

... knapp unter 1,68 war er.

Liebe Grüße

tante koal huaba
30.06.2010 12:02
ja stimmt

1,6828 war er tatsächlich 4 Qtl.07

trotzdem ist er jetzt gerade bei 1,3257....

ravenna
30.06.2010 12:14

Das Wort "trotzdem" ist hier fehl am Platz.

tante koal huaba
30.06.2010 11:31
2007

war er über 1,70 sie schlaumeier ;o)

http://www.fils.at/2008/01/1... icht-rein/

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