Leben, eine alte Gewohnheit

29. Juni 2010 18:16
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    Foto: abc-film

    "Somehow this don't feel like home anymore" : Country-Musiker Bad Blake (Jeff Bridges) beim Komponieren in "Crazy Heart".

US-Star Jeff Bridges erhielt für seine Rolle als Country-Sänger Bad Blake im Filmdrama "Crazy Heart" endlich einen Oscar

Mit feiner Zurückhaltung entwirft er das Porträt eines Mannes, der sich zu lange gehen ließ.

***

Wien - Ziemlich schnell kann man erkennen, dass dieser Mann seine eingeübten Gewohnheiten hat. Zum Beispiel öffnet er hinterm Steuer seines alten Karren gerne Gürtel und Knopf seiner Hose - ein Anblick, der kurz irritiert, wenn er wieder aussteigt, und der im Film als Gag gleich mehrmals eingesetzt wird. Mit dem verschlurften Äußeren und dieser Müdigkeit in der Gestik strahlt Bad Blake aber immer noch etwas Überlegenes aus. Coolness ist eben eine Frage der Haltung.

Dennoch hat der Country-Sänger fraglos bessere Zeiten hinter sich, viel bessere. Auf den Bühnen in den schäbigen Bars und Bowlinghallen von New Mexico behält er eigentlich nur durch die Treue seiner eisernsten Fans einen Rest von Würde. Am Anfang von Crazy Heart verspielt Bad Blake noch diesen: Während eines Konzerts verschwindet er im Hinterausgang, um sich zu übergeben und fischt seine Sonnenbrille hernach aus dem Erbrochenen heraus.

Scott Cooper, selbst Schauspieler, erzählt in seinem ersten Spielfilm (nach Thomas Cobbs Roman) eine All-American-Story von einem Mann, der tief sinkt, dann aber einsieht, dass er etwas ändern muss. Das ist die Grundmelodie, die leicht falsch klingen könnte, würde hier nicht mit Zurückhaltung, Detailliebe und einer feinen Dosis Humor gearbeitet. Keine Kleinigkeit, die Cooper da gelingt: Er begnügt sich nicht mit Sympathie für den abgehalfterten Helden, sondern will ihn in seiner Erschöpfung und Verlorenheit auch ernst nehmen.

Spätestens an dieser Stelle kommt natürlich Jeff Bridges ins Spiel, der für diese Rolle endlich einen Oscar erhielt. Ein Part, der dem zurückgezogen lebenden US-Star am Herzen lag - den er aber erst annahm, als er erfuhr, dass Musiker wie T-Bone Burnett und Stephen Bruton mitbeteiligt sind. Bridges war immer schon ein Minimalist: Er eignet sich nichts übertrieben an, sondern lässt seine Figuren eine Leere, in der jede Schwingung umso deutlicher zum Vorschein tritt.

In Crazy Heart ist es die Begegnung mit der Journalistin Jean (Maggie Gyllenhaal), die den Auslöser gibt. Bad Blake betrachtet sich beim Interview mit ihr seit langem wieder einmal selbst - er will ihr gefallen und entdeckt im selben Moment, dass er sich ein wenig zu sehr gehen ließ. Und dass er sich für das Motelzimmer, in dem sie sitzen, geniert.

Cooper inszeniert solche Szenen mit sicherem Gefühl für das Timing. Es gibt Blicke, Gesten und Sätze in diesem Film, die andauern und nachhallen. Wie in den Songs, die oft ähnliche Bilder und Erfahrungen zum Inhalt haben, kommt es in Crazy Heart auf die Betonung, die entsprechende Phrasierung an - so lässt sich auch das ein oder andere Klischee des Drehbuchs, die Kontaktsuche mit dem verlorenen Sohn, als archetypisches Thema verstehen, das zu dieser Welt einfach dazugehört.

Es finden sich aber auch überraschende Momente, die wie nebenbei erhascht wirken. Robert Duvall, auch einer der Ko-Produzenten, hat als Freund von Bad Blake ein paar großartig lapidare Szenen. Die Präferenz für eine persönliche Art der Countrymusik wird an der Figur von Tommy (Colin Farrell) deutlich, Bads musikalischen Ziehsohn. Er ist mittlerweile ein großer Star.

Die beiden werden zwar ein Duett singen, bleiben aber dennoch Proponenten musikalisch konträrer Welten. Auch dafür gibt es ein treffendes Bild: Vor den großen Hallen, in denen Tommy spielt, parkt dessen Truck-Flotte - daneben ein rostigroter Karren, den ein Mann mit locker sitzender Hose fährt. (Dominik Kamalzadeh/DER STANDARD, Printausgabe, 30. 6. 2010)

 

Ab Freitag im Kino

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15 Postings
Longyearbyen
 
01.07.2010 18:43

Der Film bemüht sich mit aller Kunst seine Klischeehaftigkeit hinter dem Gesicht von Jeff Bridges zu verstecken, um sich am Ende ganz ungeniert als moralinsaures amerikanisches Kino zu entlarven.

Gegenflieger
30.06.2010 18:07
Dude

Den Oscar , hätte er schon für The Big Lebowski verdient , seine Hoheit El Duderino.

hed
01.07.2010 09:55
ich halte bridges auch für einen der allerbesten

und einen der wenigen schauspieler die hollywood zu bieten hat, aber gerade "the big lebowksi" war ein schas...

TouGra
30.06.2010 16:50

ach ja: achtung SPOILERS bei meinem nächsten posting. sorry.

TouGra
30.06.2010 16:44

kann mir nicht helfen, war nach dem film ein wenig enttäuscht, trotzdem 7/10. ob bridges eine grandiose leistung bringt oder doch eher sich selbst spielt ist mir nicht klar (war einige male stark an lebowski erinnert). man erfährt doch recht wenig über die charaktere, viele interessante geschichten bleiben im hintergrund, hollywood konzentriert sich lieber auf entziehungskuren, schade.

fazit: country-musik ist grandios und ein rauchender und trinkender blake ist mir weit lieber als ein nüchterner, der sich wieder brav in die maschinerie eingliedert.

Frl. Schwarz
30.06.2010 13:27
ein wunderbarer Film...

.. mit einem fast zu überzeugenden Jeff Bridges: man riecht förmlich seine Fahne. Großes Kino!

Graf Highsida
30.06.2010 11:03
Legendary

in "The Big Lebowski", not only in that movie, but specially in that movie=)...!
Eine lebende Legende!

Hoffi_65
30.06.2010 09:28
Toller Film

Jeff Bridges ist überragend. Man möchte gar nicht aufhören, ihm zuzusehen - wie er Bad Blake verkörpert, das ist grosses Schauspiel und dafür hat er verdient den Oscar bekommen. Der Film mag dem einen oder anderen zwar einen Tick zu lang sein, aber eines ist er bestimmt nie: langweilig. Grossartig. Schade, dass ein solches Werk bei uns beinahe unter Ausschluss der Öffentlichkeit in -österreichweit - grade mal fünf Kinos zu sehen ist.

Advaita0
30.06.2010 18:21
aber bitte auf Englisch ansehen!

Dauerwurst
 
30.06.2010 02:39

spielt der robert duvall nicht seinen vater ?

Frl. Schwarz
30.06.2010 13:23

nein, seinen besten Freund.

TopDan
29.06.2010 19:50
Jeff Bridges in Höchstform

Trotz genannter Längen und der vielen Musikstücke - langweilig ist der Film keinesfalls! Im Gegenteil. Auch Jeff Bridges ist schauspielerisch wieder oben angekommen. Charmant, liebevoll aber tieftraurig. Wobei er das auch schon in Men who Stare at Goats bewiesen hat.

kunterbunter
29.06.2010 19:24
Meine Wertung 2,5 von 5 Sternen

...zum einen dann doch ein bisl zu oft und zu lange nur Musik...

...zum anderen fragt man sich was die junge Dame an einem alten Kerl findet in dessen Mund Johnny Walker und der Marlboro Man Walzer tanzen.

pauljoe
 
30.06.2010 23:24

message nicht verstanden, schade

Advaita0
30.06.2010 18:22
das wirst Du nie verstehen!

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