Und Okopenko zwinkert

29. Juni 2010, 17:17
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Soll man den Tag etwa mit Meg Ryan beenden? Oder sich gar von Assingers Bauernlümmelschmäh in den Schlaf wiegen lassen?

Man kennt das ja aus diversen Popsongs: Montag ist kein guter Tag. Das Wochenende ist vorbei, die Arbeit geht wieder los. Manche trauen dem Tag nicht über den Weg, andere wollen an ihm gleich die ganze Welt über den Haufen schießen. Durchaus verständlich, muss man spätestens Montagabend leidvoll feststellen: Soll man den Tag etwa mit einer glupschäugigen Meg Ryan beenden? Oder sich gar von Armin Assingers Bauernlümmelschmäh in den Schlaf wiegen lassen?

Beim Kulturmontag, denkt der desillusionierte Fernsehzuschauer, kann nicht mehr viel passieren - und irrt gewaltig. Nach einem großen Schwall Wortmüll (Gerald Matt über die Marilyn-Manson-Schau in der Kunsthalle: "eine Twilight-Zone zwischen Schönheit und Zerstörung" ) gerieren sich Moderator Martin Traxl und sein Gast, Bachmann-Preis-Träger Peter Wawerzinek, plötzlich wie das Ehepaar in der Waschmittelwerbung: Weg mit den grauen Worthülsen! Traxl wirft die Samthandschuhe gleich hinterher und fragt einfach, was er wissen will: "Warum tut man sich das an, den Bachmann-Preis?" - Und ohne Umschweife packt er auch den Schmerz des verlassenen Kindes an. Wawerzinek dankt es ihm mit Ehrlichkeit, rutscht aber nie in ärmliche Selbstdarstellung ab.

Er erzählt, wie aus der großen Schmerzerfahrung des kleinen Peter das "Riesenthema" für den Schriftsteller Wawerzinek wurde, und gibt seinen wankelmütigen Lebenslauf als Versuch zur Selbststilisierung zu erkennen. Zum Abschluss zwinkert statt eines Nachrufs noch der Sonntagvormittag verstorbene Andreas Okopenko in kurzen TV-Beiträgen schelmisch von der Mattscheibe. Auf Montage kann man sich eben nicht verlassen. (Andrea Heinz/DER STANDARD; Printausgabe, 30.6.2010)

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    Andreas Okopenko.

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