Winnetou reitet wieder

29. Juni 2010, 17:05
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Waldviertler Sommertheater - von Christian Schachinger

Das letzte Mal habe ich Winnetou südlich von Wien gesehen. Winnetou wurde im Westerndorf No Name City von Waterloo vulgo Hansi Kreuzmayr dargestellt. Abgesehen von den hölzernen Dialogen, die selbst noch den Salzburger Jedermann in den Schatten stellten, war es nicht schön, vor allem dem Titelhelden beim Reiten zuzusehen. Sagen wir so: Das Pferd nahm Waterloo gnädigerweise mit, bremste aber eh nie so gefährlich, dass dem Hansi etwas passiert wäre.

Der einzige richtige Indianer, der jemals im Innviertel das Licht der Welt erblickte und 2009 ein Buch namens Das geheime Wissen der Lakota veröffentlichte, nahm die Rolle vielleicht auch einfach zu ernst. Ich und mein Verein der Freunde der Schauspielkunst trotz allem, die wir zum Beispiel Barbara Karlich, Marika Lichter und Alfons Haider verehren, fanden das sehr komisch. So sehr, dass wir vom Publikum ringsum sehr bald heftig angeböst wurden. Noch vor der Halbzeit sind wir damals in den Saloon geflüchtet. Sommertheater macht Durst.

Nach mehrjähriger Karl-May-Pause nimmt der Verein nun am 23. Juli wieder seine Tätigkeit auf. Im Waldviertler Ort Gföhl gibt Richard Lugner in Der Schatz im Silbersee einen Rinderbaron. Geschichte findet immer zweimal statt. Erst als Tragödie, dann als Farce. Man darf gespannt sein, wie Lugner die Rolle anlegt. (Christian Schachinger, DER STANDARD/Printausgabe, 30.06.2010)

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