Die Wirte und die Raucher

29. Juni 2010, 17:10
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Am 1. Juli endet die Übergangsfrist des Tabak­gesetzes, ändern wird sich deswegen noch lange nix

"Ich bin Gelegenheitsraucher. Ich rauche bei jeder Gelegenheit", so lautet ein beliebter Witz, der möglicherweise aus den Achtziger Jahren stammt (aber nageln Sie mich nicht fest). Am 1. Juli 2010 sollte sich hier in Österreich einiges ändern, denn es läuft die Übergangsfrist des Tabakgesetzes aus. Ab 1. Juli gilt "absolutes Rauchverbot" in Lokalen. Halt, nicht so schnell: Nur in jenen, die mehr als 50 Quadratmeter Verabreichungsfläche aufweisen. Darunter darf gewählt werden, ob man lieber die angeblich viel geselligeren Raucher oder die Nichtraucher, angeblich die totalen Spaßbremsen, serviciert. Drei Viertel der 11.500 kleinen Lokale in Österreich setzen lieber auf die Raucher-Karte, weiß die Wirtschaftskammer.

Der Gesundheitsminister - der kürzlich eine Werbekampagne "Pro Nichtrauchen" gestartet hat, die genauso lieb und harmlos ist wie er selbst - hat den Wirten schon im Vorfeld mit dem Zeigefinger gedroht und angekündigt, die Nichteinhaltung des Rauchverbots scharf sanktionieren zu wollen. Stögers schnelle Eingreiftruppen könnten da weniger zu tun bekommen, als ihnen lieb ist: Von den insgesamt 70.000 Wirten in Österreich wird es bei mehr als zwei Dritteln auch nach dem 1. Juli weiterhin die Möglichkeit geben, zu rauchen. Nur 22.000 Gasthäuser dürften reine Nichtraucherlokale werden, schätzt die WKÖ weiter. Im Klartext: Die meisten Wirte pfeifen auf alle Bemühungen der Politik und des Lungenärzteverbands, die Ösis zu einem Volk der Nichtraucher zu machen.

Der Schuss der Raucher-Wirte geht nur dann nach hinten los, wenn sich die Mehrheit der Nichtraucher - angeblich zwei Drittel der erwachsenen Österreicher - auf die Beine stellt und künftig auf ein Nichtraucherlokal besteht, wenn er oder sie mit einer "gemischten" Gruppe unterwegs ist. (Dass die Raucher in der Mehrzahl selbst auf die Idee kommen, soviel Rücksicht zu üben, darf schon mal getrost ins Buch der Irrtümer geschrieben werden. Diese Feststellung ist den Rauchern auch in dieser Pauschalität zumutbar.) Wäre zudem nur noch die Minderheit der Lokale für den höchst verzichtbaren Qualm verfügbar, könnte die Chose als die perfekte selbsterfüllende Prophezeiung in die Geschichte eingehen, mit immer besser ausgelasteten Nichtraucherbereichen und zusehends verwaisenden Raucherecken.

Realiter ist aber leider zu befürchten, dass das Rauchergesetz als "österreichische Lösung" par Excellence gar nichts ändern wird, vielmehr alles so weitergehen wird wie bisher und sich auch der Gesundheitsminister seine schmeichelweiche Feelgood-Kampagne sehr bald in den Aschenbecher drücken kann. Weil es immer noch die Gelegenheit ist, die die Raucher macht. (derStandard.at, 29.6.2010)

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