"In jeder Gruppe ein paar Leute, wo man keine Freude hat"

29. Juni 2010, 15:26
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ORF-Pensionist Walter Sonnleitner erzählt, warum er sein Glück im Wiener BZÖ versucht

Fernsehzuseher kennen ihn noch als Wirtschaftsjournalisten im ORF. Nun will er auch der Politik mehr wirtschaftliche Vernunft beibringen - als Wiener Spitzenkandidat des BZÖ. Mit Obmann Josef Bucher sei er in vielen Ideen "deckungsgleich". Warum er sein Glück im Wiener BZÖ versucht, fragte Lukas Kapeller.

derStandard.at: Sie sind ein bekannter Wirtschaftsjournalist. Das BZÖ ist in Wien bisher nicht vom Fleck gekommen. Warum tun Sie sich das an?

Sonnleitner: Ganz einfach. Weil ich mir glaubhaft versichern habe lassen, dass das, was bisher war, nicht mehr die Zukunft ist. Der Herr Bucher hat mir glaubhaft machen können, eine wirkliche Alternative zu sein. Das Gewicht am Bein ist jetzt weg und beim Strache untergekommen. Man kann eigentlich davon ausgehen, dass die, mit denen man nicht so leicht zusammenarbeiten möchte, schön langsam wirklich alle weg sind.

derStandard.at: Die Hürde sind fünf Prozent, um in den Wiener Landtag einzuziehen. Wie wollen Sie die Wähler dafür erreichen?

Sonnleitner: Mit Vernunft und Sparsamkeit, aber an erster Stelle mit Ehrlichkeit. Das mit der Wahrheit hat mich schon die längste Zeit geärgert. Mitte Oktober wird uns die Regierung ein Sparpaket vorlegen, das sich gewaschen hat. Irgendwie erinnert mich das an die Martinigans. Die wird gepflegt, gehegt und gefüttert. Und eines Tages ist Martini. Und so macht man es mit den österreichischen Bürgern. Man hat sie nicht gewarnt.

derStandard.at: Schauen wir nach Wien: Was werfen Sie der Wiener SPÖ vor?

Sonnleitner: In erster Linie den Verwaltungsapparat, diese unendliche Verschwendung. Es gibt heute Computer und so viele Dinge, die man vereinfachen kann. Man kann Behörden zusammenlegen. Alle machen 25 mal dasselbe, und 25 mal machen sie es unwirtschaftlich.

derStandard.at: Einer Ihrer Wiener BZÖ-Parteifreunde ist der ehemalige Bundesparteichef Peter Westenthaler. Der hat zum Beispiel 2006 die Abschiebung von 300.000 Ausländern propagiert. Stört Sie das?

Sonnleitner: Mit solchen Aussagen kann ich ehrlich gesagt nicht viel anfangen. Das ist nicht meins, ehrlich gesagt. Das ist auch Vergangenheit. So weit ich weiß, hat sich der Herr Westenthaler weitgehend aus der Politik zurückgezogen.

derStandard.at: Er ist immerhin Nationalratsabgeordneter.

Sonnleitner: Ja, aber er tritt nicht wirklich sehr vordringlich auf. Das ist halt ein Problem, es gibt halt in jeder Gruppe ein paar Leute, wo man keine Freude hat mit manchen Aussagen. Manchmal wird vielleicht nicht immer so überlegt, und man sollte ein bisschen mehr denken und nachher reden. (derStandard.at, 29.6.2010)

Zur Person: Walter Sonnleitner (63) war bis zu seiner Pensionierung langjähriger Wirtschaftsredakteur des ORF. 2009 erhielt er den Ehrenprofessorentitel.

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    "Die Martinigans wird gepflegt und gefüttert, solange bis Martini ist. So macht man es mit den österreichischen Bürgern."

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