Ein Roboterfisch als Schwarm-Anführer

29. Juni 2010, 16:14
8 Postings

"Robofish" wird von Stichlingen als Fisch akzeptiert, was die Erforschung komplexer Situationen ermöglicht

Leeds - Ein Roboterfisch der University of Leeds in England wird von anderen Fischen als Anführer akzeptiert. Dadurch ergäben sich ganz neue Möglichkeiten, die Gruppendynamik von Fischen zu erforschen, teilte die Universität mit. Der computergesteuerte Fisch mit Spitznamen "Robofish" sieht wie ein Stichling aus. Er kann so programmiert werden, dass er in einem Becken umher schwimmt. Mit seiner Hilfe lassen sich Fische anlocken und leiten. So kann der Roboterfisch zum Beispiel Aufschluss darüber geben, warum und wie Fische ihre Schwimmrichtung ändern. Die Studie ist in der Springer-Fachzeitschrift "Behavioral Ecology and Sociobiology" veröffentlicht worden.

Das Forschungsteam untersuchte in einem Becken zwei Arten von Interaktion zwischen den dreistachligen Stichlingen und "Robofish", um mehr über die Rolle des Anführers im Schwarm herauszufinden: das Weglocken der Fische aus ihrem Unterschlupf und die Einleitung eines Richtungswechsels. Der Roboterfisch konnte sehr schnell einzelne Fische dazu bewegen, ihren Unterschlupf zu verlassen, aus dem sie sich normalerweise nur sehr zögerlich hinauswagen. Einzelne Fische und kleinere Gruppen aus bis zu zehn Fischen brachte er sogar dazu, in dieselbe Richtung zu schwimmen wie er - was seine Rolle als Leitfisch bestätigte. Mit der Dauer des Experiments und damit der steigenden Vertrautheit der Fische mit der Umgebung ließ die Rolle des Roboterfisches als Leitfisch nach.

Richtungswechsel

Was den Richtungswechsel betraf, fand das Forschungsteam heraus, dass die Anzahl der Nachbarfische einen größeren Einfluss als die Entfernung zum Leitfisch hat: Die Interaktionen zwischen den Fischen wurden während des Richtungswechsels eher von der Anzahl der Nachbarfische (topologische Entfernung) als von der Entfernung der einzelnen Fische zum Roboterfisch (metrische Entfernung) beeinflusst. Den Autoren zufolge lassen diese Erkenntnisse darauf schließen, dass das Verhalten von Fischschwärmen eher durch topologisch als durch metrisch bedingte Interaktionen erklärt und vorhergesagt werden kann.

Schwarmdynamik

"Unsere Methode bietet ein effektives Mittel, um zu überprüfen, wie sich individuelle Eigenschaften eines einzelnen Fisches, sei es sein Verhalten oder sein Aussehen (Morphologie), auf andere Tiere im Schwarm und die daraus resultierende Schwarmdynamik auswirken. Dies führt nicht nur zu einem besseren Verständnis über das Verhalten von Fischen, sondern generell von Tieren, die in einer Herde oder einem Schwarm leben", so Studienleiter Jolyon Faria. (red)

  • Artikelbild
    foto: jolyon faria/alex poll
Share if you care.