Nicht mehr Bildungsverlierer unter Buben als früher

29. Juni 2010, 13:39

Psychologe: Bildungserfolg hat sich in Richtung Mädchen verschoben, Anteil der männlichen Schulversager traditionell größer

Mädchen haben die Burschen bei der Bildung zwar abgehängt. Von den Buben generell als Bildungsverlierern zu sprechen, ist laut dem deutschen Bildungspsychologen Tim Rohrmann jedoch eine "falsche Generalisierung". Für einen Teil der Buben treffe das Prädikat wohl zu, das sei allerdings nichts Neues. Der Anteil an Schulversagern und -verweigerern sei unter diesen schon immer höher gewesen, durch die verstärkte Bildungsteilnahme der Mädchen in den vergangenen Jahrzehnten seien diese Defizite lediglich sichtbarer geworden, meinte der Experte im Gespräch mit der APA.

Rohrmann sieht zwei Phänomene, aufgrund derer Buben seit einigen Jahren der Stempel "Problemgruppe" aufgedrückt wird: Ein Teil von ihnen gehört tatsächlich zu den Bildungsverlierern, was, wie er hervorhebt, aber nicht mit dem Geschlecht zusammenhänge. Es sei vielmehr erklärbar durch zusätzliche Faktoren wie die Herkunft aus bildungsfernen Milieus oder Migrationshintergrund.

Änderung des Systems erforderlich

Der zweite Grund ist laut dem Forscher, der an der Uni Innsbruck am Institut für Erziehungswissenschaften an einem Projekt zum Thema "Männer in der pädagogischen Arbeit mit Kindern" arbeitet, die Änderung des Systems: "Die Leistungserwartungen haben sich verändert und tendenziell kommen die Mädchen in bestimmten Schulformen anscheinend besser damit zurecht." Dabei könne auch mitspielen, dass Mädchen aufgrund ihrer typischen Sozialisierung öfter in die Rolle des "braven" Schülers passen.

Eine spezielle Förderung nach Geschlechtern findet Rohrmann generell problematisch. So hätten etwa beim Lesen viele Buben Probleme, es gebe aber auch viele Spitzenleser - eine generelle Leseförderung von Buben würde demnach wenig Sinn machen. "Nach dem Gießkannenprinzip zu fördern bringt nichts." Man brauche einen genauen Blick und müsse zusätzlich berücksichtigen, ob die Schüler Migrationshintergrund haben, aus bildungsfernen Schichten kommen, etc..

Mädchenförderung nicht ausschlaggebend

Eine zeitweise Aufhebung der Koedukation, wie sie manche Bildungsexperten zur Behebung geschlechterspezifischer Lerndefizite fordern, ist aus Rohrmanns Sicht ein zweischneidiges Schwert. Der Nutzen sei bisher nicht bestätigt, Experimente und Studien hätten völlig unterschiedliche Ergebnisse gebracht. Auf der Plusseite steht laut Rohrmann, dass der Unterricht in gleichgeschlechtlichen Gruppen ohne Frage in einer Art Schutzraum stattfinde, gleichzeitig bestehe dabei aber die Gefahr, dass Unterschiede zwischen den Geschlechtern oder gar Klischees verstärkt werden.

Gerade beim gemischten Unterricht würden allerdings ebenfalls bestimmte Verhaltensweisen verstärkt, die eigentlich durch die Koedukation wegfallen sollten. So würden etwa Mädchen bei technischen Fragen dem anderen Geschlecht vorschnell das Feld überlassen, während Buben bei als weiblich geltenden Kriterien (Schönschreiben etc.) mangels Hoffnung auf Erfolg das Handtuch werfen.

Hinweise darauf, dass die Mädchenförderung auf Kosten der Buben gegangen sein könnte, sieht Rohrmann nicht. "Schließlich haben die meisten Mädchen davon nicht einmal direkt etwas mitbekommen." (APA)

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14 Postings
mountaineer
00
Vorschlag:


a) Abbau der sog. "Betroffenheitsdidaktik" - erzeugt bei Knaben Reaktanz

b) Vorsichtshalber Anteil der männlichen Lehrer erhöhen!

mountaineer
00
Schmacht und Sulz!

"Bei mir gibt es keine Buben, die Bildungsverlierer sind", sagte die Geschichtelehrerin und legte ein Vidiotape mit "Fackeln im Sturm" in den VHS-Recorder.

Ich gebs zu
11
30.6.2010, 11:32
Woher er das alles weiß, würde mich interessieren.

In der realen Schule geht's den Buben nämlich schon eher schlecht.

4simo
00
30.6.2010, 15:11
in den normalen schulen geht es

allen kindern nicht gut
am wenigsten probleme haben die angepassten..
raten Sie mal welche gruppe das ist?

G e o r g
00
30.6.2010, 13:23

Er hat ja nicht gesagt, dass es "den Buben" gut geht.

Ich gebs zu
00
30.6.2010, 14:59
Mich hätte ehrlich interessiert, ob es Daten gibt,

die widerlegen, dass Schüler derzeit eher zu den Bildungsverlierern gehören.

Ich beobachte nämlich täglich, dass Burschen viel mehr Probleme haben und grandios scheitern, während Mädchen bis zum Schulabschluss weitaus erfolgreicher sind als ihre männlichen Kollegen.

Knochenmann
25
29.6.2010, 14:40

"Rohrmann sieht zwei Phänomene, aufgrund derer Buben seit einigen Jahren der Stempel "Problemgruppe" aufgedrückt wird: Ein Teil von ihnen gehört tatsächlich zu den Bildungsverlierern, was, wie er hervorhebt, aber nicht mit dem Geschlecht zusammenhänge. Es sei vielmehr erklärbar durch zusätzliche Faktoren wie die Herkunft aus bildungsfernen Milieus oder Migrationshintergrund."

Ich glaube nicht das Rohrmann etwas dermassen dummes gesagt hat, denn das würde ja bedeuten das Kinder von Migranten öfter Buben als Mädchen sind.

G e o r g
01
30.6.2010, 13:24

Wieso sollte dieser Schluss gelten?

Knochenmann
20
30.6.2010, 14:08

Weil's auch Mädchen mit dem gleichen Hintergrund gibt. Genausogut könnte man sagen: Buben sind schlechter in der Schule weil sie Brot essen.

G e o r g
00
30.6.2010, 16:17

Wie kommst du auf sowas? Dein erster Schluss, dass "Kinder von Migranten öfter Buben als Mädchen" seien, ist aus den beiden Aussagen einfach nicht ableitbar.

eze eze
 
00

Doch, so wie es dasteht, schon: Ausgangsthese: Aufgrund zweier Phänomene wird BUBEN der Stempel Problemgruppe aufgedrückt. Dass ein Teil der BUBEN tatsächlich zu den Bildungsverlieren zählt, hänge aber nicht mit dem Geschlecht zusammen, sondern mit anderen Faktoren wie Herkunft aus bildungsfernen Milieus oder Migrationshintergrund.

Nun gibt es aber sicher genausoviele Mädchen wie auch Buben aus bildungsfernen Milieus oder mit Migrationshintergrund. Entweder man legt es so aus und wundert sich, wie es die VorposterInnen getan haben, oder aber man wundert sich, was nun eigentlich das erste "Phänomen" zur Stützung der These, dass BUBEN seit einigen Jahren der Stempel "Problemgruppe" aufgedrückt wird, überhaupt beiträgt.

Jane Lane
 
01
30.6.2010, 14:22

Es ging hier aber ausschließlich um die Buben!

KLAMB
01
30.6.2010, 08:22

es könnte zB auch bedeuten, dass bei Buben dieser Faktor stärker durchschlägt, während bei migrantischen Mädchen die Erziehung die Anpassungsfähigkeit an das Schulsstem fördert...

Dein Dämon
11
30.6.2010, 08:17

Wenns in der Zeitung steht, stimmts.

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