Sünkel von Hochschuldialog-Ergebnissen enttäuscht

29. Juni 2010, 12:42
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Rektorenchef warnt vor Ansturm auf österreichische Unis aus ganz Europa

Wien - Eine "Enttäuschung" stellen für den Präsidenten der Universitätenkonferenz (uniko), Hans Sünkel, die bisher bekannten Ergebnisse des Hochschuldialogs dar. Er hätte sich erwartet, dass neue und zukunftsweisende Überlegungen dargelegt würden - "in diesen 35 mageren Seiten habe ich solche aber nicht identifizieren können", so Sünkel. Enttäuscht sei er auch, weil die sowohl für die Unis als auch die anderen Hochschulen "heißen" Themen "umschwiegen" würden.

Wissenschaftsministerin Beatrix Karl (VP) will den Endbericht des Hochschuldialogs im Rahmen einer Abschlussveranstaltung am Mittwoch präsentieren. Die Ergebnisse der einzelnen Arbeitsgruppen sind aber bereits vorab bekannt geworden. In zentralen Fragen wie Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren haben die Teilnehmer dabei keinen Konsens gefunden, viele Empfehlungen sind äußerst vage. Die Rektoren sind bereits im März aus dem Dialog ausgestiegen, weil sie "nicht über Gott und die Welt reden, sondern die Probleme der Universitäten rasch lösen" wollten.

Sünkel plädiert für kleine Gruppen

Diesen Ausstieg hält Sünkel aufgrund der sowohl damals als auch heute nicht vorhandenen Ergebnisse für richtig. Man brauche dringend ein Umdenken der gesamten Bundesregierung in Richtung einer massiven Unterstützung der höheren Bildung, das auch mit entsprechenden Taten einhergehen müsse. "Wirklich große Würfe sind in einer großen Gruppe nicht erwartbar."

Sünkel plädiert daher für eine "kleine Gruppe von Repräsentanten der Stakeholder": Vertreten sein sollten Repräsentanten der Unis, Fachhochschulen, Pädagogischen Hochschulen und Privatunis sowie die "Abnehmer" aus Wirtschaft und Industrie sowie klarerweise die Politik. Bisher gebe es aber keine Signale in diese Richtung, bedauerte der derzeit in New York an einer US-europäischen Rektorenkonferenz weilende Sünkel - "und das liegt nicht nur an der Distanz zwischen Österreich und den USA".

Sünkel erwartet ohne Beschränkungen Ansturm

Mit seiner Wissenschaft und Wirtschaft stehe Österreich im internationalen Wettbewerb - und in diesem stehe vor allem die Qualität im Mittelpunkt, so Sünkel. Diese sei unvereinbar mit "hoher Quantität". Nötig seien daher Zugangsregelungen mit Beschränkungen in den Massenfächern, verbunden mit Anreizen für Studenten in den Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die durchaus auch finanzieller Natur sein könnten. Diese Fächer müssten intensiv beworben werden, wobei Karl hier schon auf einem guten Weg sei. Ebenfalls nötig sei ein wesentlicher Ausbau der Uni-Finanzierung.

In den USA verstehe man das österreichische System mit seiner Kombination aus unbeschränktem Zugang und einem gleichzeitigen Verzicht auf Studiengebühren nicht. Sogar wenn der Finanzminister nun massiv in die Hochschulen investiere sollte und so die Qualität wesentlich gesteigert werden könnte, hätte man ein "Riesenproblem", so Sünkel. Denn ohne eine Beschränkung des Zugangs würde man dann nämlich einen gänzlich unbewältigbaren Ansturm vor allem an europäischen Studenten erleben - "und da rede ich nicht nur von Deutschland". (APA)

  • "Wirklich große Würfe sind in einer großen Gruppe nicht erwartbar", so Sünkel über den Hochschuldialog. Er plädiert daher für eine "kleine Gruppe von Repräsentanten der Stakeholder".
    foto: standard/cremer

    "Wirklich große Würfe sind in einer großen Gruppe nicht erwartbar", so Sünkel über den Hochschuldialog. Er plädiert daher für eine "kleine Gruppe von Repräsentanten der Stakeholder".

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