Johannes Fischer - Rechtes Feindbild geht in Pension

29. Juni 2010, 12:18
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Von der SPÖ abgeschossen, von der FPÖ angefeindet - Leitete zuletzt ORF-Magazine

Wien - Ein Unbeugsamer geht in Ruhestand: Wenn der Magazinchefredakteur des ORF, Johannes Fischer, Ende des Monats endgültig sein Büro am Wiener Küniglberg zusperrt, verlässt einer der profiliertesten politischen Journalisten den ORF. Fischer machte sich im Laufe seiner Karriere einen Namen als unbequemer Berichterstatter und flog in den 90er Jahren auf SPÖ-Betreiben sogar aus dem ORF. Die Freiheitlichen forderten unter Schwarz-Blau vergeblich seinen Kopf, und unter der Führung von ORF-General Alexander Wrabetz wurde Fischer noch einmal zum Chefredakteur befördert, als der er nun in Pension geht.

Westenthaler ein "Primitiv-Intervenierer"

Fischer begleitete als politischer Berichterstatter Generationen von heimischen Spitzenfunktionären, von denen ihm nach eigenem Bekunden einer am liebsten war: "Bruno Kreisky", wie Fischer im Interview mit dem "Falter" kürzlich erklärte. "Niemand konnte mit Menschen so aufrichtig und ungekünstelt reden. Vielleicht noch Jörg Haider." Unter dessen Ägide ritt die FPÖ freilich zahllose Attacken gegen Fischer, vor allem als dieser die mitternächtliche TV-Nachrichtensendung "ZiB 3" (heute: "ZiB 24") einführte. In der Startphase der schwarz-blauen Regierung im Jahr 2000 forderte der damalige FP-Klubchef Peter Westenthaler (Fischer: "Ein Primitiv-Intervenierer") nahezu wöchentlich die Einstellung der "ZiB 3" und den Kopf des Journalisten.

Mit der Erfindung der "ZiB 3" förderte Fischer, der auch die "ZiB 2" verantwortete, zahlreiche junge Talente, die sich in kritischem Journalismus erproben konnten. Durch seine Schule ging damals auch der heutige "ZiB 2"-Anchorman Armin Wolf, der später bekannte, "nicht wegen des Fernsehens, sondern wegen Johannes Fischer" am Küniglberg zu sein. Sowohl die "ZiB 2" als auch die damals neue "ZiB 3" entwickelten sich unter Fischers Leitung zu erfolgreichen Nachrichtensendungen.

Leitung der "Pressestunde" und "Betrifft"

Später legte er die Führung der beiden Formate - begleitet von massivem Druck vor allem blauer Spitzenfunktionäre - zurück und übernahm die Leitung der "Pressestunde" und die Diskussionssendung "Betrifft". Auch seine sonntäglichen Abenddiskussionen wurden in der Folge heftig kritisiert. Zum einen, weil live lange Faxe oder Mails von Regierungspolitikern verlesen wurden, zum anderen stand der Vorwurf einer zu ministerfreundlichen Einladungspolitik im Raum. Ihren Höhepunkt erreichte die Kritik, als auf einem Bildschirm über den Diskussionsteilnehmern der Kopf Peter Westenthalers einschwebte. Eine Runde zur Spitzelaffäre wurde vom FPÖ-Politiker abgekanzelt. "Oberster Sowjet", kommentierte eine Tageszeitung. Fischer selbst sah das offene Diskussionskonzept damit gescheitert.

Mehrmals führte Fischer auch die ORF-"Sommergespräche". In legendärer Erinnerung bleibt sein Auftritt mit Jörg Haider im August 1988. Auf einer Kärntner Alm als Kulisse entlockte Fischer dem damaligen FPÖ-Chef den Sager von der österreichischen Nation als "ideologische Missgeburt". Die Passage fand Eingang in den "ewigen" Zitatenschatz der Zweiten Republik.

"Das hat mich Kopf und Kragen gekostet"

Ebenfalls für Aufregung sorgte ein Interview Fischers im Jahr 1994. Den damaligen SPÖ-Innenminister Franz Löschnak, der wegen seiner restriktiven Asylpolitik unter Beschuss stand, fragte Fischer in der "ZiB 2" vor laufender Kamera, ob er schon einmal Flüchtling war. "Na Bumsti, mehr hab' ich nicht gebraucht. Das hat mich Kopf und Kragen gekostet", schilderte Fischer den Vorfall später. Der SP-nahe Informationsintendant Johannes Kunz sorgte dafür, dass Fischer aus dem ORF flog. Sein Freund und langjähriger Kollege Peter Rabl holte den im öffentlich-rechtlichen Funk in Ungnade Gefallenen zum "Kurier", wo dieser für eineinhalb Jahre eine journalistische Heimat fand. Nach diesem Zwischenspiel und einem Machtwechsel im ORF holten der neue Generalintendant Gerhard Zeiler und sein Informationsintendant Rudolf Nagiller Fischer auf den Küniglberg zurück.

Als Fehler bezeichnet es Fischer heute, in den 90er Jahren einen Grünen Parteitag moderiert zu haben. Seine letzte große Auseinandersetzung mit der Politik lieferte sich der Magazinchef erst im Frühjahr: FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache unterstellte einem Journalisten der Sendung "Am Schauplatz", junge rechte Glatzköpfe als "Agents Provocateurs" zu seiner Kundgebung in Wiener Neustadt gebracht zu haben. Eine Anzeige wegen Anstiftung zur Wiederbetätigung folgte. Als die Staatsanwaltschaft im ORF-Zentrum anrückte, um sämtliche Bänder des Drehs zu beschlagnahmen, stellte sich Fischer vor sein Team und das Redaktionsgeheimnis. "Wenn es sein muss, gehe ich auch ins Gefängnis", kündigte er an.

Nachfolger

Die Beugehaft wurde allerdings bis dato nicht angeordnet, womit Fischer als freier Mann die Pension genießen darf. "Getan hätte er es", attestieren ihm aber langjährige Wegbegleiter. Als Nachfolger wünscht er sich nach eigenem Bekunden "Profis des Magazinjournalismus im ORF wie Peter Resetarits oder Claudia Neuhauser". (APA)

  • Johannes Fischer.
    foto: orf/ramstorfer

    Johannes Fischer.

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