Voest muss 22 Millionen zahlen

30. Juni 2010, 18:09
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Die EU verhängt eine 518-Millionen-Strafe über ein Stahldrahtkartell, ein Teil gilt für Österreich.

Die EU-Kommission geht mit harten Strafen gegen ein Kartell von Stahlfirmen vor, das 18 Jahre lang EU-weit mit illegalen Preisabsprachen agierte. Austria Draht, eine Tochter der Voest, büßt mit 22 Millionen Euro.

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Brüssel - Nach der Bestrafung eines Kartells der Hersteller von Autoglasscheiben (Buße: 1,38 Milliarden Euro) und jüngst des sogenannten "Bäderkartells" - Erzeuger von Sanitärprodukten - erwischte es nun die Produzenten von Spannstahl: Insgesamt 36 Unternehmen aus 17 Konzernen wurden von den Wettbewerbsprüfern illegale Preisabsprachen nachgewiesen. Sie müssen insgesamt 514 Millionen Euro an Geldbußen überweisen.

Österreich ist, wie der Standard berichtete, durch die Voest-Tochter Austria Draht betroffen, die in Bruck/Mur und Donawitz knapp 700 Beschäftigte hat. Der Erzeuger von Spannstahl und Draht muss eine Strafe von exakt 22 Millionen Euro zahlen. Da die Firma bis zuletzt bestritten hat, an dieser wettbewerbswidrigen Praxis teilgehabt zu haben, gibt es auch keine Reduktion der Strafe wie bei einigen anderen Stahlproduzenten, die sich nach Angaben einer Kommissionssprecherin am Mittwoch "kooperativ" verhielten.

Die Austria Draht kündigte Einspruch gegen die Brüsseler Entscheidung an.

Der jüngste Kartellfall war bei der EU-Kommission nach einer Anzeige der deutschen Saarstahl bereits seit dem Jahr 2002 anhängig. Dass es so lange gedauert hat bis zur Maßnahme, liege an der großen Zahl der Beteiligten und des Umfanges der Preisabsprachen, hieß es bei Wettbewerbskommissar Joaquín Almunia: Es sei erstaunlich, dass die Stahlfirmen "so lange praktisch den gesamten Markt in der EU dominieren konnten" , seit 1984 bis 2002, in allen außer drei EU-Staaten.

Keinerlei Mitleid

Deshalb gebe es jetzt "keinerlei Mitleid" , viele Firmen hätten angekündigt, durch die verhängten Strafen in Konkurs gehen zu müssen. Man sei bereit, das zu prüfen und Nachlässe zu gewähren, so die Kommissionssprecherin. Bei drei von den 36 betroffenen Unternehmen sei dies bereits geschehen. Der mit Abstand größte "Sünder" im freien Wettbewerb ist der Stahlkonzern Arcelor Mittal, der Weltmarktführer, der mit 276 Millionen Bußgeld mehr als die Hälfte der Gesamtstrafe ausfasste. Grund: Arcelor ist Wiederholungstäter, betreibt Werke in Frankreich, Belgien, Italien, Luxemburg. Kronzeuge Saarstahl ging straffrei aus.

Die Kommission hat nachgewiesen, dass die Manager der Firmen sich 550-mal in Hotels überall in Europa getroffen haben, um Preisabsprachen durchzuführen. Auch Lieferquoten und Kunden wurden aufeinander abgestimmt. Die Firmen seien"fast so wie in der Planwirtschaft" aufgetreten. (Thomas Mayer aus Brüssel, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 1.7.2010)

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    Hart ist in der Stahlindustrie nur die Arbeit, nicht aber der Wettbewerb. Die EU-Kommission verurteilte 36 Stahlfirmen.

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