Griechenland

Neuer Tag, neuer Streik

29. Juni 2010, 13:55

Aus Protest gegen die umstrittene Pensionsreform waren drei Millionen Arbeitnehmer zum Protest aufgerufen

Athen - Das öffentliche Leben in Griechenland ist wegen eines Generalstreiks aus Protest gegen die geplanten Sparmaßnahmen der Regierung weitgehend zum Erliegen gekommen. Krankenhäuser bieten nur noch einen Notdienst, öffentliche Verkehrsmittel stehen still, in Radio und Fernsehen gibt es keine Nachrichtensendungen. Auch Journalisten beteiligen sich an dem Ausstand, deshalb erscheinen am Mittwoch keine Zeitungen.

Die internationalen Flughäfen bleiben allerdings geöffnet, Flugverbindungen mit dem Ausland sind von dem Streik nicht betroffen. Im Zentrum der Hauptstadt Athen folgten mehrere tausend Menschen einem Aufruf der Kommunistischen Partei und demonstrierten gegen die Pensionsreform. In einem anderen Viertel Athens versammelten sich ebenfalls tausende Demonstranten zu einer Kundgebung zweier großer Gewerkschaften. Erneut kam es zu Zusammenstößen zwischen Polizei und Demonstranten. Nach Angaben von Augenzeugen gingen die Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen die Protestteilnehmer vor; aus den Reihen der Demonstranten flogen Steine gegen die Polizei.

Verkehr und öffentlicher Dienst

Der nunmehr fünfte Generalstreik im Land seit Februar beeinträchtigte vor allem den Verkehr und den öffentlichen Dienst. Etwa 50 Inlandsflüge zu den griechischen Inseln mussten gestrichen werden, internationale Flugverbindungen waren von dem Ausstand dagegen nicht betroffen. Im Hafen von Piräus, wo vergangene Woche tausende Urlauber wegen eines Streiks festgesessen waren, fuhren die Fähren normal. Etwa eintausend Sicherheitskräfte waren im Einsatz, um mögliche Störaktionen kommunistischer Aktivisten zu verhindern. Alle Schiffe in Richtung Ägäis seien bisher wie geplant abgefahren, sagte eine Sprecherin der Küstenwache der Nachrichtenagentur AFP. Busse und Metro in Athen funktionierten ebenfalls normal, Störungen gab es dagegen beim Bahnverkehr.

Zu dem Streik hatten zwei große Gewerkschaften aufgerufen, die erbitterten Widerstand gegen die Sparpläne der Mitte-Links-Regierung leisten. Die Pläne sehen unter anderem ein höheres Pensionsantrittsalter und verringerten Kündigungsschutz vor. Das Parlament wollte ab (dem heutigen) Dienstag über die Reformen beraten. Mit einer Abstimmung wird erst in mehr als einer Woche gerechnet.

Die Maßnahmen würden dem in einer Finanzkrise steckenden Land nicht helfen, sagte eine Gewerkschaftssprecherin. Sie würden Griechenland vielmehr noch tiefer in die Rezession und die Armut führen. Die Regierung wiederum hält die Maßnahmen für unerlässlich. Mit der Rentenreform erfüllt sie eine wesentliche Bedingung für das 110 Milliarden Euro schwere Rettungspaket von Internationalem Währungsfonds und EU.

"Gewagter Plan"

Im Juli will sich Griechenlanderstmals seit Verkündung des gigantischen Rettungspaketes von IWF und EU an den Kapitalmarkt wagen. Die Regierung kündigte an, Mitte Juli Geldmarktpapiere mit kurzer Laufzeit verkaufen zu wollen.

Finanzexperte Carsten Lüdemann von der Dekabank sprach von einem gewagten Plan: "Das könnte sich als gute Idee herausstellen, aber es könnte auch in einem Desaster enden." Sollten Investoren der Auktion fernbleiben oder enorm hohe Zinsen verlangen, wäre dies der endgültige Beweis, dass sich Griechenland am Markt nicht mehr refinanzieren könne.

Vize-Finanzminister Philippos Sachinidis kündigte an, dass Griechenland Papiere mit drei, sechs und zwölf Monaten Laufzeiten anbieten werde. Er sagte jedoch nicht, wie viel Geld sich sein Land dabei leihen wolle. Insgesamt werden im Juli griechische Geldmarktpapiere über 4,56 Mrd. Euro fällig. Der Rettungsplan von EU und IWF sieht vor, dass Griechenland bis 2012 keine langjährigen Anleihen am Markt verkaufen muss. Es kann jedoch kurzfristige Papiere verkaufen, die als relativ sichere Anlage gelten.

Lüdemann hält es durchaus für möglich, dass Griechenland am Markt bei der Auktion für die Kurzfrist-Papiere weniger Zinsen zahlen muss, als für Gelder aus dem Rettungspaket mit rund fünf Prozent fällig wären - ganz einfach deshalb, weil die EU-Kreditgarantie noch besteht, wenn Griechenland das Geld zurückzahlen muss. Sollten die Investoren dennoch die Finger von den Papieren lassen, wäre dies ein Schlag für den gesamten Markt, warnte Kornelius Purps von UniCredit. "Dann würden sich die Leute fragen, ob griechische Geschäftsbanken noch in der Lage sind, sich zu refinanzieren, da sie als die wichtigsten Käufer gelten."

Feuerwehr für Griechenland

Darüberhinaus schlägt am Mittwoch für Griechenland die Stunde der Wahrheit. Laut einem Bericht des "Handelsblatt" muss die EZB erneut für Griechenland in die Bresche springen und Anleihen des Landes aufkaufen. "Wir schätzen den Verkaufsdruck bei Griechenland-Anleihen aus passiven Mandaten und Indexfonds heraus auf 20 Mrd. Euro", zitiert das "Handelsblatt" Andrew Bosomworth, Topmanager bei Pimco in München. Manche Experten schätzen die Summe sogar auf bis zu 30 Mrd. Euro.

Sollten diese Schätzungen zutreffen, müsste die EZB laut Bericht ihr umstrittenes Ankaufsprogramm für Staatsanleihen, das sie zuletzt deutlich zurückgefahren hat, sehr stark ausweiten. Wie die EZB am Montag bekanntgab, kaufte sie in der letzten Woche wie schon in der Vorwoche nur noch für vier Mrd. Euro Staatsanleihen von Ländern in Finanzschwierigkeiten. Seit dem 10. Mai hat sie bisher für 55 Mrd. Euro Anleihen gekauft. Wie viel davon auf griechische Anleihen entfiel, gibt die EZB nicht preis. (APA/Reuters/red)

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Posting 1 bis 25 von 89
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maj jong
23
30.6.2010, 18:38
Warum, warum.....

spart sich jemand Geld, wenn er Angst hat es zu verlieren?

warum sucht sich jemand einen Job, wenn er für nichts Arbeiten auch nichts bekommt?

warum gibt es in Österreich mehr Millionäre und der Bevölkerung wird eingeredet sie muß mit weniger auskommen, für Sozialleistungen mehr bezahlen, für die Pension länger arbeiten, während die Jugend länger keinen Arbeitsplatz findet?

Warum bekommen die Banken Geld, Sicherheiten vom Staat, während sie Gewinne machen?

warum wurden vom ÖVP Pröll in NÖ über 1 Milliarde Wohnbaugeld verzockt^?

Warum glauben die Konservativen besser wirtschaften zu können...

weil...

johannes mayer1
51
30.6.2010, 08:28
Griechen sind keine und waren nie Europäer!

Das Volk dort unten geht der restlichen EU nur mehr auf die Nerven!! Auch ich werde heuer meinen Urlaub nicht in Griechenland verbringen!!!

maj jong
01
30.6.2010, 18:26
Fährt mayer 1 nicht...

fährt eben mayer 2

Griechenland ist wunderbar, die Menschen sind super, die Politiker sind wie bei uns....

......

blauwal
 
00
29.6.2010, 23:56
urlaub in griechenland

wollte heuer eigentlich eine woche nach griechenland, ist wohl besser sich ein anderes reisziel zu suchen. habe absolut keine lust einen tag irgendwo zu stehen, nur weil die gerade streiken.

Oscar W
11
29.6.2010, 21:59
Bin gerade 5 Wochen in Zypern am flughafen arbeiten

Die Griechen hier arbeiten um einiges fleissiger als ihre Brüder (sehen sich so) in Griechenland, aber man merkt das diese Menschen sich sehr gerne viiiieeeeellll freizeit nehmen während der arbeit. es beschweren sich hier griechen über 8 stunden arbeit am tag, und ausländern (meißtens aus dem osten, bulgarien, rumänien, ukraine und russland) arbeiten 6 tage die woche! es ist einfach unglaublich....

Lady_Gaga
 
21
29.6.2010, 16:42

Endlich einmal hackln wäre angebracht

smeki
01
29.6.2010, 20:26

Zawos? Damit die Ergebnisse der Leistungen der Arbeitenden weiter nach oben, also zu den sog Leistungsträgern getragen werden können und die, die tatsächlich etwa für die Gesellschaft und nützliches leisten, immer weniger weniger von diesen Ergebnissen sehen? Lohnarbeit sollte man soweit wie möglich bleiben lassen, solange deren Zweck nur noch dem Selbstzweck des Kapitals und der Materialisierung des am Finanzmarkt erschaffenen Luftkapitals dient.

Pol e Mike
34
29.6.2010, 15:20
Mit Streik werden die Schulden nicht weniger,

und die Wirtschaft wächst auch nicht.

Blockade und Vandalismus...Gewerkschaft eben!

smeki
00
29.6.2010, 20:30

Wirtschaftswachstum durch Schuldenabbau, oder? Genau, funktioniert garantiert. Wer soll denn sonst die Schulden machen, die für das vielgelobte Wachstum gebraucht werden? Wobei sich schon mal die Frage stellt, wofür denn eigentlich das Wachsdumm benötigt wird?

Michail Bakunin
13
29.6.2010, 16:16

Der Rückschluss, dass mit Arbeiten und Klappe halten die Schulden weniger werden, hinkt aber irgendwie auch ein bißchen...

Mike Myers
00
30.6.2010, 08:32
Arbeiten ja,

Klappe halten nein.

Citizen Kaine
00
29.6.2010, 16:38
die können ja ruhig die klappe aufreissen ...

damit werden die schulden auch nicht weniger ...
oder meinst du, der finanzmarkt läßt sich durch ein paar streiks beeindrucken?

- du kannst du ja auch eulen nach athen tragen -

;)

Gegenflieger
01
29.6.2010, 17:22

Es müßen nur genug mitmachen , dann zwingt es selbst den Finanzmarkt in die Knie.
Die Schwäche bei Menschen wie ihnen ist das sie den Zug erst hören , wenn er längst über sie Fährt.

Citizen Kaine
11
29.6.2010, 15:12
auch wenn sie streiken gehen ...

zahlen müssen sie trotzdem ...
so oder so, werden die renten und gehälter usw. gekürzt, geld ist ja keines mehr da ...
(vielleicht haben sie noch etwas glück und ihnen kommt eine umschuldung durch die EU zur hilfe. und das ist auch schon alles. danach heißt es einfach arbeiten bis die schwarte kracht)

bis die letzten linken das begreifen dauerts halt noch ein wenig ...
(die brauchen immer etwas länger)

;)

politisch verfolgt
212
29.6.2010, 14:59
gute-nacht geschichte

es war einmal herr a., der borgte sich bei herrn b. 1.000 euro. darum kauft er sich eine pistole. als er das geld zurückzahlen soll, borgt er sich von herrn c. 100 euro und gibt 50 davon herrn b. vom rest geht er gut essen. als herr b. und herr c. ihr geld zurück wollen, borgt herr a. sich von herrn d. 100 euro. 30 gibt er herrn a., 30 herrn b. und mit dem rest geht er essen.
so geht das ein paar jahre lang. als herr a. schließlich niemanden mehr findet, der ihm geld borgt und alle auf ihn sauer sind, sagt er: "so, ich streike jetzt. denn es ist eine frechheit, wie ich von allen in den ruin getrieben werde. wie soll ich denn leben, wenn ihr mir kein geld mehr gebt?"

johannes mayer1
00
30.6.2010, 08:31
@ politisch verfolgt

Superstory, sehr treffend!!!

Hoinz
 
01
29.6.2010, 15:23
Eines begreif' ich nicht.

Warum gerade eine Pistole?

Def. Izit
04
29.6.2010, 15:57
Vielleicht sind das die griechischen Rüstungsausgaben

away from keyboard1
00
29.6.2010, 15:09

perfekt auf den Punkt getroffen!

dr. zickzack
00
29.6.2010, 15:14

der dickdarm des herrn a.

away from keyboard1
00
29.6.2010, 16:25

Fäkalniveau, super...

dr. zickzack
00
29.6.2010, 16:31

tut mir leid, der adressat war eigentlich Herr und Frau Österreicher. hab mich verklickt. *schäm*

Herr und Frau Österreicher
 
00
29.6.2010, 15:04

Und wer sind die Gewerkschaften nun in ihrem Gleichniss?

Dr.mumunator
36
29.6.2010, 14:17
Ein Armutszeugnis der diversen Gewerkschaften

denen nichts anderes einfällt als auch noch kurz vorm Abgrund jegliche Aktivität zu bestreiken

mistvieh666
 
02
29.6.2010, 15:05

wir haben in oesterreich eben eine funktionierende sozialpartnerschaft. da wird zuerst geredet, gepackelt nennen das dann die linken, bevor man sich gegenseitig weh tut.
allgemeine regel: die drohung ist wirksamer als die ausfuehrung. und kostet auch weniger.
in griechenland liegt aber das problem nicht bei den gewerkschaften allein, es ist eine fehlende konfliktkultur, die wir in unserem faschistoiden, boesen, rassistischen oesterreich eben - haben.

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