Rücktritt Anfang Juli nach Weltmeisterschafts-Fiasko - Amtszeit hätte bis 2012 gedauert
Paris - Frankreichs Verbandspräsident Jean-Pierre
Escalettes hat nach dem WM-Fiasko der französischen
Fußball-Nationalmannschaft in Südafrika die Konsequenzen gezogen.
Escalettes erklärte am Montag seinen Rücktritt mit 2. Juli. An diesem
Freitag wird der Vorstand des französischen Verbandes (FFF) tagen, um
die Vorkommnisse im Umfeld der "Equipe Tricolore" aufzuarbeiten.
"Ich schätze es ist meine Pflicht, von meinem Posten als
Präsident
des Verbandes zurückzutreten", meinte Escalettes in einem Statement.
Zuvor wolle er sich aber noch bei der anstehenden Vorstandssitzung
rechtfertigen.
Frankreich war bei der WM begleitet von chaotischen Zuständen
im
Lager des Nationalteams bereits nach der Gruppenphase gescheitert. In
drei Spielen holte der Vizeweltmeister von 2006 nur einen Punkt und
schoss nur ein Tor. Daraufhin hatte sich sogar Staatspräsident
Nicolas Sarkozy eingeschaltet. Sportministerin Roselyne Bachelot
hatte Escalettes zum Rücktritt aufgefordert.
Escalettes war im März 2005 zum Präsidenten des Verbandes bestellt
worden und trat im September 2008 die zweite Amtsperiode an. Nur zwei
Monate zuvor hatte er den wohl schwerwiegendsten Fehler seiner
Amtszeit begangen: Er hielt nach der enttäuschenden EURO 2008 am
ungeliebten Teamchef Raymond Domenech fest. Frankreich war vor zwei
Jahren bei der EM in Österreich und der Schweiz ebenfalls schon in
der Gruppenphase gescheitert.
Der 75-jährige Escalettes wäre noch bis 2012 im Amt gewesen.
Frankreichs Regierung wird sich nun von der FIFA aber wohl gegen den
Vorwurf verteidigen müssen, "Druck auf eine unabhängige Institution
ausgeübt zu haben". Der Weltfußballverband verbietet die politische
Einflussnahme auf nationale Fußballverbände und hat Mitgliedsländer
deshalb in der Vergangenheit bereits vorübergehend suspendiert.
Sportministerin Bachelot sagte nur, sie nehme den Rücktritt zur
Kenntnis. (APA/AFP/Reuters)