Blaue Polit-Sorgen um weiße Paradepferde

28. Juni 2010, 18:58
28 Postings

Die Hofreitschule ist zwar noch immer ein Minusgeschäft, Elisabeth Gürtler schaut allerdings schon wesentlich mehr aufs Geld als ihre Vorgänger

Wien - Aus dem Maul blutende Pferde, Reitfehler und verdreckte Uniformen: "Viele Leute" sagt FP-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner, seien in den letzten Wochen an sie herangetreten, um sie auf Missstände in der Spanischen Hofreitschule aufmerksam zu machen. Auch der "Freundeskreis der Spanischen Hofreitschule", der bereits Anfang des Jahres an der Geschäftsführung des Kulturbetriebs Kritik übte, zählte dazu. "Die Hofreitschule läuft Gefahr, zur billigen Touristenattraktion zu verkommen."

Schuld daran sei die 2001 erfolgte Ausgliederung in eine Gesellschaft. Es sei falsch zu glauben, ein "Kulturgut wie einen Konzern führen zu können, der Gewinne einbringen soll" - vielmehr müsse die Tradition gewahrt werden.

2008 übte der Rechnungshof noch massive Kritik an der unwirtschaftlichen Führung des staatlichen Unternehmens. Woraufhin die neue Geschäftsführerin Elisabeth Gürtler ankündigte, die Kosten beim Personal minimieren und die Erlöse maximieren zu wollen. Nun, zwei Jahre später, sieht sich Sacher-Chefin mit dem Vorwurf, die Wirtschaftlichkeit zu sehr in den Vordergrund zu stellen, konfrontiert - obwohl sie im ersten Halbjahr 2010 wegen erkrankter Pferde und ausbleibender Besucher einen Verlust von mindestens 300.000 Euro eingefahren hat.

70 Vorführungen

FP-Politikerin Unterreiner bleibt dennoch dabei: Die Entscheidung, mit einer Verdoppelung der Vorführungen das finanzielle Defizit auszugleichen, sei ein "grober Fehler" gewesen. Die Pferde seien dadurch überfordert, und die Qualität würde leiden.

"Das ist doch reine Schaumschlägerei", sagt hingegen Pressesprecherin Barbara Sommersacher. Neben den tierärztlichen Kontrollen zweimal pro Woche gebe es 24 Stunden Betreuung für die Lipizzaner. "Mehr geht ja gar nicht." Außerdem seien bereits in den Sechzigern 70 Vorführungen pro Jahr gezeigt worden, "dabei hatten wir damals 30 Pferde weniger als heute".

Wer sich den Arbeitsplatz der weißen Hengste selbst aus der Nähe anschauen will, kann das am 10. Juli tun: Dann steigt in der Hofreitschule nämlich zum ersten Mal die "Fête Impériale" - laut Elisabeth Gürtler ein "junges, ausgelassenes" Sommerfest. Eröffnet wird der Ball allerdings recht traditionell: Mit einer von Ex-Staatsopernballettchef Renato Zanella choreografierten Tanzeinlage und einem Debütantenkomitee unter der Leitung von Thomas Schäfer-Elmayer. Relativ gesalzen auch die Eintrittspreise: Die günstigsten Tickets kosten 105 Euro. Der Reinerlös der Veranstaltung soll der wissenschaftlichen Arbeit zur Zucht der Lipizzaner zugute kommen. Der Partybereich erstreckt sich von der Hofreitschule über die Michaelerkuppel bis zum Michaelerplatz. Stallburg und Winterreitschule werden zu Tanzflächen in Schachbrettmusteroptik, die Pferdeboxen zu Logen. 3000 Gäste erwartet Gürtler - die 80 Stadt-Lipizzaner sind derweil auf Sommerfrische. (APA, stem/DER STANDARD-Printausgabe, 29.6.2010)

  • Bild nicht mehr verfügbar

    Die Stadt-Lipizzaner müssten zu oft auftreten und seien deshalb völlig erschöpft, sagt FP-Kultursprecherin Heidemarie Unterreiner, "Schaumschlägerei", kontert die Hofreitschule.

Share if you care.