"Würde am liebsten das Trikot anziehen"

28. Juni 2010, 18:55
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Maradona freut sich aufs Viertelfinalduell mit Deutschland und fühlt sich schon wie 1986, als er Argentinien zum WM-Titel führte

Johannesburg - Was Argentiniens 3:1 gegen Mexiko mit so vielen anderen WM-Spielen gemeinsam hat? Auch diese Partie lässt sich nicht ohne Miteinbeziehung des Referees besprechen. "Ich glaube, Rosetti wollte das Tor nicht geben. Auf der Anzeigetafel konnte man die Szene ja gut sehen. Selbst wir haben die Abseitsposition erkannt. Wir müssen uns aber nicht dafür schämen, dass der Treffer am Ende gezählt hat", sagte selbst Argentiniens Verteidiger Nicolas Burdisso (AS Roma) über das 1:0 von Carlos Tévez, welches der Italiener Roberto Rosetti, Schiedsrichter beim Wiener EURO-Finale 2008 (Spanien - Deutschland 1:0), trotz klarer Abseitsposition des Stürmers von Manchester City schließlich für korrekt erklärt hatte. Trotz oder wegen intensiver Rücksprache mit seinem Assistenten Stefano Ayroldi. Und auf den Videoschirmen im Soccer-City-Stadion von Johannesburg sahen 84.377 Zuschauer die Szene und erkannten die Fehlentscheidung. Nur die Schiedsrichter hatten kein Video.
Der Mensch und das Elend

"Jeder ist ein Mensch. Schieds- und Linienrichter müssen in Sekunden Entscheidungen treffen. Auch wir haben dies und das falsch gemacht, ich habe manches falsch gemacht." Im Grunde eine Sensation, wie gelassen Mexikos Teamchef Javier Aguirre nach der Niederlage sprach. "Immer dasselbe Elend", meinte dazu die Zeitung El Universal. Für die Mexikaner war das Achtelfinale bereits zum fünften Mal en suite die Endstation.

"Das war ein Himmelsgeschenk. Das musste ich einfach annehmen." So kommentierte Gonzalo Higuaín, der für Real Madrid arbeitet, das 2:0, seinen vierten Treffer bei dieser Endrunde, den ihm Mexikos Stuttgart-Legionär Ricardo Osorio ideal aufgelegt hatte. Nur bei Argentiniens 3:0, dem prachtvollen Weitschuss ins Kreuzeck von "El Apache" Tévez, halfen weder der Referee noch die couragierten Mexikaner, die an einem der schnellsten Spiele des bisherigen Turnierverlaufs maßgeblichen Anteil hatten.

"Wir werden eine Mannschaft aufstellen, die uns den Sieg garantiert. Deutschland ist aber viel stärker als Mexiko", sagt Argentiniens Ikone und Teamchef Diego Armando Maradona zum Viertelfinalduell am kommenden Samstag. "Bis zum Sieg gegen England zählte Deutschland allein zu den Favoriten, weil es eben Deutschland war. Wie die unerwarteten Prügel für England aber gezeigt haben, finden sie immer einen Schlüssel zum Sieg. Maradona ist jetzt gefordert. Er muss schnell ihre Schwachstellen finden", schrieb die argentinische Tageszeitung El Clarín.
Maradona und das Puzzle

Maradona, der vor der WM oft gescholten worden war von den argentinischen Medien: "Es ist großartig, sich wie ein Puzzleteil dieses Teams zu fühlen. Ich bin stolz, diesen Moment teilen zu können. Man hat vorher gesagt, als Trainer hätte ich keine Ahnung und keine Ideen. Plötzlich gewinne ich vier Spiele. Aber ich habe mich nicht verändert, und ich werde auch morgen derselbe sein."

Beim Viertelfinale in Kapstadt handelt es sich um die Neuauflage des Viertelfinales der WM 2006 in Deutschland. Damals siegte der Gastgeber im Elferschießen, und der Spickzettel von Goalie Jens Lehmann wurde berühmt. 1990 in Italien gewann Deutschland das Finale mit 1:0, 1986 in Mexiko gewann Argentinien das Finale mit 3:2. "Ich fühle mich wie 1986 und würde am liebsten selbst wieder das Trikot anziehen", behauptet Maradona, der bei beiden Endspielen dabei war. "Deutschland ist gut in Form und spielt guten Fußball. Aber wir sind selbstbewusst genug. Dieses Mal werden wir den Platz als Sieger verlassen", bemerkt Kapitän Javier Mascherano vom FC Liverpool.

"Hoffentlich, wenn Gott es will, gelingt es gegen Deutschland", sagt Superstar Lionel Messi, der in Südafrika noch nicht ins Tor getroffen hat. Und Maradona kritisierte einmal mehr, wie mit dem 23-jährigen Barcelona-Kicker verfahren wird. "Was mit Messi gemacht wird, ist ein Skandal. Die schauen nicht einmal nach dem Ball, sondern treten ihn, und es hat nur Verwarnungen gegeben. Ich habe das selbst erlebt vor 20 Jahren. Ich möchte, dass Messi respektiert wird. Es gibt für alles eine Grenze." (bez, sid APA, DER STANDARD, Printausgabe, Dienstag, 29. Juni 2010)

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    Diego Maradona, sein Feuer brennt noch.

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