Autoritarismus-Studie

Österreicher vertreten weiter NS-Opferrolle

28. Juni 2010, 18:50

Autoritäre Einstellungen laut Studie im Vormarsch

Wien - Autoritäres Gedankengut nimmt hierzulande wieder zu: Dieses Ergebnis lässt sich aus einer neuen Studie zu "Autoritarismus in Österreich und Zentraleuropa" herauslesen. Ob härtere Gangart gegenüber Verbrechern, die Frau als Heimchen am Herd oder "Asoziale und Gauner" als Hauptschuldige für gesellschaftliche Probleme: Die Zahl jener, die derartigen Aussagen zustimmen, ist von 2004 bis 2007 gestiegen.

Mit "Ohmachtsgefühl in einer krisenhaften Welt" erklärt der Sora-Meinungsforscher Günther Ogris, der die Untersuchung gemeinsam mit dem Historiker Oliver Rathkolb geleitet hat, die verstärkte Suche nach einfachen Lösungen, relativiert aber im selben Atemzug: Seit den Siebzigern sind autoritäre Einstellungen deutlich stärker zurückgegangen, als sie in jüngster Vergangenheit wieder wuchsen - was Ogris auf bessere Bildung zurückführt. Sahen 1978 noch 51 Prozent die "natürliche Rolle" der Frau als "Hausfrau und Mutter", so sind es heute nur mehr 14 Prozent. Junge Leute denken generell weniger autoritär, unabhängig vom Bildungsstand.

Eine harte Hand schätzen die Österreicher aber immer noch: Die Mehrheit (59 Prozent) wünscht sich nicht nur strengere Strafen für Verbrechen, sondern auch härteres Einschreiten gegen "Außenseiter und Unruhestifter" (53 Prozent). Einen Freibrief für den Überwachungsstaat erteilen die Befragten dennoch nicht. Nur 24 Prozent sind für die Online-Durchsuchung von Computern, 20 Prozent für die Überwachung von Telefonaten, 13 Prozent für ein generelles Streik- oder Demonstrationsverbot.

In Tschechien, Ungarn und Polen, wo ebenfalls jeweils 1000 Leute befragt wurden, sind gefühlte Ohnmacht und Orientierungslosigkeit durch die Bank weiter verbreitet als in Österreich. Für 58 Prozent der Ungarn sind die "Dinge" so schwierig geworden, "dass man nicht mehr weiß, was los ist", hierzulande teilt ein Drittel diesen Eindruck. Österreich ist auch das einzige Land, wo keine absolute Mehrheit - sondern "nur" ein Anteil von 42 Prozent - glaubt, man habe sowieso keinen Einfluss darauf, was die Regierung tut.

Punkto Minderheitenrechte ist das Bild umgekehrt. "Überrascht" nahm Rathkolb zur Kenntnis, dass in Österreich immer noch 36 Prozent den traditionellen Minderheiten das Recht auf Schulunterricht in eigener Sprache verwehren wollen (41 Prozent sind dafür): "Es ist nicht gelungen, diesen schon in der Monarchie vorhandenen Konflikt aufzulösen." Polen und Ungarn geben sich in diesen Fragen aufgeschlossener - wobei zumindest die Ungarn wohl häufig die "eigenen" Leute im Ausland meinen, wenn sie von Minderheitenrechten reden.

Dauerbrenner Opfermythos
Als unausrottbar entpuppt sich die "Opferdoktrin": 36,5 Prozent sehen Österreich als Opfer des NS-Regimes, nur 25 Prozent weisen diese These zurück. Allerdings ist auch jeweils mehr als die Hälfte der Meinung, Österreicher trugen Mitverantwortung an den Verbrechen des Zweiten Weltkrieges und seien für das Schicksal der Juden mitverantwortlich; 20 bzw. 14 Prozent sagen dazu Nein.

Für Österreich erkennen die Forscher einen Zusammenhang: Wer zu aggressivem Autoritarismus tendiere, weigere sich auch eher, sich mit dem Holocaust auseinanderzusetzen. Andere historische Eigenart: Jeder Vierte hegt immer noch "große Bewunderung" für den austrofaschistischen Kanzler Engelbert Dollfuß.

In Summe kommt Rathkolb das von Unsicherheit geprägte Meinungsbild der Zentraleuropäer bekannt vor: "Es gibt verblüffende Parallelen zur ersten Globalisierung Ende des 19. Jahrhunderts." (Gerald John, DER STANDARD, Printausgabe, 29.6.2010)

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Bauer Stefan
01
Bezeichnend für weite Strecke der Diskussion hier -

ein Erlebnis: als in den Achtzigern die Staatsvoest zerlegt urde, regten sich (auf dem Linzer Hauptplatz) Sozialisten auf, aber nicht wegen eventuell verlorener Arbeitsplätze, die gabs zuhauf, sondern wegen des schwindenden Einflusses.

So gehts auch hier vielen nicht um Fakten, sondern nur um Verbreitung alter Schauergeschichten.


kopfsalat
00
"Asoziale und Gauner"

damit sind aber unsere politiker gemeint, oder?

Pol e Mike
13
In Österreich hat ein Kanzler Dollfuss seinen Widerstand gegen die Nazis mit dem Leben bezahlt....

....in anderen europäischen Ländern versuchte man sich ja mit "Apeasement" durchzulavieren.

Ein späterer Präsident Renner hat sich ja bekannlich immer für den Anschluss ausgesprochen....Sozi zu nationalem Sozi eben!

microsoft's Project Pink Might Be Dead
00
Ein späterer Präsident Renner hat sich ja bekannlich immer für den Anschluss ausgesprochen..

aber nicht nur in österreich, auch zu anderen anschlüssen durch die nazis;

. g.bac
04
weil die fragestellung mittlerweile schon mehr als obsolet ist

war österreich ein opfer?

nein, österreich ist nur ein politisches gebilde, ein haufen steine und der wille von 8millionen menschen eine verfassung zu aktzeptieren.

waren die damals lebenden österreicher opfer? glaub ich nicht, denn zu dem zeitpunkt wusste keiner worauf er sich einlässt. waren sie täter? detto, zum damaligen zeitpunkt wusste niemand was folgen sollte.

genausogut könnte man marx und lenin für die taten der udssr verantwortlich machen oder england für die besiedelung und der ausrottung der indianer.

wurden NACHHER einzelne menschen zu tätern? sicher, aber was hat das mit österreich im speziellen zu tun?

dieses ewige umrühren in kollektiven schuldgefühlen bei menschen die definitiv nicht dabei waren, ist so sinnlos.

Prof. Alois
 
01
Die ganz gewieften Diktaturen

machen Opfer immer auch ein bisschen zu Tätern. Indem sie geknechtete vor ihren eigenen Karren spannen.

Dieser Demjanjuk, dem letztens in Deutschland der Prozess gemacht wurde, ist so ein Fall. Als sowjetischer Kriegsgefangener hätte der eine sehr schlechte Überlebenschance gehabt. Als "Freiwilliger" im KZ stiegen die Überlebenschancen enorm. Wer mag über soetwas urteilen?

Das geht auch im ganz Kleinen. Die Nazis haben nachgeholfen, dass meinem Großvater nicht die medizinische Behandlung zuteil wurde, die damals üblich war. Schnell war er tot. Meine Großmutter hatte einen Bauernhof und drei Kinder. Sie wehrte sich nicht gegen die Zuweisung eines serbischen Zwangsarbeiters.

Hafner
03
Und ich schreibs trotzdem nochmal ...

... die Sozialisten - auch die Basis - waren mehrheitlich FÜR den Anschluß.
Renner hat bei den Friedensverhandlungen in St.Germain gegen 2 Punkte vehement protestiert:
1. Gegen das Anschlußverbot
2. Dass Österreich als Nachfolgestaat der Monarchie galt.
Zensur, die solche Informationen unterdrück, und vor allem die Schlüsse, die daraus zu ziehen sind, entspricht genau der Einstellung, gegen die der STANDARD vorgibt zu kämpfen.
Meinungsfreiheit ist immer die Freiheit der Anderen.
Der Schluß ist logisch: Es ist selbstverständlich so, dass sich 36% zu Recht als Opfer fühlen können, weil das ein Prozentsatz ist, der zu Recht als Anschlußgegner in Österreich gelebt haben könnte.
Und was am Meisten wehtut: Es waren nicht die Sozialisten.

Hafner
01
Die Postings, in denen ich auf die Gruppen ...

... hinweise, die für den Anschluß an Deutschland waren, werden gelöscht.
Es ist halt so, dass nicht alle Österreicher für den Anschluß waren und sich daher 36% durchaus als Opfer fühlen könnten.

Harbachoed K.
00
Komisch werdens manche finden, ich

muss aber sagen, einerseits hasse ich das unreflektierte gerede über die kanzler der ersten republik.
und: mich erschüttert das ende eines armen knechtes aus dem salzkammergut, der widerstandskämpfer (gegen schuschniggs regierung) unterstützte, gefangen wurde, verurteilt, und auf dem weg zur hinrichtung von der fertigstellung seiner langersehnten und lange angesparten ledehose erfuhr… jetzt wärs endlich fertig gewesen...
können sich die wenigsten leute vorstellen, mich rührts.


Hafner
12
Es gibt in Österreich ...

... eine Meng Rennerplätze und -straßen.
Nachdem sich Renner (im Gegensatz zu den bürgerlichen Politikern) ausdrücklich für den Einmarsch ausgesprochen hat, wäre es hilfreich, wenn die Sozialisten einmal beginnen würden, diese Straßen umzubenennen (z.B. könnten sie den Namen des ersten Mordopfers des Nationalsozialismus in Österreich dafür verwenden).

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23
der faschist dollfuss war mitnichten das erste mordopfer...

...und seinen namen moecht' ich bitte ueberhaupt nirgends oeffentlich sehen.

mfg, ein schwarzer.

Am dam des,
00

sondern? wer war das erste opfer? renner?

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00
meine guete, san sie ein hervorragender ignorant

...um des amal freundlich auszudruecken.

googlen s' doch amal nach "ns-morde erste republik" oder aehnliches.

oder schauen s' amal fuer den anfang unter den namen "bettauer" oder "rothstock" nach. und das nur fuer den anfang.

und des war schon 1925!

Bauer Stefan
00

und was macht den unterschied?

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00
wer war erster, zweiter, dritter, vierter,...

...oder nicht erster oder nicht letzter? was macht den unterschied in einer zahlenfolge?

meinen sie das ernst?

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20
weiter unten meinte ich natuerlich,...

...ich waere bedingungslos FUER das abhaengen des dollfußportraets und der kruzifixe in schulen und amtsraeumen.

mfg, ein schwarzer erzrepublikaner.

Faun
10

sollen sich mit der "harten Hand" selbst aufs Hirn hauen

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00
WOHIN, bitte?...

...z'erscht amal HABEN!

Kremser
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tja, dein problem!

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wieso? ich bin ja kein unterbelichteter braunwaehler...

Reisinger Michael
13
30.6.2010, 22:31
Unter „Opfer gegen Nationalsozialismus“ oder so gefunden:

„Die Männer und Frauen, die damals aktiv Widerstand leisteten, immer mit der Hoffnung auf Ende des Krieges schienen damals einer Utopie nachzujagen, sie wurden von ihren Landsleuten teilweise belächelt, teilweise verachtet und oft sogar verraten.
Doch diese Utopie bildet heute eines der wesentlichen Fundamente für das Österreich, in dem wir heute mehr oder weniger friedlich leben und es ist daher eine wichtige Aufgabe der Geschichte sowohl dem Ausland aber auch den Österreichern selbst den österreischen Widerstand in all seinen Facetten darzustellen, ihn aber weder zu hoch zu preisen, noch überhaupt zu verschweigen.“

Prof. Alois
 
00
Ihr Wort in Gottes Ohr

Bist im heutigen Österreich einfach nur aufrichtig und grad gestrickt, bist bei den allermeisten a schena Trottl. Einen beruflichen Nachteil in Kauf nehmen, weil man seine politische Meinung sagt, ruft hier nach wie vor verständnisloses Kopfschütteln hervor.

Außer man flüchtet sich in das politisch korrekte. Das geht. Außerhalb dessen ist umso mehr Mut erforderlich.

Merkt man auch in diesem Forum ganz deutlich.

justgimmeablackmask
10
30.6.2010, 20:20

(2/2) das vermag man nicht. und wenn sie einem vorgehalten wird, explodiert man mit ungeahnter heftigkeit, sieht im gegenüber schon den "eigentlichen staatsfeind" und sich slebst als eben die "mitte".

österreich, quo vadis?

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00
net boes sein, aber nehmen s' ihnen doch einmal selber bei der nas'n:...

...
zit.: 'sieht im gegenüber schon den "eigentlichen staatsfeind" und sich slebst als eben die "mitte".
'

zwergleviathan
00
naja, wenns nach dir geht

in die Anarchie;

schrei weiter nach einer schwarzen Maske, damit du auf den von dir frequentierten Demos niemals für dein Handeln zur Rechenschaft gezogen werden mögest

denn wenn das deine Utopie ist, dann tust mir besonders leid

Vigilantismus und projizierter Selbsthass sind deine Ausdrucksformen, fliegende Steine wohl deine Medien...

so wenig man wirklich rechtsextreme dulden darf, so wenig weit darf man linksextreme dulden, die vermeinen aufgrund ihrer "linken" Einstellung den Freibrief zur demokratiefeindlichen Agitation gegen Andersdenkende zu besitzen...

ExtremistInnen sind IdiotInnen

egal was sie zu wissen glauben

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