Pro: Es gibt ihn längst

28. Juni 2010, 18:27
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Wembley 1966, Bloemfontein 2010 - zwei Entscheidungen, kein Vergleich. Denn während das gegebene Wembley-Tor klarerweise eine Fehlentscheidung war, weil kein Unparteiischer den Ball hinter der Linie gesehen haben konnte, so war das Bloemfontein-Tor klarerweise keine Fehlentscheidung, weil kein Unparteiischer den Ball hinter der Linie sah.

Ungerecht. Aber so sieht es aus. Wobei das Wembley-Tor seinen Charme daher bezieht, dass niemand sagen kann, wo der Ball war. Wohingegen bei Bloemfontein die Sache völlig klar ist, weil es ihn ja längst gibt, den Videobeweis. Jeder Mensch auf der Welt sieht jede strittige Szene zigmal in Zeitlupe, nur ein Trio sieht gar nichts. Die Referees werden absichtlich dumm gehalten. Dabei wäre es spannend, strittige Tore per Video zu beurteilen. Der menschliche Faktor bleibt groß genug, gegen einen Abseitspfiff zu Unrecht lässt sich gar nichts mehr tun.

Die Fifa argumentiert, der Fußball solle von der Bezirksliga bis zur Champions League oder WM-Endrunde gleich geregelt werden. Sie tut so, als würden auch in der Bezirksliga Millionen Menschen zusehen und Millionen Euro auf dem Spiel stehen. Tatsachenentscheidung heißt es, wenn ein Schiedsrichter falsch pfeift. Tatsache ist: Die Fifa setzt sich dem Vorwurf aus, das Spiel zu beschädigen, wenn sie just den drei wichtigsten Zusehern nicht die Möglichkeit gibt, wirklich unparteiisch zu sein. (Fritz Neumann, DERSTANDARD, Printausgabe, Dienstag, 29. Juni 2010)

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