Die zwei Affen im Mann

28. Juni 2010, 22:00
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Forscher finden Unterschiede in der Hormonausschüttung von Schimpansen und Bonobos

Washington - Ist er ein Bonobo oder doch ein Schimpanse? Das könnten in Zukunft zwei neue Kategorien werden, mit denen Frauen (und Männer) Männer beurteilen. Und alles wieder einmal auf Basis der Hormone.

US-Anthropologen der Universitäten Duke und Harvard haben nämlich herausgefunden, dass es zwischen den "richtigen" Schimpansen und den Bonobos (bzw. Zwergschimpansen) vor Konfliktsituationen signifikante Unterschiede gibt: Bei Schimpansen-Männchen steigt vor Auseinandersetzungen um Futter der Testosteronspiegel und damit auch die Aggressionsbereitschaft an.

Bei Bonobo-Männchen hingegen kommt vor solchen Situationen das Stresshormon Cortisol zu Ausschüttung, das mit eher passiven Formen der Konfliktbewältigung in Zusammenhang steht. Das entspricht auch den Bonobo-Gesellschaften, die stets von Weibchen angeführt werden und in denen es - im Vergleich zu den männlich dominierten und eben auch aggressiveren Schimpansenkulturen - flexiblere Formen des Futter-Teilens gibt.

Das ist aber nur die erste Hälfte der Studie, die heute in der US-Wissenschaftszeitschrift PNAS veröffentlich wird. Das Erstaunliche ist nämlich, dass es auch bei den männlichen Vertretern von Homo sapiens diese beiden Ausprägungen der Hormonausschüttung gibt. Während es im Durchschnittsmann bei bevorstehenden Auseinandersetzungen zu einem Anstieg von Cortisol im Blut kommt, schütten machtbewusste Männer - wie eben Schimpansen - vermehrt Testosteron aus. (Klaus Taschwer/DER STANDARD, Printausgabe, 29. 6. 2010)

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    Bei Bonobo-Männchen, die weniger aggressiv sind als Schimpansen, steigt vor Konflikten der Cortisolspiegel.

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