Kein Platz für Schmähführerinnen

28. Juni 2010, 18:00
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    foto: ap photo/hermann j. knippertz

    Zumindest in Deutschland wohletabliert: Die Komikerin Ilka Bessin als pastellfarbene Perle "Cindy aus Marzahn"

Warum Frauen als "schmähstad" gelten, welche Frauen dieses Klischee in der Öffentlichkeit erfolgreich durchbrechen und wie ihre männlichen Konkurrenten darüber denken

Humor ist Männersache? In Österreich ja. Von dieser Beobachtung ausgehend beschäftigt sich die Kommunikationswissenschafterin Bettina Figl in ihrer Magisterarbeit "Von Schmähführern und Schmähführerinnen" mit der Frage, warum bis auf wenige Ausnahmen Männer die Komik in der Öffentlichkeit in Beschlag genommen haben und weshalb ihnen Frauen allem Anschein nach weitgehend das Feld überlassen. Denn gleichgültig ob im Bereich Comedy, Kabarett oder im Printjournalismus - wenn Humor drauf steht, ist meist Mann drin. So geben bei heimischen TV-Formaten wie "Wir sind Kaiser", "Dorfers Donnerstalk" oder "Willkommen Österreich" Männerrunden den Ton an und führen Schmäh unter Kollegen, aber nicht unter Kolleginnen. Bei "Wir sind Kaiser" ist die einzige ständige Protagonistin eine gewisse Frau Augenweide, die, nomen est omen, sicher nicht wegen ihres Intellekts vom Patriarchen geschätzt wird. Lediglich in "Was gibt es Neues" findet sich wöchentlich eine Frau in der illustren Runde und frau fragt sich: Warum haben hier nicht mehr Kabarettistinnen Platz?

Weiblicher und männlicher Humor

Wer sich schon immer einmal gefragt hat, welche der komischen Größen in hiesigen Medien von Relevanz sind, findet eine sehr vollständige, namentlich Erhebung in der genannten Arbeit. Denn diese diente als Basis für die Auswahl von acht KolumnistInnen, KarikaturistInnen und FernsehkabarettistInnen, welche die Autorin mittels ExpertInneninterviews befragte. Einer Meinung sind sich die Profis dahingehend, dass sich weiblicher und männlicher Humor unterscheidet. Frauen dürfen - gesellschaftlich betrachtet - nur ein kleineres Schmäh-Spektrum benützen als Männer. Damit haben sie sprachlich weniger Möglichkeiten, sich humoristisch zu äußern. Viele Schienen, derer sich Männer im Humor bedienen können, passen nicht zum herkömmlichen Bild einer Mittelschichtfrau. Derb-sarkastisches zum Beispiel ist für Frauen Tabu, wird von Männern aber gerne produziert und vom Publikum mitunter gerne gesehen.

Eine gewisse Begründung für diesen Umstand ergibt sich aus dem Blick in die Geschichte: Für Frauen war es lange Zeit nicht schicklich, sich zu amüsieren. Daher ist schon alleine ihr Auftreten im humoristischen Kontext ein kleiner Tabubruch. Im Gegensatz dazu gilt der männliche Humor als Regelfall. Am Anfang steht daher für Frauen der Bruch mit dem Klischee und erst dann können sie ihren Humor vermitteln und unter die Leute bringen.

Macht und Humor

Humor hat in seiner Gruppenfunktion betrachtet eine machtträchtige Funktion. Denn Scherzen besänftigt nicht nur die zwischenmenschliche Interaktion, Gruppen grenzen sich durch Humor auch von anderen, nicht zugehörigen Personen ab. Die Gruppe muss damit auch die Scherzenden kennen, denn Voraussetzung ist eine nachhaltige Beziehung zwischen Publikum und SchmähführerInnen - denn erst jetzt kommt diesen das Recht zu, Witze zu reißen und damit auch Dinge infrage zustellen.

Mit Blick auf die öffentliche Kommunikation ist dies insofern relevant, als auch hier keineswegs Unbekannte humoristische Texte schreiben. Im Gegenteil, oft sind es die ChefredakteurInnen oder zumindest in der redaktionellen Hierarchie weit oben angesiedelte Personen, die humoristisch zum Zeitgeschehen Stellung nehmen. Nur wem die Macht zu kommt, etwas zu sagen zu haben, der darf sich auch das Recht heraus nehmen, sich humoristisch zu äußern. Sieht man sich nun die Anzahl der Frauen in Österreich in diesen Positionen an, wird schnell klar, warum der Humor meist aus männlicher Feder stammt: Frauen sind in den Medien in Spitzenpositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Damit kommen sie auch nicht zum Zug, wenn es darum geht, ihren Humor unter Beweis zu stellen.

Ähnlich scheint es in der Kabarett- und Comedywelt zu sein, denn nur die Bekanntesten dürfen in TV-Shows auftreten, und das sind vorwiegend Männer. Auch in diesem Bereich der Gesellschaft, der sich gerne den Touch des Links-Liberalen gibt, funktionieren offenbar die Ausschlussmechanismen wie männliche Konkurrenzkultur und Seilschaften. Dass die Frauen dennoch im Kommen sind, beweisen unter anderem die hier befragten Humoristinnen durch ihre bisherigen Karrieren.

Die Magisterarbeit "Von Schmähführern und Schmähführerinnen. Eine qualitative Befragung österreichischer KarikaturistInnen, KolumnistInnen und FernsehkabarettistInnen" von Bettina Figl ist auf textfeld.ac.at im Volltext nachzulesen.


Die Autorin

Bettina Figl (geb. 1983, Mag.a phil. und Mag.a (FH)) studierte von 2002 bis 2006 an der Fachhochschule Eisenstadt Informations- und Wissensmanagement und absolvierte anschließend von 2006 bis 2009 das Masterstudium Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien. Seit 2006 ist sie als freie Journalistin unter anderem für die Niederösterreichischen Nachrichten tätig.

Die Rezensentin

Pia Moik (geb. 1978, Mag.a phil.) studierte von 2003 bis 2008 Publizistik- und Kommunikationswissenschaft an der Universität Wien und ist freie Journalistin und Trainerin für Erwachsenenbildung in Wien.

 

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Posting 1 bis 25 von 290
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unfrieden
00
15.12.2010, 09:59
Passend zum Thema:

Warum habe ich das Gefühl, dass auf derStandard, sonstigen Online-Zeitungen oder Blogs hauptsächlich Männer (lesen und) kommentieren?

Wo hingegen in Justin-Bieber- oder Semino-Rossi-Foren dieses Verhältnis höchst wahrscheinlich umgedreht ist. (Was beweist, dass Frauen im Internet sehr wohl vorhanden sind.)

overview
12
sorry,

aber jedes mal wenn ich beim durchzappen die cindy sehe wirds mir regelmäßig schlecht

AlBundyFan
 
010
übrigens finde ich die meisten deutschen comedians überhaupt nicht lustig

da ist es egal ob M oder W.

wer meint, daß seine aussagen nur wegen der Stimme(da gibts einen der redet wie donald duck), seiner langsamkeit oder seinem lustigen aussehen wirklich lustig sind, ist es nicht - leider werden diese leute vom deutschen publikum(welches anscheinend noch dümmer ist als der draussen stehende)mit lachanfällen und beifallsgeklatsche belohnt.

da werden ganz normalle sätze wie "es hat an der tür geläutet und ich habe sie geöffnet" für das witzige der welt gehalten, nur weil man sie mit einer fistelstimme sagt.
traurig einfach.

Nörgler
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musikantenstadl

es geht mir mit den deutschen comedians wie mit dem seligen musikantenstadl: ich versuche gelegentlich herauszufinden worin sich die popularität begründet. Ist mir aber nicht gelungen weil ich regelmäßig nach max. 2 minuten übergeben muss. und das hat nichts mit m/w zu tun. cindy aus sowieso und lustig? genausowenig wie mario barth!

AlBundyFan
 
01
warum wird cindy aus marzahn hier gezeigt wenn es um weibliche kaberettistinnen geht?

richtige weibliche kabarettistinnen: Mirja Boess oder Monika Gruber

Daniil Charms
 
25

Mensch, das ist ja sowas von dumm... "Frauen sind in Spitzenpositionen unterrepräsentiert, deswegen kommen sie auch weniger dazu, ihren Humor unter Beweis zu stellen." Lupenreines Nonsequitur; da darf natürlich nicht fehlen: der Hinweis auf die bösen Männerseilschaften, die komischerweise ihrerseits feministisch eingestellte Männer wie Hader, Dorfer, Maurer, etc nach oben spülen - ja, klar, alles eine frauenfeindliche Verschwörung...

kopfsalat
24
"er soll mich zum lachen bringen"

ist meist ganz oben auf der wunschliste wenn es um fraus traummann geht. entsprechend gibt es auch wesentlich mehr lustige maenner als frauen. sie sind es nicht weil sie es nicht brauchen.

schon mal frauen unter frauen am stammtisch sich gegenseitig witze erzaehlen gehoert? wie meistens zeichnet sich auch dieser feministisch inspirierte artikel durch voelliges ignorieren der menschlichen realitaet in bezug auf soziale interaktion/paarungsverhalten aus.

4simo
00
wenn ich lachen will

geh ich ins kabarett

kopfsalat
00
klingt traurig

4simo
00
*taschentuchreich*

Cereal Killer
00
ich

in den keller

4simo
00
ich auch

aebr nur in dem vom kabaret

Derfdeswoarsein
 
01
Nachtrag zu meinem Posting:

eine kenne ich schon, nur weiss ich ihren Namen nicht, aber sie ist regelmaessig bei Otti's Schlachthof, eine Bajuwarin.

füllhornkäfer
02
Monika Gruber?

Die finde ich gut. Intelligent, schlagfertig und wirklich witzig.

Bono Nobo
06

Kommen zwei Frauen beim Frisör...

Priscillah
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ellen...

...degeneres.

John Steed
00
ja hallo

wie gesagt die Anforderung war LUSTIG !! ;-)

a grünes stricherl
 
04
die abgebildete frau hat ihn übrigens nicht ..

den humor.

Mathias
 
10
10.7.2010, 22:39
die abgebildete frau hat ihn übrigens nicht ..

... kein Wunder... außerhalb von Berlin versteht auch niemand diesen Humor ;-)

Nick Tameer
00

Humor würde ich ihr nicht einmal absprechen, nur ist sie eben nicht besonders witzig.

Proconsul
04
Frauenquote für Komiker

einführen! Jezt!

Freiherr von Ehrenfels
00
29.9.2010, 21:15

Wem?

Der lustige aus dem zweiten Stock
 
13
Frau

Das ist eine Frau aber nicht wirklich oder ??

Meister Yoda
00
24.7.2010, 17:17

Der weibliche Obelix halt.

denkpanzer
12
Ich sag nur: Angelika Niedetzky

Ansonsten sind mir keine wirklich witzigen Frauen bekannt, was eigentlich schade ist, denn dass dies kein Widerspruch sein muss, beweist Frau Niedetzky ja einwandfrei.

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