Vatikan will Immobilienverwaltung unter "professionelle Führung" stellen

28. Juni 2010, 16:42
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Reaktion auf Korruptionsskandal - Kardinal Sepe im Zentrum der Ermittlungen

Rom - Der Vatikan hat am Montag in einer Presseaussendung angekündigt, dass die vatikanische Evangelisierungskongregation "Propaganda Fide", die einen Großteil der vatikanischen Immobilien verwaltet, bald unter "professionelle Führung" gestellt werden soll, die den "fortgeschrittensten Standards" entsprechen werde. Damit wolle man die "Bewertungsfehler" der Vergangenheit vermeiden.

Der Beschluss wurde gefasst, nachdem der Ex-Präfekt der Kongregation, der heutige Erzbischof von Neapel Kardinal Crescenzio Sepe, in einen ausgedehnten Korruptionsskandal geraten ist. Die Vorwürfe gegen den Kardinal beziehen sich auf die Zeit zwischen 2001 und 2006, in der er Präfekt der päpstlichen Kongregation "Propaganda Fide" war.

Kardinal mit "ruhigem Gewissen"

Nach den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von Perugia soll Sepe eine Immobilie im Vatikan zu Vorzugsbedingungen an Italiens Zivilschutz-Chef Guido Bertolaso vermietet haben. Sowohl gegen Bertolaso als auch gegen den ehemaligen Verkehrsminister Pietro Lunardi laufen ebenfalls Korruptionsermittlungen. Die Ermittlungen beziehen sich auf ein weit verzweigtes Netz öffentlicher Bauaufträge, bei denen Schmiergelder gezahlt worden sein sollen.

Sepe erklärte sich bereit, mit den Justizbehörden zusammenzuarbeiten. Er habe ein ruhiges Gewissen. "Die Bilanzen, die ich dem vatikanischen Staatssekretariat unterbreitet habe, sind stets genehmigt worden. Ich habe immer nach meinem Gewissen gehandelt. Mein Ziel war immer das Wohl der Kirche", versicherte er.

Dem Kardinal wird auch vorgeworfen, Immobilien aus dem Besitz der Kongregation weit unter ihrem Marktwert verkauft und von den Käufern Gegenleistungen erhalten zu haben. Vatikansprecher Federico Lombardi hatte seine Solidarität mit Sepe bekundet. (APA)

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    Crescenzio Sepe, Kardinal

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