Reaktion auf Korruptionsskandal - Kardinal Sepe im Zentrum der Ermittlungen
Rom - Der Vatikan hat am Montag in einer Presseaussendung
angekündigt, dass die vatikanische Evangelisierungskongregation
"Propaganda Fide", die einen Großteil der vatikanischen Immobilien
verwaltet, bald unter "professionelle Führung" gestellt werden soll,
die den "fortgeschrittensten Standards" entsprechen werde. Damit
wolle man die "Bewertungsfehler" der Vergangenheit vermeiden.
Der Beschluss wurde gefasst, nachdem der Ex-Präfekt der
Kongregation, der heutige Erzbischof von Neapel Kardinal Crescenzio
Sepe, in einen ausgedehnten Korruptionsskandal geraten ist. Die
Vorwürfe gegen den Kardinal beziehen sich auf die Zeit zwischen 2001
und 2006, in der er Präfekt der päpstlichen Kongregation "Propaganda
Fide" war.
Kardinal mit "ruhigem Gewissen"
Nach den bisherigen Ermittlungen der Staatsanwaltschaft von
Perugia soll Sepe eine Immobilie im Vatikan zu Vorzugsbedingungen an
Italiens Zivilschutz-Chef Guido Bertolaso vermietet haben. Sowohl
gegen Bertolaso als auch gegen den ehemaligen Verkehrsminister Pietro
Lunardi laufen ebenfalls Korruptionsermittlungen. Die Ermittlungen
beziehen sich auf ein weit verzweigtes Netz öffentlicher Bauaufträge,
bei denen Schmiergelder gezahlt worden sein sollen.
Sepe erklärte sich bereit, mit den Justizbehörden
zusammenzuarbeiten. Er habe ein ruhiges Gewissen. "Die Bilanzen, die
ich dem vatikanischen Staatssekretariat unterbreitet habe, sind stets
genehmigt worden. Ich habe immer nach meinem Gewissen gehandelt. Mein
Ziel war immer das Wohl der Kirche", versicherte er.
Dem Kardinal wird auch vorgeworfen, Immobilien aus dem Besitz
der
Kongregation weit unter ihrem Marktwert verkauft und von den Käufern
Gegenleistungen erhalten zu haben. Vatikansprecher Federico Lombardi
hatte seine Solidarität mit Sepe bekundet. (APA)