"Caravaggio-Gemälde" war bloß Kopie

30. Juni 2010, 14:18
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Nach dem Diebstahl in der Ukraine 2008 wurde "Die Festnahme Christi" vorige Woche in Berlin gefunden

Berlin/Dublin - Bei dem im Jahr 2008 aus der Ukraine geraubten und am Freitag in Berlin sichergestellten Gemälde "Die Festnahme Christi" ("Der Judaskuss") handelt es sich um kein Original von Caravaggio, sonderum um eine Kopie durch einen Zeitgenossen, präzisierte eine Sprecherin der National Gallery of Ireland, aus der das Gemälde ursprünglich stammte.

Der Kurator für italienische und spanische Malerei im 16. bis 18. Jahrhundert an der Berliner Gemäldegalerie, der Caravaggio-Experte Roberto Contini, sagte dem "Tagesspiegel" vom Mittwoch: "Das in Odessa gestohlene Bild ist eine ganz gute Nachahmung." Die Sprecherin der Dubliner Galerie: "Fälschung wäre natürlich der falsche Begriff, damals gehörte es ja zur Ausbildung und weiteren Vervollkommnung der Maler, Bilder anderer Meister zu kopieren".

Das 2008 aus dem Museum für westeuropäische und orientalische Kunst in der Hafenstadt Odessa am Schwarzen Meer gestohlene Gemälde war am vergangenen Freitag in Berlin bei der Übergabe an einen neuen Besitzer sichergestellt worden. Zunächst hieß es, das Werk werde Michelangelo Merisi, genannt Caravaggio (1571-1610), zugeschrieben. Nach Angaben der Staatsanwaltschaft in Frankfurt am Main war allerdings bekannt, dass es sich um eine zeitgenössische Kopie handelte. Ob Original oder Kopie sei aber für die Festnahme unerheblich, sagte die Oberstaatsanwältin am Mittwoch. Denn das beschlagnahmte sei das gesuchte Gemälde gewesen.

Die Tatverdächtigen gingen den Ermittlern bei einer länderübergreifenden Operation unter der Federführung der Frankfurter Staatsanwaltschaft ins Netz. In der Ukraine seien 20 weitere mutmaßliche Mitglieder der Bande, die auf den Diebstahl von Kunstwerken aus Museen spezialisiert sei, gefasst worden. (APA)

 

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    Etwas zerknittert: der wiedergefundene "Judaskuss"

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