Spanien vor Portugal gewarnt

28. Juni 2010, 15:05
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Queiroz-Elf mit großer Portion Selbstvertrauen gegen Europa­meister Spanien - Ronaldo an Gegner: "Macht euch keine Hoffnungen"

Kapstadt - Fußball-Europameister Spanien erwartet im Achtelfinalduell mit Portugal am Dienstag (20.30 Uhr,) in Kapstadt der erste echte Härtetest bei der WM in Südafrika. Nach einer leicht durchwachsenen Gruppenphase, die mit der sensationellen 0:1-Niederlage gegen die Schweiz begann, bekommt es die Del-Bosque-Elf im ersten iberischen Duell der WM-Historie erstmals mit einem Gegner auf Augenhöhe zu tun. Dem Sieger winkt ein Duell mit den Außenseitern Paraguay oder Japan.

Portugal-Coach Carlos Queiroz gab sich selbstbewusst. "Wir sind auf jeden Gegner vorbereitet. Wir hatten in der Qualifikation schon entscheidende Spiele. Jetzt haben wir ein WM-Spiel vor uns, bei dem der Sieger alles bekommt und der Verlierer nichts. Deshalb sind wir bereit, auf dem Spielfeld alles zu geben. Das beste Portugal werden wir erst noch sehen", sagte der 57-Jährige, der den Gegnern in der "Hammer-Gruppe" G mit Brasilien, der Elfenbeinküste und Nordkorea nicht zuletzt mit einer unüberwindbaren Defensive das Fürchten gelehrt hatte.

Vicente del Bosque: "Solide Mannschaft, nicht nur gute Einzelspieler"

Das erkennt auch Spaniens Trainer Vicente del Bosque an: "Diese Tatsache macht deutlich, dass wir es hier mit einer soliden Mannschaft zu tun haben, nicht nur mit guten Einzelspielern", sagte der Kontrahent von Queiroz. "Ich denke, dass dieses Spiel sehr schwer werden wird, genauso wie die anderen Partien bis zum Finale des Wettbewerbs. Jetzt sind nur noch die besten Mannschaften dabei." Die Statistik spricht klar für die Spanier, die in 32 Begegnungen mit ihren Nachbarn 15 Siege feierten und nur 5 Niederlagen hinnehmen mussten.

Beide Teams könnten fast in Bestbesetzung antreten. Xabi Alonso und Raul Albiol sind die einzigen Verletzten aufseiten der Spanier, während im Team von Carlos Queiroz alle Spieler zur Verfügung stehen. Da wie dort hoffen die Fans auf die ersehnte Leistungsexplosion zweier Superstars: Portugals Cristiano Ronaldo ist noch ebenso wenig in Topform, wie Spanien-Stürmer Fernando Torres, der bisher enttäuschte.

Hoffen auf Torres

"Es ist nicht leicht, nach einer Verletzung zurückzukommen", sagte Torres, der nach einer Meniskusblessur samt Operation erst kurz vor der WM voll ins Training eingestiegen war. "Ich bin noch nicht ganz dort, wo ich hin will, aber ich bin schon nahe", so der Blondschopf, der bisher von seinem Sturm-Kollegen David Villa und dessen drei Treffern klar in den Schatten gestellt wurde. Doch del Bosque stärkte Torres den Rücken. "Er hat sich gut entwickelt und ist besser. Er hat vielleicht nicht getroffen, aber er hilft uns, indem er eine große Gefahr für die gegnerische Verteidigung ist", erklärte del Bosque.

Beim Gegner ist Ronaldo etwas in die Kritik geraten, wurde dem Glamour-Boy vor allem mangelnde Mannschaftsdienlichkeit zur Last gelegt. "Wir haben ja nicht gegen Amateure gespielt" und "ich stand vorne oft zu allein" lauteten die Entschuldigungen des angeprangerten Stars. "Ronaldo bleibt vorerst lediglich ein medienwirksamer Verkäufer von Träumen", kommentierte Medienexperte Paulo Querido in einer Kolumne des Massenblattes "Correio da Manha".

Viele Portugiesen werfen Ronaldo nicht nur Arroganz und Starallüren, sondern auch mangelhaften Einsatz im Trikot des WM-Vierten von 2006 vor. Der teuerste Kicker der Welt mache sich mehr Sorgen um seine Frisur als um Portugal, schreiben die Zeitungen regelmäßig. In Ronaldos Kopf lebe ein "Riesen-Ego", hieß es. Der Offensiv-Spieler lässt das wohl eher kalt: "Macht Euch keine Hoffnungen", schrieb er seinem spanischen Teamkameraden bei Real Madrid, Sergio Ramos, mittels sm.

Das Spiel könnte auch als Duell der beiden Trainer gesehen werden, das durch die jüngere Vergangenheit der beiden besondere Brisanz erhält. Del Bosque war jener Mann, der 2003 bei Real Madrid durch Queiroz ersetzt wurde - und das, obwohl er in dreieinhalb Jahren zweimal die Champions League und zwei spanische Meistertitel erobert hatte. (APA/Reuters/dpa)

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    Spanien-Coach Vicente del Bosque weiß, wo es langgeht.

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