Entstehen einer sauerstoffarmen Todeszone möglich

28. Juni 2010, 17:58
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Tiefere Wasserschichten zeigen erhöhte Werte von Erdgas - dessen Abbau durch Bakterien könnte drastische Folgen haben

Wien - "Todeszonen" hat sich als Begriff für sauerstoffarme Meeresregionen eingebürgert, in denen es zu massivem Tiersterben kommen kann. Oft sind Algenblüten die Auslöser: Durch ins Meer gespülte Rückstände aus der Landwirtschaft werden Algen zu vermehrtem Wachstum angeregt - wenn diese absterben und von Bakterien zersetzt werden, kann der Sauerstoffgehalt im Wasser auf gefährliche Werte absinken.

Einen ähnlichen Effekt könnte die gegenwärtige Ölpest im Golf von Mexiko nach sich ziehen. Der aus Österreich stammende Meeresbiologe Rainer Amon von der Texas A&M Universität in Galveston hat eine Expedition im betroffenen Gebiet durchgeführt und sich dabei besonders den entstandenen Schäden unter der Meeresoberfläche gewidmet. In einer Tiefe von rund 1.100 Metern hat das Forscherteam erhöhte Werte von Erdgas gefunden. Wie viel Rohöl ebenfalls in dieser Schicht liege, sei noch fraglich, so Amon.

Sauerstoffmangel

Die unmittelbare Gefahr dieses Öl/Gas-Gemisches sieht der Wissenschafter in seiner Auswirkung auf den Sauerstoffhaushalt. Erdgase - wie Propan, Methan oder Ethan - werden im Wasser früher oder später von Bakterien abgebaut. Allerdings verbraucht dieser Abbau Sauerstoff. "Die Konzentrationen von gelösten Erdgaskomponenten sind so hoch, dass sie den vorhandenen Sauerstoff in dieser Schicht mehrmals aufbrauchen könnten", so Amon über die Messergebnisse. 

Der Meeresboden wird dort von der Katastrophe betroffen, wo entweder Öl selbst oder die sauerstoffarme Schicht mit dem Boden in Berührung kommt. Jene Schicht, welche mit Erdgaskomponenten angereichert ist, umfasst laut den Messungen etwa 80 Meter. Wird sie gegen den Kontinentalhang gedrückt, könnte ein sauerstoffarmes Band von mehreren 100 Metern Breite entlang der generellen Strömungsrichtung - also von Ost nach West - entstehen.

Amon setzte für die Messungen einen optischen Sensor ein, wie er auch schon in der Arktis angewendet wurde. Dabei wird ein Lichtimpuls mit verschiedenen Wellenlängen ausgesandt. Organische Substanzen im Wasser - wie etwa Erdgase - werden angeregt und geben eine Fluoreszenzreaktion ab. Ein Sensor fängt diese Reaktion ein kann so anhand eines typischen optischen Fingerabdrucks auf die Zusammensetzung schließen. Letztendlich hoffen die Forscher, dass damit die Ölkomponente im Wasser charakterisiert werden kann. (APA/red)

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