Ölpest kostet BP jetzt 100 Millionen Dollar pro Tag

28. Juni 2010, 15:20
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Zehn Tote in Zentralamerika - Gefahr für Ölpest-Region im Golf von Mexiko noch nicht gebannt

London - Die Beseitigung der Ölpest im Golf von Mexiko droht sich für BP zum Fass ohne Boden zu entwickeln: Die Kosten beliefen sich nach Angaben des britischen Ölkonzerns vom Montag erstmals auf 100 Millionen Dollar pro Tag. Zudem wurden nun auch an den Urlauberstränden im US-Bundesstaat Mississippi erste Ölklumpen angespült.

Und die schlechten Nachrichten reißen nicht ab: Der erste Sturm der diesjährigen Hurrikan-Saison wird Meteorologen zufolge wahrscheinlich zwar nicht direkt über die Unglücksstelle hinwegziehen, könnte aber durch hohe Wellen und starke Winde die Rettungsarbeiten stark einschränken. Vorstandschef Tony Hayward wollte derweil bei einem Besuch in Moskau Sorgen über die Folgen der Öl-Katastrophe zerstreuen.

BP teilte mit, die Kosten hätten sich in den vergangenen drei Tagen auf 300 Mio. Dollar (244 Mio. Euro) belaufen. Damit sei erstmals die Schwelle von 100 Mio. Dollar pro Tag erreicht worden. Insgesamt musste BP bisher demnach für die Versuche zur Schließung des Lecks, die Beseitigung von Umweltschäden und Entschädigungszahlungen 2,65 Mrd. Dollar aufbringen.

Erste Ölklumpen an der Küste Mississipis

Sollte nun auch die Küste Mississippis in Mitleidenschaft gezogen werden, werden die Kosten wohl weiter nach oben schnellen. Erste Öl-Klumpen wurden unter anderem im Urlauberort Ocean Springs nahe der Stadt Biloxi entdeckt. Nach Angaben der Küstenwache dürfte dies erst der Anfang gewesen sein. Die Bewohner der Region warteten verzweifelt auf die von BP angeheuerten Aufräum-Mannschaften. "Das Leben, wie ich es kenne, ist vorbei", sagte der in Ocean Springs lebende Matt Hollings, der weinte, als er auf die schwarzen Flecken auf dem Sandstrand blickte. "Was machen wir nur, wenn niemanden etwas daran liegt, schnell genug zu handeln?" Mississippi blieb im Gegensatz zu den Sumpfgebieten in Louisiana sowie Gebieten in Alabama und Florida bisher weitgehend vom Öl verschont. Lediglich an einigen vorgelagerten Inseln wurden Öl-Klumpen angeschwemmt.

BP-Chef Hayward wollte sich in der russischen Hauptstadt mit dem Energie-Beauftragten Igor Setschin treffen. Offenbar will er der Regierung in Moskau Sorgen über die Folgen der Ölpest nehmen. Setschin zufolge steht aber noch ein weiterer Punkt auf der Gesprächsordnung: "Wir wissen, dass Tony Hayward seinen Posten verlassen wird und er wird seinen Nachfolger vorstellen", sagte der stellvertretende Ministerpräsident vor Reportern vor Beginn des Treffens. Das Dementi von BP folgte auf dem Fuß: Es sei kein Wechsel im Gespräch, sagte ein Firmensprecher. Ein Viertel des gesamten von BP geförderten Öls kommt aus Russland. Das Land forderte vergangene Woche Klarheit darüber, welche Folgen das Desaster für die BP-Geschäfte in Russland haben wird.

Eine offene Frage ist der Tropensturm "Alex", der zuletzt an Kraft gewann. Nach Ansicht von Meteorologen Könnte er sich in den kommenden 48 Stunden zu einem Hurrikan entwickeln. Auf Land treffen könnte er am Mittwoch zwischen dem Ort Brownsville in Texas und dem mexikanischen Tuxpan de Rodriguez Cano. Damit würde er nicht über das defekte Bohrloch der Mitte April explodierten Plattform "Deepwater Horizon" hinwegziehen. Ausläufer und eine aufgewühlte See drohen aber, die Absaugarbeiten lahmzulegen. (APA)

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