Bilder vom Gehirn bringen neue Erkenntnisse

28. Juni 2010, 13:13
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Funktionelle MRI oder Diffusions-Tensor-Imaging erlauben den direkten Blick ins menschliche Gehirn - Sie beobachten Veränderung der Zellen bis hin zu Prozessen, die Menschen beim Handeln, Denken und Fühlen aktivieren

Berlin - „Innovative bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanz oder die Diffusions-Tensor-Bildgebung nehmen heute einen wichtigen Platz in der modernen Neurologie ein. Mit ihrer Hilfe können wir Erkrankungen wie Multiple Sklerose, Demenz, Amyotrophe Lateralsklerose (ALS, eine degenerative Krankheit des motorischen Nervensystems, Anm.) oder Alzheimer besser verstehen", so Massimo Filippi (Mailand), Mitglied des Komitees des Jahreskongresses der Europäischen Neurologen-Gesellschaft (ENS).

Zu den in der Neurologie bewährten bildgebenden Verfahren, auch Neuro-Imaging genannt, zählen Technologien wie die funktionelle Magnet-Resonanz (fMRI), die Diffusions-Tensor-Bildgebung (Erweiterung der MRT) oder eine Voxel-basierte Morphometrie (VBM). Diese Technologien liefern präzise Bilder von der Struktur des Gehirnes und erlauben es den Ärzten, die funktionellen Vorgänge im menschlichen Hirn zu beobachten: von der Veränderung der Zelle bis hin zu Prozessen, die Menschen beim Handeln, Denken und Fühlen aktivieren. "Wir müssen lernen das Zentralnervensystem zu verstehen, nur so können wir Erkenntnisse über die Entwicklung der Krankheiten gewinnen und bessere Maßnahmen zur Therapie setzen", erklärte Filippi.

Veränderungen kündigen Krankheitsverlauf an

Neurologen erwarten mit Spannung die Ergebnisse mehrerer Neuro-Imaging-Studien auf der ENS-Tagung: "Besonders in den Gebieten Früherkennung und Diagnostik von Demenz, Multipler Sklerose, Parkinson, ALS und Migräne haben wir interessante Erkenntnisse gewonnen" so der Experte. 

Primär Progressiver Multiple Sklerose besser einschätzen

"Wenn wir wissen, wo im Gehirn ein Schaden entsteht, können wir besser auf Krankheiten reagieren und gezielter intervenieren", erklärt Filippi. Er und sein Forscherteam präsentierten auf dem ENS Kongress eine Studie, die sich mit Primär Progressiver Multiple Sklerose befasst (PPMS). Sie zählt zu den schwierigsten Verläufen bei MS, weil die Krankheit nicht schubweise auftritt, sondern sich der Zustand der Patienten konstant verschlechtert. Mittels Diffusions-Tensor-Bildgebung haben die Forscher die "graue Substanz" im Gehirn von MS-Patienten untersucht. Es zeigte sich, dass das Ausmaß von Gewebe-Schäden im Thalamus ein Prädiktor für die von MS ausgelösten Behinderungen nach fünf Jahren stehen. Ärzte und Ärztinnen können nun die Entwicklung von PPMS um bis zu fünf Jahren besser einschätzen. 

Fatigue

In einer anderen Studie konnten Wissenschafter erstmalig das "Fatigue-Syndrom" diagnostisch einschätzen, eine der häufigsten Nebenwirkungen von MS. Betroffene Patienten leiden an ständiger Erschöpfung und sind dadurch stark in ihrer Lebensqualität eingeschränkt. In einem Verfahren, das sich Voxel-basierte Morphometrie (VBM) nennt, haben Forscher MS-Patienten mit und ohne Fatigue-Syndrom sowie eine gesunde Menschen verglichen. Tatsächlich zeigten sich Unterschiede: MS-Patienten mit Fatigue-Syndrom hatten einen deutlich größeren Gewebeschwund in der grauen Substanz des linken Frontallappens als die Kontrollgruppen. 

Veränderungen im Gehirn von Migräne-Patienten

Doch nicht immer liefern bildgebende Verfahren Hinweise zur besseren Diagnostik, Früherkennung oder verbesserten Krankheitsverlauf, manchmal müssen auch ganze Krankheitsbilder neu überdacht werden. So gehen Wissenschafter nun davon aus, dass Migräne eine progressive Krankheit ist. "Wir haben festgestellt, dass sich die Gehirnsubstanz von Migräne-Patienten mit der Dauer der Krankheit verschlechtert", so Filippi. Grund für diese Annahme ist eine Studie, in der 82 Migräne-Patienten mit unterschiedlicher Krankheits-Ausprägung miteinander verglichen wurden. Das Ergebnis zeigte, dass die graue Substanz je nach Ausprägung und Dauer der Migräne unterschiedlich betroffen ist. (red)

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