Österreicher können sich von NS-Opferrolle nicht trennen

28. Juni 2010, 12:15
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36,5 Prozent in groß angelegter Studie dieser Ansicht - Autoritarismus in Österreich wieder leicht gestiegen

Wien - Die "Opferdoktrin" lebt weiter. 36,5 Prozent sehen Österreich als Opfer des NS-Regimes. Das ergab eine groß angelegte Studie unter der Leitung des Historikers Oliver Rathkolb und des SORA-Chefs Günther Ogris. Darüber hinaus gebe es eine eindeutige Verbindung zwischen autoritärer Einstellung und der Abwehr der Auseinandersetzung mit dem Holocaust und der Verfolgung der Juden, so die Studienautoren am Montag in einer Pressekonferenz.

Autoritäre Einstellungen steigen leicht

Für die Studie mit dem Titel "Autoritarismus in Österreich und Zentraleuropa" wurden je 1.000 Personen in den jeweiligen Ländern befragt, geschehen ist das bereits Ende 2007. Man habe erfahren wollen, "wie sich totalitäre Erfahrungen auf autoritäre bzw. demokratische Einstellungen von Menschen auswirken", so die Studienleiter. Das Fazit für Österreich: Im Zeitvergleich ist der Autoritarismus wieder leicht gestiegen, allerdings gab es bereits in der Zeit zwischen 1978 bis 2004 einen wesentlich stärkeren Rückgang. Allerdings zeigten sich junge Menschen wesentlich weniger autoritär.

Mehr als die Hälfte der Befragten in Österreich vertrat die Meinung, dass ihre Landsleute mitverantwortlich für das Schicksal der Juden zwischen 1938 und 1945 gewesen seien. 45 Prozent waren der Ansicht, Österreicher hätten Nutzen aus der Ermordung der Juden gezogen. Die Opferdoktrin wurde lediglich von 25 Prozent klar zurückgewiesen. Was die politische Gesinnung bei dieser Frage betrifft, waren alle Parteianhänger relativ gleich vertreten, mit Ausnahme der Grünen, die eine deutlich kritischere Position eingenommen haben. "Große Bewunderung" für den austrofaschistischen Bundeskanzler Engelbert Dollfuß hegen noch immer 25 Prozent.

Rund ein Viertel minderheitenfeindlich

Die Studienautoren sehen auch einen Zusammenhang zwischen einem Gefühl der politischen Machtlosigkeit und der Ablehnung von Minderheitenrechten, die in Österreich im Ländervergleich relativ hoch ist. So lehnte jeder fünfte Befragte eigene Vereinigungen und Organisationen ab. 27 Prozent sprachen sich gegen Medien für Minderheiten aus, 36 Prozent gegen Schulunterricht in der eigenen Sprache. Jeder vierte Befragte war auch gegen eine Vertretung der Volksgruppen in politischen Gremien.

Deutlich ausgeprägt sei in Österreich auch die Sympathie für "Law and Order", so Ogris. Knapp 60 Prozent wollen etwa, dass Verbrechen härter bestraft werden, etwas mehr als die Hälfte stimmte der Aussage "Um Recht und Ordnung zu bewahren, sollte man härter gegen Außenseiter und Unruhestifter vorgehen" zu. Trotz dieser Einstellung zeigten sich die Befragten allerdings als Gegner einer Überwachungspolitik. Ein generelles Demonstrations- sowie Streikverbot befürworteten nur jeweils 13 Prozent. Jeder vierte ist für die Online-Durchsuchung von Computern, jeder fünfte für die Überwachung von Telefongesprächen. (APA)

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    Die Österreich-Ausstellung wird derzeit neukonzipiert. Das erste Plakat zeigt welches Geschichtsbild in Österreich der Nachkriegszeit dominierend war - die Opferdoktrin: "11.März 1938: Österreich - Erstes Opfer des Nationalsozialismus"

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