Hollywood hat Angst vor Google und Internet-TVs

28. Juni 2010, 12:11
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Filmpiraterie über Streaming-Portale immer einfacher – Paramount-COO nennt Filmpiraterie organisiertes Verbrechen

Wer sich über das Internet illegal hochgeladene Filme ansehen möchte, muss nicht mehr stundenlang in P2P-Tauschbörsen stöbern. Streaming-Portale, Filehoster und nicht zuletzt Google haben die Verbreitung von urheberrechtlich geschützten Content in den vergangenen Jahren vereinfacht, stellen die Produzenten fest. Trotz steigender Einnahmen dank 3D blicken die Filmstudios nun mit Argwohn auf neue Technologien wie Internet-Fernsehen. Auf der Cinema Expo in Amsterdam hat Frederick Huntsberry, Geschäftsführer von Paramount (COO), heise von den neuen Raubkopier-Entwicklungen erzählt.

Angst vor Internet-Fernsehern

Die meisten Filme würden heute über Filehoster geladen, die in Kombination mit Streaming-Portalen wie Megavideo den Studios ein besonderer Dorn im Auge seien. Damit würden auch Nutzer erreicht, denen Filesharing über P2P-Netzwerke zu umständlich sei. Besorgniserregend sei auch die neue Generation von Fernsehern mit Internetzugang. Google arbeitet etwa an einer TV-Plattform auf Android-Basis, mit der Nutzer einerseits im Internet surfen, andererseits Apps nachladen können sollen. Die ersten Fernseher und Set-Top-Boxen wurden von Sony und Logitech angekündigt. Illegal hochgeladene Filme würde man über Google in wenigen Klicks finden. Die Suchmaschine sei daher auch "die größte Leech-Seite", so Huntsberry.

"Organisiertes Verbrechen"

Der Paramount-COO vergleicht Filmpiraterie mit Kinderpornografie und Menschenhandel als einen "Geschäftszweig" des organisierten Verbrechens. Die Streaming-Portale würden viel Geld verdienen. Der Filehoster Megaupload soll laut Huntsberry einen Gewinn von bis zu 215 Millionen US-Dollar einfahren. Der Dienst werde zudem von Kim Schmitz betrieben, der wegen Veruntreuung und Insiderhandel zu Bewährungsstrafen verurteilt wurde. Paramount versuche mit Unternehmen zu verhandeln, die den Portalen indirekten Umsatz verschaffen sollen wie etwa Werbeunternehmen oder Kreditkartenanbieter. Außerdem hoffe Huntsberry auf Internet-Sperren durch Internet Provider.

"Piratenaugen" gegen Abfilmen

Gegen das Abfilmen von der Kinoleinwand komme ein neues Gerät namens Pirate Eye zum Einsatz, das Kamera im Publikum aufspüren soll. Selbst kleinste Objektive soll das Gerät erkennen. Die Technologie sei eigentlich für die Polizei entwickelt worden, um Scharfschützen bei politischen Veranstaltungen aufzuspüren. Entdeckt das Piratenauge eine Kamera in einem Kinosaal, werde ein Foto aufgenommen und per Mail an den Kinobetreiber geschickt. Derzeit würden in den USA 43 Pirate Eyes eingesetzt - allerdings dürften sie nur bei konkretem Verdacht verwendet werden. (red)

 

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    Google und Internet-Fernseher sind Hollywood-Studios ein Dorn im Auge

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