Lehrerdienstrecht

Studie empfiehlt "offenen Lehrerarbeitsmarkt"

28. Juni 2010, 10:38

Privatrechtliches Dienstverhältnis und Rücknahme des Kündigungsschutzes - Explizite Anwesenheitsverpflichtung - Gehaltsvorrückung an Weiterbildung koppeln

Wien - Ein für alle Pädagogen geltendes einheitliches Dienst- und Besoldungsrecht, die "Umwandlung des Beamtenstatus in ein privatrechtliches Dienstverhältnis analog dem Angestelltenrecht" bzw. die Rücknahme des "sehr hohen Kündigungsschutzes" , die Etablierung eines "offenen Lehrerarbeitsmarkts" und eine "explizite Anwesenheitsverpflichtung" schlägt eine im Auftrag des Unterrichtsministeriums erstellte Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) für eine Änderung des Lehrer-Dienstrechts vor. Weiters wird eine Veränderung des Grundgehalts bei gleichzeitiger "Durchforstung und Straffung der Zulagenregelungen" und eine Koppelung von Gehaltsvorrückungen an die Weiterbildungsaktivität angeregt. Für ihre Arbeit haben Kurt Schmid und Richard Pirolt vom ibw internationale Studien sowie die Systeme der dabei erfolgreichsten Staaten durchleuchtet. Daraus wurden dann "Diskussionspunkte für eine Reform in Österreich" erstellt.

Angestellten- statt Beamtenverhältnis

Unter anderem heißt es darin: "International ist eine Tendenz in Richtung privatrechtlicher Arbeitsverhältnisse (Angestelltenverhältnis/Vertragsbedienstete) feststellbar. Auch für Österreich würde sich eine Umwandlung des Beamtenstatus in ein privatrechtliches Dienstverhältnis analog dem Angestelltenrecht anbieten." Eine Neuregelung würde allerdings grundsätzlich nur neu eintretende Lehrer betreffen - dafür gebe es im nächsten Jahrzehnt aufgrund der bevorstehenden Pensionswelle ein "demografisches Fenster". Nachteil: Es würden dann zwei parallele Systeme existieren. Alternativ wäre es möglich, wie beim neuen Landeslehrer-Dienstrecht 2001 eine Urabstimmung unter der Lehrerschaft über das neue Modell abzuhalten oder eine Opting-In-Möglichkeit für bestehende Verträge zu schaffen.

Zu "kündigungsrechtlichen Überlegungen" heißt es, dass die PISA-Topperformer zeigen, dass "zumindest die formale rechtliche Möglichkeit bestehen sollte, sich von Lehrer/innen aufgrund unzureichender Leistungen bzw. im Falle struktureller Notwendigkeiten trennen zu können" - auch wenn sie Beamte sind wie etwa in Finnland und Island. Wesentliche Elemente eines "offenen Lehrerarbeitsmarkts" sind laut Studie die Bewerbung der Lehrer bei den Schulen im Rahmen einer offenen Ausschreibung sowie die Verlagerung der Auswahlkompetenz an die Schulen. Zur Abdeckung temporärer Personalengpässe (Supplierungen) und als "Systemelement bei strukturellen Änderungen im Lehrerbedarf" (z.B, bei sinkenden Schülerzahlen, Schulschließungen, etc.) sollte eine "Personalkräftepool" etabliert werden.

Anwesenheitspflicht an der Schule

Beim Thema Arbeitszeit sehen die Autoren im Arbeitszeitmodell der Landeslehrer, das ohne explizite Festschreibung Aspekte einer Anwesenheitspflicht enthält, ein Vorbild. Es stelle sich aber die Frage, in wie weit nicht auch in Österreich der Grundsatz gelten sollte: "Der Arbeitsplatz des/r Lehrers/Lehrerin ist die Schule." Folge man diesem Ansatz, "dann spräche dies für die Einbeziehung einer expliziten Anwesenheitsverpflichtung an der Schule in das Arbeitszeitmodell." Bei der Frage der Verpflichtung zur Weiterbildung können Schmid und Pirolt aus dem internationalen Vergleich keine Empfehlung ableiten - zu unterschiedlich sind die Regelungen sowohl im internationalen Kontext als auch in den PISA-Top-Ländern selbst.

Beim Thema Gehalt empfehlen die Autoren eine Durchforstung und Straffung der Zulagenregelungen - dabei sollte auch gefragt werden, welche Aufgaben als "normale Arbeitstätigkeit"aufzufassen und durch das Grundgehalt abgedeckt sind und welche Zusatzaufgaben darstellen, die mit Zulagen entlohnt werden. Außerdem könne es sinnvoll sein, die Vergabekompetenz für Zulagen an die Schule zu verlagern. Und "last but not least" wäre es auch möglich, "Gehaltsvorrückungen an die Weiterbildungsaktivität der Lehrer zu koppeln".(APA)

 

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 112
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asinus
23
31.7.2010, 02:30

Das wurde alles schon x-mal durchgekaut und teilweise wegen Undurchführbarkeit wieder verworfen. Solche dümmlichen Studien tauchen immer auf, wenn es darum geht, die arbeits- und gehaltsrechtliche Situation der Lehrer zu verschlechtern.

Jippie1
11
21.7.2010, 14:20

Bin generell dafür, dass Lehrer ein "normales" Dienstverhältnis kriegen. Darunter verstehe ich auch, dass Schulen sich die Lehrer selbst aussuchen können, d.h. ein Lehrer zu Vorstellungsgesprächen gehen muss wie jeder andere auch, der einen Job haben möchte.

Bund und Länder schreiben die Lehrerposten aus, bewerben soll man sich aber direkt bei der Schule.

Ein wenig Wettbewerb unter den Lehrern kann nicht schaden.

Ich gebs zu
01
21.7.2010, 16:48
Bei Bundesschulen läuft es eh ungefähr so ab,

allerdings beschränken sich die meisten Direktor/inn/en darauf, die jungen Damen und Herren händeringend um ihren Einstieg zu bitten.

Der Lehrberuf ist inzwischen ein Verkäufermarkt.

ML85
01
29.6.2010, 19:12
unheilige Allianzen

Beachtenswert finde ich einige "Zufälle" im Zusammenhang mit dieser Studie:
http://tinyurl.com/25tslup

wunderbar1
02
29.6.2010, 13:25

Also soweit ich das weiß sind in Bundesschulen (AHS, BHS -> VS/HS sind ja Landessache) die Beamten unter den Lehrern unter 45-50 sehr rar gesät. Die meisten in dem Alter und darunter sind ja sowieso schon schon Vertragsbedienstete im ASVG und damit nicht pragmatisiert usw.

Und Junglehrer bekommen ja sowieso jahrelang (glaub so 4 bis 6 Jahre) nur 1-Jahres-Kettenverträge, die jedem Arbeitgeber in der Privatwirtschaft das Arbeitsgericht um die Ohren hauen würde wie nur was.

Dh. hier geht es wohl eher um die Landeslehrer, oder habe ich da etwas falsch verstanden?

Aber in einiger Zeit werden sie ja eh jedem auf der Straße mit einem Dienstvertrag hinterherrennen, weil in der Hälfte der Klassen niemand steht.

Sche
02
29.6.2010, 14:18
Bei den LandeslehrerInnen...

...soll es noch Bundesländer geben, in denen LehrerInnen noch pragmatisiert werden, kann aber nicht sagen, welche Länder das noch sind.

In Vorarlberg trifft das aber seit einigen Jahren für keine einzige Lehrperson mehr zu, egal ob Landes- oder BundeslehrerIn.

lothar matthäus
00
29.6.2010, 13:15
Privatschulen,


gerne wegen ihres Niveaus gelobt, suchen sich seit jeher ihre Lehrer selber aus!

Sche
08
29.6.2010, 14:21
Das höhere Niveau...

...von Privatschulen hat aber meines Erachtens weniger damit zu tun, dass sie sich die LehrerInnen selbst aussuchen, sondern damit, dass sie sich die SchülerInnen selbst aussuchen können.

Unter solchen Bedindungen mache ich Ihnen aus jeder Hauptschule in Wien eine Elite-Schule.

lothar matthäus
70
29.6.2010, 22:30
Das ist zwar Quatsch,


aber es ist ja nichts Neues, dass bei euch Lehrern wahlweise immer die Schüler und/oder die Eltern schuld sind!

Sche
16
30.6.2010, 07:32
Wenn Sie mal für 5 Sekunden...

...Ihren "Beißreflex" hintanstellen und das Ihnen von Gott gegebene Hirn aktivieren würden, wüssten Sie ganz genau, dass das kein Quatsch ist!

lothar matthäus
71
Was ist daran "Beißreflex",


Ihren Quatsch als das zu bezeichnen, was er ist?

Mein Hirn, das ich übrigens von keinem Gott sondern von Mammi und Pappi gekriegt habe - seines von einem solchen zu haben, glaubt vielleicht ein Lehrer Ihres Zuschnitts, der sich in seiner Deformation professionelle schon auch mal gerne selbst für einen solchen hält! - und das im Laufe der Jahre zum sehr wachen Beobachter der Verhältnisse geworden ist, funktioniert durchaus bestens und ist überaus aktiv!

Also kein Grund für Sie, sich darüber Sorgen zu machen!

clangi
12
welch erbärmlicher versuch, intelligent schreiben zu wollen!

wirklich peinlich für sie!
versuchen sie, einfache und klare sätze zu formulieren, ich denke, das müssten sie doch hinkriegen, bei dem riesen hirn, das ihnen mammi und pappi gegeben haben!?!?

Ich gebs zu
04
29.6.2010, 12:50
Die Umwandlung des Öffentlich-rechtlichen Dienstrecht

zurück nach ASVG stelle ich mir besonders witzig vor: Woher man plötzlich das Geld für die Abfertigungsrücklagen nehmen will, die sich der Staat in den letzten 20 Jahren für einen der heute Pragmatisierten gespart hat, wäre noch zu klären.

Auch stelle ich es mir nicht so einfach vordie Bezüge auf ASVG-Niveau anzuhebeben.

Zu erörtern wäre noch, wie der mittlerweile angehäufte Einkommensverlust abgegolten werden kann, wenn ein lebenslanger Vertrag plötzlich einseitig gekündigt wird.

Das Argument der Unkündbarkeit zählt nicht. Schließlich besetzen auch Vertragslehrer Planposten, weshalb es in Ö. niemals betriebsbedingte Kündigungen gegeben hat.

sljudanka
13
29.6.2010, 11:49
HAtte das Vergnügen einige STunden in Anwesenheit von Schulklassen

in Zug und Bahn zu verbringen.
Anscheinend ist diese Woche Klassenausflug (altdeutsch "WAndertag") angesagt.

Es ist doch eine ganz schöne Belastung. Kinder können keine Minute ruhig sein; auch der hohe Ton der Kinderstimmen ermüdet relativ rasch. Nach 2 Stunden in Nähe einer grösseren Kinderschar war ich ziemlich ermüdet.

WEnn ich mir vorstelle, jeden Tag Stunden mit Kindern zusammenzusein - da gehören schon gute Nerven dazu.

MIt ein Grund, weshalb Grundschullehrer grösstenteils -Rinnen sind??
(Männer haben vermutlich nicht die Nerven dazu).

Sche
13
29.6.2010, 14:23
Hat weniger mit den Nerven...

...sondern mehr mit dem üppigen Gehalt zu tun, dass es kaum noch männliche Lehrpersonen gibt.

Der Vater Staat
16
29.6.2010, 10:21
Viel Glück und gute Nacht!

Da wünsche ich den Herren "Experten" viel Glück ... Bei den oben genannten Grausigkeiten wird kaum noch jemand Lehrer/in werden wollen. Schon jetzt gibt es einen spürbaren Lehrer/innen/-Mangel: Anstrengender Job, miese Einstiegsgehälter und kaum Karrierechancen - dafür Stress und ewiges Bashing.

Wenn die Industrie über die Schule von morgen entscheidet ... gute Nacht!

Quim Barreiros
02
29.6.2010, 13:12

Alles eine Sache von Angebot und Nachfrage. Wenn die Arbeitsbedingungen mies sind, wird eben in 10 Jahren der Lehrermangel noch größer. Die gleichen Hilfsarbeiter im Geiste, die sich jetzt über die "Privilegien" der Lehrer aufregen, schimpfen dann in 10 Jahren eben darüber, dass ihre Kinder nur Tr. als Lehrer haben. Aber bitte, SSKM.

anra10
10
29.6.2010, 10:54

na ja, man soll im öffentlichen Bereich sicher nicht gleich mit den härtesten kapitalistischen Bandagen auffahren, das wird aber auch nicht vorgeschlagen, lediglich die Angleichung an "normale" Dienstverhältnisse.

zu ihren Punkten:
Anstrengender Job --> sowas gibts wohl auch anderswo
miese Einstiegsgehälter --> selbe Liga wie bei Akademikern (ausgenommen z.B. Ingenieure). Nach etlichen Jahren werden die G. aber sehr hoch!
kaum Karrierechancen --> aber praktisch Unkündbarkeit, wenn man einmal ein paar Jahre überstanden hat
Stress --> ja, das glaub ich ihnen (meine Freundin ist Lehrerin)
ewiges Bashing --> gegen das allerdings am besten nüchterne Argumentation hilft, nicht ein kategorisches "njet" gegen jede Veränderung

G. Lavant
03
29.6.2010, 11:22
Es ist relativ einfach:

warten wir einmal nächste Pensionierungswelle ab und bis 2014 etwa die Hälfte der Lehrer in Pension gehen wird (muss).
Junge, aufgeschlossene Lehrer/innen werden auf Grund besserer Rahmenbedingungen in die Schweiz, nach Deutschland oder nach Südtirol abwandern.
ann werden nicht einmal mehr genügend da sein, damit man sie hinausschmeißen kann.
Dann haben wir - ob mit oder ohne Reformen - bestenfalls ein Schmalspurschulsystem.

Ernst Marx
05
29.6.2010, 10:15

Arbeitsplatz 1x1m jeder Arbeitsinspektor würde bereits hier den Betrieb sperren.
20-30 pubertierenden Jugendliche die eigentlich alles andere im Kopf haben als zu lernen, und gegen die du keine Handhabe zur Disziplienierung hast. Vorbereitungen für Stunden die weit über das Maß an dafür vorgesehen Stunden hinausgeht (wenn du deine Arbeit gut machen willst )
Deine Noten die du gibst können beeinsprucht werden, das heist du musst peinlich genasue Aufzeichnungen führen warum du eine Note gibst.
Für diesen Job brauchst du gute nerven.
Viel Glück den Nachwuchslehrern es wird nicht besser !!!

sleepersservice
 
04
29.6.2010, 09:46
ist eigentlich bewusst, dass es viel zu wenige lehrer gibt?

Die Schulen können die offenen Posten nicht mehr nachbesetzen.

Und warum?
15 jahre sparen und Lehrerbashing haben eben Folgen.

Doktor Leid
00
29.6.2010, 09:22
Oh, ich bin also zu teuer.


Ich gelobe Besserung: Ich werde mich in Hinkunft puncto Sparsamkeit einfach an der Frau Minister orientieren!

oblomow II
00
29.6.2010, 09:04
lustig ...

...

mountaineer
04
29.6.2010, 08:27

"zumindest die formale rechtliche Möglichkeit bestehen sollte, sich von Lehrer/innen aufgrund unzureichender Leistungen bzw. im Falle struktureller Notwendigkeiten trennen zu können" -

in Österreich ist man bereits jetzt viel weiter: man verlängert den vertragslehrer einfach nicht - da braucht man ihn nicht einmal zu kündigen und - auf wiederschau'n!

sieht so nachhaltige personalpolitik aus?

solange man die bedingungen für junglehrer nicht nachhaltig verbessert, wird es noch viel, viel schlechter werden als jetzt.

witzig auch, dass die herren nicht betonen, dass man in finnlang annähernd doppelt so viel verdient - dafür sitzen aber statt 26,27 durchschnittlich nur 13 schüler in der klasse - da schau her.

mountaineer
05
29.6.2010, 08:16

wenn man eine 40-h anwesenheitspflicht an den schulen einführt, dann werden ca. 20% der lehrer dort vernünftig arbeiten können und 80% werden däumchen drehen müssen, bis die computer, kopierer, tische usw. frei werden, die der kollege zur arbeit benötigt.

wenn man sich die auflagen ansieht, was ein büroarbeitsplatz alles können muss, freue ich mich auf den staatsbankrott.

auch freue ich mich auf die vielen dann nach ach so tollen marktwirtschaftlichen kriterien geführten schulstandorte, die keine lehrer mehr bekommen werden, weil niemand dort hingehen wird, weil auch junglehrer dann nach marktwirtschaftlichen erwägungen auf den oktroyierten holler reagieren werden.

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