Siemens will eigene Bank gründen

28. Juni 2010, 16:34
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Der Konzern will sich angesichts der Finanzkrise unabhängiger von Kreditinstituten machen

München/Berlin - Als Konsequenz aus der Finanzkrise will sich der deutsche Elektrokonzern Siemens mit der Gründung einer eigenen Bank unabhängiger von Kreditinstituten machen. Bei der Finanzaufsicht BaFin sei ein Antrag auf die Erlaubnis zum Betreiben von Bankgeschäften gestellt worden, teilte das Unternehmen am Montag in München mit. Der Antrag werde derzeit von der Behörde geprüft.

Über das neue Kreditinstitut will Siemens die Angebote seiner Sparte Financial Services in der Absatzfinanzierung erweitern und flexibler bei der Konzernfinanzierung werden. Außerdem solle das Risikomanagement optimiert werden, erklärte das Unternehmen.

Ins Privatkundengeschäft wolle man dagegen anders als mancher Wettbewerber nicht einsteigen, sagte Siemens-Finanzchef Joe Kaeser der "Süddeutschen Zeitung" (Montag) mit Blick auf den Erzrivalen General Electric (GE). Der US-Mischkonzern ist deutlich stärker im Finanzgeschäft engagiert und war im Zuge der Krise stark in Mitleidenschaft gezogen worden. Deshalb fährt GE seine Aktivitäten in diesem Bereich seit einiger Zeit massiv zurück und hat beispielsweise die deutsche GE Money Bank an die spanische Banco Santander verkauft.

"Sichere Anlagemöglichkeiten"

Siemens geht es vielmehr darum, Bankgeschäfte für sich selbst zu tätigen, wie Kaeser erläuterte. "Unsere Liquidität liegt derzeit bei fast neun Milliarden Euro, dafür brauchen wir insbesondere sichere Anlagemöglichkeiten. Das könnten wir in Zukunft eben dann selbst mitgestalten. Es ist ja auch wirklich kein Hexenwerk", sagte Kaeser.

Bei der Absatzfinanzierung verspricht sich der Elektrokonzern von einer eigenen Banklizenz mehr Effizienz. Eigene Finanzierungslösungen für Kunden ließen sich direkter und schneller umsetzen als Finanzierungspakete, bei denen mehrere Banken eingeschaltet werden müssen, hieß es. Bei der Anlage der Liquidität habe die bisher breite Streuung auch höhere Transaktionskosten mit sich gebracht.

Erfahrungen aus der Finanzkrise

Kaeser begründete den Schritt vor allem mit den Erfahrungen aus der Finanzkrise. Vor drei Jahren sei er nicht einmal auf die Idee gekommen, sich Sorgen zu machen, wo Siemens beispielsweise seine Liquidität anlegen und mit wem Währungs- oder Zinssicherungsgeschäfte getätigt werden sollten, sagte der Siemens-Finanzchef. "Nach den Erfahrungen der vergangenen zwei Jahre sehe ich hier realen Handlungsbedarf, unabhängig davon, wer im Rahmen der gesamten Finanzmarktturbulenzen Opfer oder Täter war."

So habe es in den Wochen nach der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers Tage und Nächte gegeben, "wo ich unter anderem wegen der Werthaltigkeit unserer Sicherungsderivate die Luft anhielt". Auch im heutigen, teils immer noch intransparenten regulatorischen Umfeld könnten Unternehmen in Mitleidenschaft gezogen werden, wenn Banken in Schwierigkeiten geraten. "Dabei ist es dann irrelevant, wer es verschuldet hat. Darauf wollten wir reagieren." Der Lehman- Zusammenbruch hatte Siemens einen niedrigen zweistelligen Millionen- Betrag gekostet.

Mit der Erteilung der im April beantragten Banklizenz werde noch im Laufe dieses Jahres gerechnet, hieß es im Umfeld des Unternehmens. Für eine Schätzung zu möglichen Kosten sei es derzeit noch zu früh. Die Expertise, um das Geschäft zu betreiben, habe man dank der Sparte Financial Services bereits im Haus. Für das an diesem Mittwoch endende dritte Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2009/10 (30. September) zeigte sich Kaeser optimistisch. Das Auftragswachstum kehre zurück, sagte er. "Auch das Ergebnis entwickelt sich dank frühzeitig eingeleiteter Produktivitätsmaßnahmen in Verwaltung, Vertrieb und Einkauf weiter ordentlich." Weitere Details will Kaeser an diesem Dienstag bei Capital Market Day von Siemens nennen. (APA)

 

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