Alkohol und falsche Kindersicherung häufigste Delikte

28. Juni 2010, 07:40
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Alkohol am Steuer, nicht angeschnallt, Gefährdung von Fußgängern: 125.000 Vormerkungen in fünf Jahren

Wien - Rund 125.000 Fahrzeuglenker in Österreich haben seit Einführung des Führerschein-Vormerksystems am 1. Juli 2005 gegen mindestens eines der 13 darin festgehaltenen Delikte verstoßen. Die häufigsten Vergehen sind unverändert Alkohol am Steuer. Hier gab es mehr als 44.000 Personen mit zumindest einer Vormerkung in fünf Jahren. Dahinter folgt das Delikt der falsch oder gar nicht gesicherten Kinder im Fahrzeug - mit knapp 37.000 Eintragungen.

Trinker und Drängler

Weitere häufige Delikte: schwere Mängel am Fahrzeug und gefährliche Beladung (18.545), Drängeln (10.505) und Gefährdung von Fußgängern am Schutzweg (3.058). Das geht aus einer Statistik des Verkehrsministeriums hervor.

Zirka 117.000 Personen wurden einmal vorgemerkt, 7.400 Lenker sind Wiederholungstäter und wurden zwischen 1. Juli 2005 und 31. Mai 2010 mehr als einmal gestraft. Davon gab es etwa 6.500 Fahrer mit zwei Eintragungen innerhalb von fünf Jahren, 751 mit drei und 151 mit mehr als drei Vormerkungen. Die häufigsten Delikte, die kombiniert mit anderen geahndet werden, sind Alkohol am Steuer und Verstöße gegen die Kindersicherungspflicht.

Mehr Delikte bei Männern

Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit (KfV) liegt der Männeranteil an den Verkehrssündern weit über jenem der Frauen. Spitzenreiter beim männlichen Geschlecht sind Alkoholdelikte vor der fehlenden oder falschen Kindersicherung, gefolgt von technischen Mängeln am Fahrzeug bzw. falscher Ladungssicherung und fehlendem Sicherheitsabstand.

Bei den Frauen liegen Verstöße gegen die Kindersicherungspflicht und Alkohol am Steuer an vorderster Stelle, gefolgt von Drängeln und der Gefährdung am Schutzweg. Die größte Gruppe der Personen mit einer Vormerkung ist zwischen 30 und 40 Jahre alt, gefolgt von der Altersklasse der 25- bis 29-Jährigen, mit zunehmendem Alter - insbesondere ab 65 Jahren - ist der Trend signifikant rückläufig.

Geschwindigkeitsübertretungen keine Vormerkdelikte

Nachdem das Führerschein-Vormerksystem vor mehr als einem Jahr evaluiert worden war und Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ) eine Expertengruppe eingesetzt hatte, legte die Ministerin dem Koalitionspartner ÖVP drei Reformideen vor: eine Erweiterung um Geschwindigkeitsdelikte, eine Ausdehnung der Verjährungszeit von zwei auf drei Jahre und die Koppelung des Führerscheinentzugs an das Vormerksystem.

Als brisantester Punkt gilt die zu hohe Geschwindigkeit: Rückendeckung hätte es dafür vom KfV gegeben. Wer etwa auf der Autobahn statt 130 mit 170 (bis 179 km/h) unterwegs ist, sollte laut KfV-Direktor Othmar Thann eine Vormerkung bekommen. Ab 180 km/h ist man den Schein bereits jetzt für mindestens zwei Wochen los.

Geschwindigkeitsübertretungen zwischen 40 und 50 km/h außerhalb des Ortsgebietes in den Deliktekatalog aufzunehmen, dürfte aber am Veto der ÖVP scheitern. ÖVP-Verkehrssprecher Ferry Maier: "Das wird nicht kommen." Er argumentiert mit einem zu großen Verwaltungsaufwand.

Auch Fahren ohne Gurt nicht im Vormerksystem

Ein nächster Verhandlungstermin zwischen den Regierungsparteien soll Anfang Juli stattfinden, bis im Herbst wolle man zu einem Ergebnis kommen. Laut dem ÖVP-Verkehrssprecher sollen - abseits der Tempolimits - ein bis zwei andere Punkte geändert werden.

Somit werden die folgenschweren Verkehrssünden Rasen und Fahren ohne Gurt weiterhin nicht im Führerschein-Vormerksystem aufscheinen. Das KfV war dafür, Autofahrer ab dem zweiten Vergehen zu einer Schulung zu schicken. "Ziel ist das Verhalten zu ändern und nicht zu entziehen", sagte Thann. Für den ÖAMTC steht das nicht zur Diskussion. Bei den Vormerkdelikten gehe es um die Gefährdung anderer und nicht um die Eigengefährdung, hieß es. (APA)

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