Projektbörse

Dem Respekt eine Plattform bieten

27. Juni 2010, 19:29

Eine neue Projektbörse will engagierte Menschen, die Initiativen zur Stärkung der Zivilgesellschaft setzen und interessierte Spender zusammenbringen

Auf politische Lösungen zu warten bringe nichts, sagt eine Initiatorin. 

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Wien - Ein Kind bekommt in der U-Bahn eine Ohrfeige. Eine Familie wird nach Jahren in Österreich abgeschoben, Mitbürger im Ort zucken mit den Schülern. Ein Politiker hetzt gegen Ausländer. Manchmal steht in solchen Situationen jemand auf und zeigt Zivilcourage. Oft auch nicht. Die Mitglieder des Vereins Respekt.net wollen diesen Zustand nicht länger hinnehmen.

Morgen, Dienstagabend, geht das Herzstück des Vereins online: eine Projektbörse. Dort sollen vorrangig Einzelpersonen oder lose Gruppen, aber auch Vereine ihre Ideen zur Stärkung der Zivilgesellschaft online stellen können. Und Leute, die darin investieren wollen, werden das per Mausklick tun können.

In der Probephase, in der die Plattform über Mundpropaganda bekannt gemacht wurde, haben sich schon mehrere Investoren mit Summen in der Höhe zwischen zehn und 5000 Euro eingebracht. Unter den Initiativen ist etwa ein Projekt namens "Frisch gekocht für Obdachlose", bei dem Wiener Berufsschüler in der Obdachloseneinrichtung "Gruft" kochen. Oder ein Comic für junge Europäer zum Thema "Personenbezogene Daten".

"Auf eine politische Lösung zu warten bringt nichts", sagt Maria Baumgartner, eine der Respekt.net-Gründerinnen. "Man muss sich selbst ums gesellschaftspolitische Bewusstsein kümmern", sagt sie. Der Verein vertritt die These: "Eine starke Zivilgesellschaft ist weniger anfällig für autoritäre Sprüche und menschenverachtende Hetze." 35 Privatpersonen sind bisher im Verein tätig, sie finanzieren das Vorhaben vorerst für drei Jahre. Unter ihnen finden sich Unternehmer, Berater, Freiberufler und der Lobbyist Dietmar Ecker. "Aber alle als Privatpersonen", betont Baumgartner.

Transparenz und Prüfung 

Auf der Respekt.net-Website wird auf den Euro genau aufgelistet, wohin wie viel Geld geht. "Transparenz ist uns sehr wichtig", sagt Baumgartner. Zudem gehe nicht jedes Projekt online, zuerst müsse ein Vereinsgremium die Einreichungen inhaltlich und formal prüfen.

Auch Daniel Binders Projekt "Teaching the Shoah in the 21st Century" hat bereits einen Investor gefunden: Der freischaffende Filmemacher will aufgezeichnete Interviews mit Wiener Holocaust-Überlebenden für Schulen aufbereiten. Ihm schwebt "eine Art Toolkit vor, zum Beispiel mit Videoausschnitten, aus denen man optimalerweise nach Stichworten auswählen kann", sagt Binder. Die Idee, die er "seit Jahren schon" mit sich herumtrage, hat der Politikwissenschafter bereits in der Probephase der Plattform bei Respekt.net eingereicht.

Werner Zahnt, 35-jähriger Partner einer Unternehmensberatung, hat sie auf Anhieb gefallen. Er will dafür Geld zur Verfügung stellen. Das Problem, dass die Überlebenden nicht mehr lange zur Verfügung stünden, dränge, meint er. Binder hat 9900 Euro samt Reisekosten für die Recherche veranschlagt. Die ganze Summe wird Zahnt nicht begleichen. Wenn das Projekt einmal online ist, sollen sich auch andere Geber finden. (Gudrun Springer, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Juni 2010)

Trau kan Politika
00
28.6.2010, 17:35
Mit Sicherheit werden sich mehr und mehr Plattformen bilden, denen die Kritik und Anregungen der Bürger am Herzen liegen.

Erst wenn erkannt wird, nicht Partei, Plattform oder Homepage sind der Zweck, sondern das Bestreben jedem permanente Stimme zu geben und diese in keiner Urne sofort umzubringen.

Mit anderen Worten - ein Rütlischwur gegen die Vögte und selbstherrlichen Verweser im Hofstaat ist vonnöten.

Gesetze die jeden Bürger zum Terroristen machen und Verwaltungskosten die an Ludwig 15 erinnern in einem Ständestaat mit übergroßer Beamtenmehrheit in einem Parlament das sich mit Selbstbedieung als Belohnung über Clubzwang entmündigt ist eben keine Demokratie.

Toni di Foggia
00
28.6.2010, 17:27
endlich

In der Plattheit vieler poltischer Inhalte, dem Populismus und dem immer stärker werdenden Gefühl zu den Verlierern zu gehören gibt es endlich etwas, wo Menschen Zivilcourage lernen und der Zivilgesellschaft Leben einhauchen können

Ben Ohm
00
28.6.2010, 11:51
Sehr gute Idee!

Ich denke, viele Menschen würden sich gern mehr engagieren, scheitern aber an der "Bequemlichkeits-Hürde" - da könnte diese Plattform Abhilfe schaffen. Dann gibt es da noch das Vertrauensproblem bei Organisationen und Initiativen, die man nicht kennt - finde ich super, dass hier der Punkt "Transparenz" so betont wird.

Also dieses Projekt hört sich echt gut an - bin auf die Umsetzung gespannt!

blubb88
00
27.6.2010, 20:33
Zeitgefühl, Sinn?

"Morgen, Dienstagabend, geht das Herzstück des Vereins online".

Morgen ist Montag, lieber Standard. Darüber hinaus stellt sich die Frage, wie sinnvoll so ein Artikel zu diesem Zeitpunkt ist, wenn der Link nur auf eine Platzhalterseite zeigt und kaum einer den Artikel ein zweites Mal lesen wird (wenn er dann auf respekt.net auch etwas zu sehen bekommt).

Belacqua
00
28.6.2010, 11:02

Was genau an "Printausgabe" inkl. Datumsangabe hast du nicht verstanden?

already
00
28.6.2010, 06:38
Gibt es nichts sinnvolleres?

0815 Insider
00
29.6.2010, 07:28

Wahrscheinlich gibt es irgendwo, irgendwann auch etwas Sinnvolleres. Allerdings ist das genau der Punkt von Respekt.net: nicht eine Initiative, Partei oder Bewegung, sondern die Vielfalt zählt. Oder auch in anderen Worten "der Markt" der politischen Ideen, sofern Sie zum Endzweck beitragen, Österreich wieder etwas offener, bunter, lebenswerter zu machen.

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