Der Iran und die Grenzen des "business as usual"

William C. Eacho, 27. Juni 2010, 19:09

Ein Appell an die unternehmerische Verantwortung jener Firmenrepräsentanten in Europa, die vor einer allzu strikten Umsetzung der jüngsten UN-Sanktionen gegen das Regime in Teheran warnen

Die internationale Gemeinschaft möchte mit vereinten Kräften verhindern, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Das ist die zentrale Botschaft der vergangenen Tage - von der Verabschiedung der UN-Sicherheitsratsresolution 1929, die neue Sanktionen gegen den Iran verhängt, bis hin zu neuen Maßnahmen, die von den USA, Kanada, Australien und bald danach auch von der EU beschlossen wurden. Ich begrüße in diesem Zusammenhang ausdrücklich die Beteiligung Österreichs als Mitglied des UN-Sicherheitsrates und der EU sowie als hochgeachtete Stimme in der internationalen Gemeinschaft an diesen gemeinsamen Bemühungen.

Neulich sprachen sich manche Repräsentanten der österreichischen Geschäftswelt dafür aus, dass Europa bei den Sanktionen gegen den Iran (und auch in anderen Fällen) keine Schritte setzen sollte, die über die von der Uno verhängten Sanktionen hinausgehen. Ihr Argument ist, dass die UN-Sanktionen als Obergrenze und nicht etwa als Grundlage zu verstehen sind und dass eine zu weitgehende Umsetzung nur einen Wettbewerbsnachteil für europäische Firmen, aber keine bedeutsamen Fortschritte in der Sache selbst bringen wird.

Dieses Argument ist in einigen wichtigen Punkten unrichtig. Zunächst einmal verfügt die neueste Resolution des UN-Sicherheitsrates nicht nur strenge Auflagen für den Handel mit dem Iran, sondern sieht auch vor, dass alle Regierungen die Aktivitäten iranischer Unternehmen, Banken und Schifffahrtsgesellschaften ganz genau unter die Lupe nehmen. Viele dieser Beschränkungen sind nicht Sanktionen an sich, sondern Vorsichtsmaßnahmen zur Verringerung des Risikos, dass iranische Stellen sich im Interesse ihres Regimes Zugang zu verbotenen Materialien und Technologien verschaffen. Mit der zunehmenden Kontrolle der iranischen Revolutionsgarden und anderer regimenaher Stellen über die Geschäftstätigkeit im Iran haben viele Banken und Unternehmen in Europa und anderswo in der Welt beschlossen, ihre Geschäftsbeziehungen mit den entsprechenden iranischen Stellen zurückzuschrauben, um eine unbeabsichtigte Unterstützung der Aktivitäten des Regimes zu vermeiden. Im Hinblick auf die Risiken ist "business as usual" im Umgang mit vielen iranischen Geschäftspartnern keine Option mehr.

Außerdem gibt es breite Unterstützung für ein entschlossenes Vorgehen, um den Iran an den Verhandlungstisch zurückzubringen und seine politische Führung daran zu hindern, heimlich an einem Atomprogramm zu arbeiten, während sie nach außen hin eine Verzögerungstaktik hinsichtlich der Einhaltung ihrer internationalen Verpflichtungen betreibt. Nicht nur Wien, Washington und Brüssel, sondern auch Peking und Moskau haben die Resolution 1929 ausdrücklich als Teil einer konzertierten multilateralen Anstrengung unterstützt, die die iranische Regierung auf den Pfad seriöser Verhandlungen und vertrauensbildender Maßnahmen zurückführen soll.

Solche Handelsbeschränkungen müssen nicht notwendigerweise eine weitere Verschlechterung der Situation für die iranische Bevölkerung bedeuten. In diesem Zusammenhang verweise ich auf entsprechende Erfahrungen der USA, wo seit langem ein weitreichendes Verbot von Handels- und Finanztransaktionen mit dem Iran besteht, der Export ausdrücklich zugelassener landwirtschaftlicher, medizinischer und humanitärer Waren hingegen explizit erlaubt ist. Als 2008 weltweit die Nahrungsmittelpreise einen Höchststand erreichten und im Iran Dürre herrschte, erhöhten US-Exporteure ihre Weizenlieferungen in den Iran drastisch, und die Iraner kauften damals Weizen im Wert von über 500 Millionen Dollar von amerikanischen Farmern.

Präsident Obama und Außenministerin Clinton haben seit ihrem Amtsantritt vor eineinhalb Jahren immer wieder klargemacht, dass die Vereinigten Staaten, was die Bedenken über das iranische Atomprogramm betrifft, eine diplomatische Lösung bevorzugen. Die internationale Gemeinschaft hat dem Iran die Hand entgegengestreckt: Wie Präsident Obama kürzlich sagte, bieten wir der iranischen Regierung "die Aussicht auf eine bessere Zukunft für ihr Volk, wenn - und nur wenn - sie ihre internationalen Verpflichtungen erfüllt."

Österreich als nichtständiges Mitglied des UN-Sicherheitsrates und Gastgeberland etlicher UN-Organisationen, einschließlich der IAEO, die bei jeder Übereinkunft mit dem Iran eine wichtige Rolle spielt, ist ein zentraler Teil dieses starken internationalen Konsenses.

Bevor ich ein öffentliches Amt übernahm, war ich selbst 30 Jahre lang Geschäftsmann und weiß daher, dass gutes Unternehmertum aus mehr besteht als dem, was "unterm Strich herauskommt" , und dass "unternehmerische Verantwortung" mehr ist als nur eine Phrase. Wie Europa hegt auch die amerikanische Regierung die dringende Hoffnung, dass es gelingt, in den Beziehungen mit dem Iran einen Durchbruch zu erzielen, der nicht zuletzt europäischen Firmen großartige unternehmerische Möglichkeiten eröffnen würde. Bis dieser Durchbruch jedoch erreicht ist, wird die Unterstützung des allgemeinen Konsenses über den Iran vielleicht kurzfristig einen Profitverlust bedeuten, doch ist dies ein vergleichsweise geringer Preis für das, was auf dem Spiel steht. (DER STANDARD, Printausgabe 28.6.2010)

 

Zur Person: 

William C. EACHO ist seit Juni des Vorjahres US-Botschafter in Wien.

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    Posting 1 bis 25 von 54
    1 2
    Baer8
    00
    Es geht letztlich nur um die Sicherheit Israels...

    Egal, wie sich Israel auch aufführt, der Iran soll auf keinen Fall in der Lage sein militärisch zu reagieren. Diesem Ziel ordnet Amerika alles unter und versucht es auf jede nur denkbare Art und Weise zu erreichen. Dies weiß auch der Iran und deshalb wehrt er sich so standhaft gegen die gefinkelten Aushebelungsversuche der Amerikaner.

    Brücke
    56
    28.6.2010, 18:20
    Ich möchte dem Hr. William C. EACHOvorschlagen , vor der eigenen Haustüre zu kehren

    und mit einer seriösen Untersuchung von 911 zu beginnen .

    Unabhängige Untersuchungen lassen kaum Zweifel an der Beteiligung US Regierungsnaher Gruppen .
    Besteht in der us Politik tatsächlich Interesse an Menschenrechten und Demokratie , wäre die Aufhebung des "patriot acts" vordringlich .
    Weiters eine Beendigung der unter falschem Vorwand begonnenen Kriege mit entsprechenden Reparationszahlungen .
    Wie von anderen Ländern verlangt , ein völliger Abbau des Atomarsenals unter internationaler Kontrolle .
    Die Beendigung der us Militärpräsenz außerhalb der usa.

    Dann Hr. C. EACHO können sie beginnen ,Forderungen unter Sanktionsdrohung an den Iran zu richten ,
    vorausgesetzt , sie haben glaubwürdige Beweise für ein Atomwaffenprogramm des Iran

    Viper001
    31
    28.6.2010, 22:13
    No,


    heut wieder einmal die Medikamentenausgabe geschwänzt..??

    KL
    01

    Was stimmt daran nicht? Das die USA fuer ihre TAten keine Reparationen leisten werden?

    Weiss wirklich nicht was ich von diesen seltsamen "Medikamenten"-Postings halten soll.

    käptn iglo's rache
    510
    28.6.2010, 16:08
    Es ist eigentlcih ...

    ... moralisch gesehen eine Frechheit, dass der Standard einem Botschafter des schlimmsten kriegstreibenden Landes der Erde solch eine Spielwiese für seine dekandente Propaganda gibt. Ja um Himmels Willen, es geht ums Öl, um sonstige Ressourcen und um die verkehrstechnische Besetzung des Mittleren Osten. Nix Atom und nix Menschenrechte. Detto Irak und Afghanistan.

    dölerich hirnfidler
    43
    28.6.2010, 17:26

    genau. das waren alles lu-pen-rei-ne demokratien mit hochsympathischen, basisdemokratisch gewählten sprechern des volkes, die nienicht böses im sinn hatten und völlig unerwartet - während sie beim gänseblümchenpflegen nachdachten, wie sie die situation ihres ohnehin im wohlstand schwimmenden volkes und vor allem die frauenrechte weiter verbessern könnten - von ultrabösen, schon im mutterleib f.schistischen und sowie r.ssistischen und noch ein haufen anderer istischen amis brutal hinterrücks, ohne vorwarnung, widerrechtlich und nur wegen rohstoffen überfallen wurde. luzifer persönlich hat george w. bei einer schwarzen messe geflüstert, dass in afghanistan im jahr 2010 wertvolle rohsto´ffe (!) gefunden werden. nienix anderes!

    käptn iglo's rache
    12
    28.6.2010, 19:44
    lustig!

    sie denken, man habe 2001 noch nichts über eventuell vorhandene rohstoffe gewußt? schon die sowjets wußten das. zudem ist afghanistan strategisch wichtig, als pufferzone zu china.

    bitte sein'S doch nicht so naiv!

    Gerald Nessmann
    73
    28.6.2010, 17:05
    Vergessen Sie nur nicht

    dass Sie wegen diesem furchtbahren USA sagen koennen was sie wollen.

    Aber so weit reicht Ihr Horizont wohl kaum.

    Plasmaball
    20
    28.6.2010, 20:59
    Hmm?

    Stell dich doch mal mit einem Plakat "Ami go Home" neben die VSA-Botschaft in Berlin...

    Anton Friesl
    212
    28.6.2010, 11:14
    Nach dem NPT-Vertrag müssten die Atommächte dem Iran sogar die Anreicherungstechnik (ihr Wissen) für die friedliche Nutzung der Kernenergie zur Verfügung stellen.,.

    Als Gegenleistung für die Unterzeichnung des Vertrages - weil dadurch ein Teil der staatlichen Souveränität aufgegeben wird - unterwirft sich der Iran den Kontrollen durch die IAEO zwecks Beschränkung auf die friedliche Nutzung der Atomtechnologie.

    Die andere Seite des Vertrages verpflichtet die Atommächte zur nuklearen Abrüstung sowie dazu jegliche Technologieweitergabe an Nichtunterzeichnerstaaten zu verhindern. Dagegen haben die USA verstoßen (offene bzw. verdeckte Weitergabe an Indien und Israel).

    Demnach wären Sanktionen gegen die USA notwendig. Der wahre Hintergrund ist aber die Suche nach einem Kriegsvorwand. Seit ca. 2004 gibt es schon einen vorbereiten Ermächtigungsbeschluss für den US-Präsidenten der in den Startlöchern kniet.

    Lichtfreak
    07
    28.6.2010, 11:05
    Bedroht den Iran nur immer weiter,

    dann haben sie sicher kein Bedürfnis nach A-Waffen ....

    Ava Tar
    37
    28.6.2010, 10:52
    Da hat der Leitl Glück gehabt

    erstens dagegenschnabeln, zweitens wenn man die Gaza-Hilfsflotte als Maßstab nimmt könnte man sagen mit dem Gebiß ist er bewaffnet, da hätten's ihn unter Bush am End noch nach Guantanamo verschleppt. Doch gottseidank leben wir in friedensnobelpreisigen Zeiten wo man, um nicht so volle Lager zu zeigen, einfach keine Gefangenen mehr macht. Eine Drohne auf die Wiedner Hauptstraße, vielleicht wär er ja grad nicht daheim g'wesen, dann hätt's nur Frauen und Kinder zerfetzt. Was tut man nicht alles für die Sicherheit der Welt, wenn Vertreter des größten Mörderstaates des letzten halben Jahrhunderts mahnend den Zeigefinger heben. Ach, wenn nur nicht alles so glaubhaft wär, dann wär es eine köstliche Komödie.

    Fritz Meyer
    311
    28.6.2010, 10:42
    Beim Irak war's genauso.


    Fangt's doch endlich an mit dem Krieg, einen legitimen Grund habt's das letzte Mal ja auch nicht gebraucht.

    Fritz Meyer.

    Superposition des Produktzustandes
    17
    28.6.2010, 11:47

    Es wird keinen Krieg geben. Kann sich ja keiner leisten und Irak und Afghanistan sind sogar der US-Rechten genug.

    Wir werden aber eines Morgens aufwachen und Israel hat die Reaktoren bombardiert. Dann werden alle vordergründig empört sein und hintenrum Glückwunschtelegramme nach Tel Aviv schicken.

    Kuoni_der_Hirt
    01
    28.6.2010, 10:27

    Wie es derzeit aussieht werden die Sanktionen, auch wenn sie konsequent umgesetzt werden, nicht viel bringen.
    Die iranische Regierung kann, was das Atomprogramm angeht, selbst wenn sie wollte, die Hosen kaum so weit herunterlassen, dass alle von dessen Unbedenklichkeit überzeugt sind - ganz abgesehen von allem anderen, was man dem Iran noch vorwerfen kann.
    Es steht also zu befürchten, dass die Sanktionen so lange verschärft werden, bis sie der gesamten Bevölkerung weh tun - und das kann der iranischen Regierung wiederum nur recht sein.
    Ein Ausweg aus diesem Dilemma ist leider nicht in Sicht.

    DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
    33
    28.6.2010, 09:05

    Wie Präsident Obama kürzlich sagte, bieten wir der iranischen Regierung "die Aussicht auf eine bessere Zukunft für ihr Volk, wenn - und nur wenn - sie ihre internationalen Verpflichtungen erfüllt."


    das Volk bedankt sich demnächst für die Sanktionen und der aussicht für ein besseres leben in der zukunft,danke das ihr so besorgt um das Iranische Volk seid.

    das wort heuchlerei sollte neu difiniert werden.

    Der Weise von Zion
    41
    28.6.2010, 10:24

    es ist zwar schön, dass sich das iranische volk bei seinen führern für die sanktionen bedankt, aber geht das nicht schon ein wenig richtung nordkorea?

    DAS SCHLAGLOCH UND SEIN KIND
    13
    28.6.2010, 12:40

    na ja wenn der Krieg los geht,und die Saudies und die Israelis und andere verbündeten der USA Raketen abbekommen sage ich auch die sollen sich bei ihre Regierungen bedanken,der Iran hat ja keine Schuld dran wenn ihr die Truppen der USA in ihren länder duldet.

    Plasmaball
    58
    28.6.2010, 09:00
    Herr Eacho!

    Wann zieht die VSA ihre Besatzertruppen aus Deutschland ab? Und wenn wir schon mal dabei sind: Wann zieht sich die VSA mit ihrem Militär endlich nach Nordamerika zurück? Und wann zahlt die VSA endlich ihre Auslandsschulden?

    René Herndl
    218
    28.6.2010, 07:38
    Wenn die USA ...

    .. bei allen Staaten den gleichen Maßstab anlegen wollte, selbst keine Kriege vom Zaun brechen und seine wirtschaftlichen Interessen nicht mit Waffengewalt vertreten würde, nicht einmal dann wäre dieser Kommentar richtig, weil jedem Staat Souveränität zuzugestehen ist. Die Staaten dieser Welt , also die sogenannte internationale Gemeinschaft sollte sich mit Sanktionen gegen jene Staaten wenden, die sich an keine Regeln halten, die keine internationalen Rechtsnormen einhalten und Menschen unterdrücken und vertreiben, die Länder besetzen und Gewalt anwenden ....

    GENDERLOS
    211
    28.6.2010, 08:54

    Wäre gespannt, was der gleiche Typ sagen würde, wenn Österreich mal Israel boykottieren würde ...

    Harlan Eiffler
    121
    28.6.2010, 08:23

    Warum sagen sie nicht einfach, dass sie Israel meinen, damit wir alle wissen, woran wir mit ihnen sind?

    René Herndl
    111
    28.6.2010, 09:21
    Die Liste der gemeinten Staaten ist ...

    ... ziemlich lang. Sie schliesst Indonesien ebenso ein wie Russland, die USA sowieso, auch Israel, die Türkei und Indien wie auch Pakistan (siehe Kaschmir), in Saudi Arabien gibt´s auch viele Missstände, in Kolumbien und Equador werden die Indigenas minder geachtet etc...

    Plasmaball
    011
    28.6.2010, 08:50
    Weil es ja auch Saudi Arabien oder Ägypten oder Kolumbien sein könnte...

    Harlan Eiffler
    102
    28.6.2010, 09:00

    wüsste nicht, dass in der schönen Welt der Anti-amerikanerInnen und "AntizionistInnen" Kolumbien, Saudi Arabien oder Ägypten "andere Länder besetzen". Ich hätte fast sagen müssen "Touchè", aber die Aufzählung des Vorposters hat mich gerettet...

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    Posting 1 bis 25 von 54
    1 2

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