Polizei sucht Hintermänner des verhafteten Mafiapaten Falsone

27. Juni 2010, 19:05
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Auswertung des Privatcomputers soll Hinweise bringen

Rom - "Die Mafia hat viele Gesichter", weiß Petra Reski, Autorin eines vieldiskutierten Buches über Süditaliens organisiertes Verbrechen. Oft sind es Gesichter, die mit den Fahndungsfotos der Gesuchten wenig gemein haben. Das Foto von Bernardo Provenzano etwa war 40 Jahre alt. Auch den seit 19 Jahren gesuchten Boss Giuseppe Falsone erkannten die Ermittler kaum wieder, als sie ihm am Wochenende in Marseille die Handschellen anlegten. Das lag freilich weniger am Polizeibild als an den Gesichtsoperationen, mit denen der Mafioso sein Aussehen erheblich verändert hatte.

Die Anti-Mafia-Sondereinheit ließ sich davon ebenso wenig beeindrucken wie vom französischen Personalausweis, den er in seiner Rocktasche trug. Die Fingerabdrücke bestätigten wenig später die Vermutung der Ermittler. Mit dem seit 1991 gesuchten Boss aus Agrigento ist der Polizei einer der meistgesuchten Mafiosi ins Netz gegangen.

Falsone war untergetaucht, als ein gegnerischer Clan bei einem Mittagessen seinen Vater und seinen älteren Bruder erschoss. Mit 21 Jahren hatte er die Führung der Cosa Nostra in der Provinz Agrigento übernommen und den Tod beider durch einen Mord gerächt. Jetzt sucht die Polizei die Hintermänner, die dem Mafioso eine neue Existenz und die Gründung eines Bauunternehmens in Marseille ermöglichten. Aufschluss darüber erwartet sie sich von der Auswertung seines Computers, den Falsone stets bei sich getragen habe. Bereits nächste Woche soll der zu lebenslanger Haft verurteilte Mafioso ausgeliefert werden. (mu, DER STANDARD - Printausgabe, 28. Juni 2010)

Beim STANDARD-Montagsgespräch geht es heute, Montag, um die Mafia. 19.30, Haus der Musik, Seilerstätte 30 in Wien.

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