Südkoreas Beziehungsdichte im Offensiv­dreieck und Uruguays umwegloses Spiel in die Spitze

27. Juni 2010, 18:49
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Die Analyse der häufigsten Passbeziehungen dokumentiert auf einen Blick die spielerische Dominanz der Verlierer. In Summe gaben die Südkoreaner um ein Drittel mehr Pässe als die Uruguayer (526:347) - eine Folge des frühen Tores der Urus, die ihren Gegnern bereits im Verlauf der ersten Hälfte das Heft in puncto Spielgestaltung in die Hand drückten. Am südkoreanischen Netzwerk lässt sich eine Tendenz ablesen, das Spiel von außen in die Spitze zu treiben. Auf beiden Flügeln bildeten sich robuste Dreiecke unter wesentlicher Einbeziehung der Außenverteidiger Cha Du-ri und Lee Young-pyo. Vor allem Letzterer setzte durch drakonisches Laufpensum und spielerische Präzision immer wieder gefährliche Flankenimpulse. Besonders beeindruckend aus netzwerkanalytischer Sicht: die Beziehungsdichte im Offensivdreieck zwischen Lee Chung-yong, Park Si-jung und Park Chu-young. Deren Rotationstendenzen sorgten für permanente Unberechenbarkeit im Angriffsspiel und setzten die bislang makellose uruguayische Defensive vor allem in der zweiten Hälfte arg unter Druck.

Die Spielstruktur der Urus nimmt sich vergleichsweise genügsam aus und fügt sich damit ins Bild, das die Südamerikaner bereits in der Vorrunde abgaben: Auf die Balleroberung folgt ein möglichst umwegarmes Spiel in die Spitze. Immer deutlicher kristalliert sich die Arbeitsteilung zwischen den beiden Stürmern heraus: Forlán bildet die Drehscheibe, Suárez den Vollstrecker. Beide werden von ihren Mitspielern gleichsam in jeder Spielsituation gesucht. Das Spiel des Teams erscheint konsequenterweise auch im Strukturbild wie auf die komplementären Qualitäten des Duos zugeschnitten. Während Uruguays defensives Zentrum die Aufgabe hat, das gegnerische Spiel aufzuhalten, entwickeln sich die offensiven Impulse tendenziell über die Außenbahnen. Maxi Pereira kommt dabei eine vergleichbare Rolle zu wie Lee Young-pyo bei den Südkoreanern. (Helmut Neundlinger, DER STANDARD, Printausgabe, Montag, 28. Juni 2010)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. Cha Du-ri-Lee Chung-yong 17

2. Lee Young-pyo-Ki Sung-yueng 16

2. Lee Young-pyo-Park Ji-sung 16

4. Ki Sung-yueng-Lee Young-pyo 14

5. Lee Chung-yong-Park Ji-sung 12

5. Park Ji-sung-Lee Chung-yong 12

7. Cha Du-ri-Kim Jae-sung 11

7. Park Ji-sung-Park Chu-young 11

7. Ki Sung-yueng-Kim Jung-woo 11

10. Lee Chung-yong-Park Chu-young 10

11. Cho Yong-hyung-Park Chu-young 9

11. Kim Jae-sung-Lee Chung-yong 9

11. Ki Sung-yueng-Cha Du-ri 9

11. Lee Young-pyo-Park Chu-young 9

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Ki Sung-yueng 117 (63/54)

2. Park Ji-sung 116 (48/68)

3. Lee Chung-yong 115 (47/68)

4. Cha Du-ri 109 (62/47)

5. Lee Young-pyo 108 (66/42)

6. Park Chu-young 103 (34/69)

7. Kim Jae-sung 86 (38/48)

8. Lee Jung-soo 80 (48/32)

9. Kim Jung-woo 71 (44/27)

10. Cho Yong-hyung 67 (39/28)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Kim Jae-sung 97,37 (37 von 38)

2. Kim Jung-woo 90,91 (40 von 44)

3. Park Ji-sung 87,50 (42 von 48)

4. Cho Yong-hyung 87,18 (34 von 39)

5. Lee Young-pyo 84,85 (56 von 66)

6. Ki Sung-yueng 84,13 (53 von 63)

7. Lee Dong-gook 83,33 (10 von 12)

8. Lee Jung-soo 81,25 (39 von 48)

9. Lee Chung-yong 78,72 (37 von 47)

10. Cha Du-ri 74,19 (46 von 62)

DIE MEISTEN PÄSSE/PASSVERSUCHE

1. M. Pereira-Perez 15

2. Perez-M. Pereira 12

2. Fucile-Suárez 12

2. M. Pereira-Cavani 12

5. Suárez-Forlán 10

5. Perez-Cavani 10

5. Muslera-Forlán 10

5. A. Pereira-Suárez 10

9. Cavani-M. Pereira 9

9. Fucile-A. Pereira 9

9. Perez-Forlán 9

9. Forlán-Suárez 9

13. M. Pereira-Suárez 8

13. Forlán-Arevalo 8

SCHLÜSSELSPIELER*

1. Forlán 97 (39/58)

2. Suárez 92 (30/62)

3. Cavani 86 (31/55)

4. Perez 79 (43/36)

5. M. Pereira 76 (42/34)

6. Fucile 61 (39/22)

6. Arevalo 61 (35/26)

8. A. Pereira 51 (24/27)

9. Muslera 28 (26/ 2)

10. Godin 17 (12/ 5)

*Gegebene und angenommene Pässe

ERFOLGREICHE PÄSSE IN PROZENT

1. Lugano 100 (10 von 10)

2. Godin 91,67 (11 von 12)

3. Perez 90,70 (39 von 43)

4. Cavani 87,10 (27 von 31)

5. A. Pereira 83,33 (20 von 24)

6. Arevalo 82,86 (29 von 35)

7. Forlán 76,92 (30 von 39)

8. Victorino 75,00 ( 6 von 8)

9. M. Pereira 73,81 (31 von 42)

10. Suárez 70,00 (21 von 30)

Der Ansatz 

Die Spielzüge werden aufgenommen und codiert. Der Datensatz wird netzwerkanalytisch ausgewertet, das Ergebnis wird interpretiert. In der Grafik werden die Ballwege zu den drei wichtigsten Passpartnern verdeutlicht. Die Kreisgrößen ergeben sich aus den Summen angekommener und abgegebener Pässe.

Die Analytiker 

FAS.research mit Sitz in Wien und New York war schon bei der WM 2006 und der EURO 2008 im Einsatz und beobachtet exklusiv für den Standard ab 11. Juni auch die WM in Südafrika.

Team: Ruth Pfosser, Helmut Neundlinger, Harald Katzmair.

Link:

www.fas.at

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