G-20-Gipfel in Toronto

Ja zum Schuldenabbau, Nein zur Bankabgabe

27. Juni 2010, 18:43

Die G-20-Staaten sind sich in Toronto immerhin beim Thema Schuldenabbau nähergekommen

Bei der Bankenabgabe und der Besteuerung von Finanztransaktionen gab es keine Annäherung. Aber die G-20-Staaten sind sich auf ihrem Gipfel in Toronto immerhin beim Thema Schuldenabbau nähergekommen.

***

Angela Merkel muss improvisieren. Eigentlich sollte es im noblen York Club stattfinden, das Hintergrundgespräch mit Journalisten. Aber dann riegeln Uniformierte das Finanzviertel Torontos komplett ab, sodass kein Durchkommen möglich ist.

Einige wenige Gewaltbereite haben sich abgesetzt von einem friedlichen Protestzug. Und die deutsche Kanzlerin lässt den Pressepulk statt in den altehrwürdigen Club an den Tagungsort lotsen, in eine festungsgleiche Kongresshalle am Ontariosee. Es wird eine Fahrt durch eine Geisterstadt, von einem Checkpoint zum nächsten. Oben leuchtet die Aussichtsplattform des CN Towers, unten bewachen schwer bewaffnete Einsatzkräfte, insgesamt 20.000 Mann, eine von Metallzäunen begrenzte Schneise, als ginge es um einen Brückenkopf in einem Krieg.

Versöhnlicher Obama

Bereits zum Auftakt des G-20-Gipfels musste Merkel umdisponieren. Die deutsche Kanzlerin musste eine Stunde warten, bevor sie überhaupt nach Toronto fliegen konnte. Wenn Obama unterwegs ist, darf kein anderes Fluggerät in der Nähe sein. Die Verzögerung nervt, doch in der Debatte fühlt sie sich als Siegerin.

Denn Obama, der vor Konferenzbeginn dramatisch vor zu kräftigem, zu frühem Sparen gewarnt hatte, vor einem überhasteten Abbau von Defiziten auf Kosten der noch brüchigen Konjunktur, wechselt die Tonlage, ganz auf Versöhnung bedacht. Es sei wichtig, die Staatsschulden nicht ausufern zu lassen, sagt er. Er verstehe, fügt er hinzu, dass es kulturelle Unterschiede gebe zwischen Europäern und Amerikanern.

Und so gelingt am Gipfel die kleine Überraschung: Die G-20 vereinbaren recht ehrgeizige Vorgaben zum Schuldenabbau. Die entwickelten Industriestaaten sollen bis 2013 ihre Haushaltsdefizite halbieren und bis 2016 Etats ganz ohne neue Schulden aufstellen. Diese klare Vorgabe wurde in der Abschlusserklärung festgeschrieben, wie Bundeskanzlerin Angela Merkel am Sonntag kurz vor Ende des Gipfeltreffens in Toronto betonte. Diese Exitstrategie aus den schuldenfinanzierten Konjunkturprogrammen sei "sehr anspruchsvoll und für viele sicher eine große Aufgabe".

"Wir bewegen uns auf dasselbe Ziel zu - nämlich langfristiges, nachhaltiges Wachstum", sagt Obama in Toronto.

Schulden halbieren

Merkel äußerte sich daraufhin zufrieden, dass die großen Wirtschaftsnationen nun wie Deutschland allesamt auf Sparkurs gehen wollen. "Wir gehen weg von den Konjunkturprogrammen, bei denen wir ja mehr Schulden gemacht haben, und halbieren als Industrieländer bis 2013 unsere neuen Schulden." Dass die Industriestaaten dieses Ziel akzeptiert hätten, sei ein Erfolg des G-20-Gipfels.

Freilich bedeutet die Erklärung von Toronto für die europäischen Staaten recht wenig. Denn in der Union laufen ohnehin Stabilitätsprogramme an; und in denen wurden konkrete Defizitziele festgeschrieben. Und auch in den USA gibt es seit längerem grundsätzliche Bereitschaft zu sparen - die Frage war stets nur ab wann und wie stark.

Über die Ziele hinausgehende Verpflichtungen gibt es auch nicht, der nationale Spielraum bei der Haushaltskonsolidierung wird nicht eingeengt. Man erkenne an, heißt es in der Abschlusserklärung des Gipfels, dass die wirtschaftliche Erholung je nach Land und Region in unterschiedlichem Tempo voranschreite. "Es besteht das Risiko, dass sich eine synchronisierte Anpassung der Finanzen in den wichtigsten Volkswirtschaften negativ auf die Erholung auswirkt." Gleichzeitig dürfe eine notwendige Konsolidierung aber nicht versäumt werden, weil dies das Vertrauen störe und das Wachstum behindere.

Widerstand gegen Bankeabgabe

Eine Annäherung bei der Frage der Bankenabgabe und der Finanztransaktionssteuer gibt es nicht. Kanada, Australien und Schwellenländer wie Brasilien und Indien wehren sich gegen eine Bankenabgabe. Gegen eine Steuer auf Finanzmarkttransaktionen ist auch das Weiße Haus. Deutsche und Franzosen drängen, dass sie nun zumindest in der EU eingeführt wird. "Wir haben hier leider weder bei der Bankenabgabe unter allen G-20-Staaten eine einheitliche Meinung, noch bei der Finanztransaktionssteuer", sagte Merkel in Toronto knapp.

Einig sei man sich immerhin, dass nicht vor allem der Steuerzahler die Kosten der Krisen finanzieren sollte. Europa sei nun frei, für sich eigene Lösungen zu finden. Auf den Novembergipfel in Seoul, Südkorea, verschoben wird die Frage über Abwickelung von Großbanken.

Eine Einigung gab es immerhin bei der Liberalisierung des Welthandels: Die G-20 haben ihr bisheriges Ziel, bei der sogenannten Doha-Runde noch in diesem Jahr ein Freihandelsabkommen zu erreichen, aufgegeben. Eine lobende Erwähnung der Abwertung der chinesischen Währung Yuan wurde im letzten Augenblick aus dem Schlussdokument offenbar gestrichen. (Frank Herrmann aus Toronto, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28.6.2010)

Kommentar

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aiuto
02
28.6.2010, 13:30
für den finanziellen,

aber auch in puncto Sicherheit getroffenen Aufwnad ist eigenltich net viel mehrherausgekommen wie ein Mauserlschaas.
Vielleicht könnte man bei künftigen derartigen Konferenzen vorab im Wege der Diplomatie schon mehr oder weniger beschlußfreife Dokumente vorbereiten, damit sich die Bevölkerung nicht ganz veräppelt vorkommt.

Gigerius
10
28.6.2010, 14:03
ja, genau...

Wozu überhaupt noch Konferenzen, wenn doch zuständige Gremien und Fachleute bereits alles erarbeiten könnten. Die Spitzenpolitiker bekommen dann nur noch ein Dokument zum Unterschreiben und fertig! - bl+dsinn - Das würde nie funktionieren. Die müssen sich gegenseitig die Hand schütteln können und miteinander reden. Das war schon immer so.
Ansonsten könnten wir gleich einem Supercomputer das Ruder übergeben. - es würde uns allen vermutlich viel besser gehen, wenn wir das täten ;)

aiuto
00
29.6.2010, 09:33
Ihre Idee mit dem Supercomputer wäre gar nicht shclecht,

nämlich bei unseren ach so 'wichtigen' 9 Landesregierungen. Die sind nämlich im überwiegenden Teil nur noch dazu da, um Gesetze aus Brüssel oder vom Bund nachzubeschließen.
Auf internationaler Ebene könnte man aber ruhig die Akten schon der art vorbereiten und vorverhandeln, dass die Politiker sie nur noch schlußverhandeln
müssen. Wenn das zügig vonstatten geht, dann haben sie noch genug Zeit zum Hände schütteln (wie Sie meinten).

Gigerius
00
29.6.2010, 12:16
es würde ja schon reichen,

wenn die Politik sich nicht nur öfter von wirklichen Expertengruppen beraten, sondern diesen Fachleuten auch gewisse Kompetenzen einräumen würden und dazu noch Entscheidungen zum Wohl der Bürger und nicht vorrangig zum Wohl der Macht der Partei fällen.
irgendwie ist die z.Zt. praktizierte Demokratie ein grosser Bockmist.

loki-san
01
28.6.2010, 13:05
Somit haben die G-20 ...

... die dritte große Depression beschloßen. Die Deflation wird der Weltwirtschaft den Atem rauben denn sie dringend braucht um aus diesem Loch rauszukommen. Und das mit der Bankabgabe war offensichtlich sowieso nur ein Schmäh um die einfachen Leute zu beruhige.

Herb All
02
28.6.2010, 12:47

Schade nur, dass man die Beträge die zur Bankenrettung ausgegeben wurden, nicht von den jeweiligen Staatsschulden gutgeschrieben bekommt. Das wär ein anfang, dann könnte man statt von multipler verarsche bloß von verarsche sprechen.

Martha B.
00
28.6.2010, 12:44
Gleichzeitig wurde beschlossen,

dass es am 23. September regnet. Das sollte genügen, der Zerrüttung unseres Finanzsystems Herr zu werden. Oder nicht?

meta_meta
00
28.6.2010, 18:21

Das Finanzsystem ist nicht zerrütet. Das Finanzsystem hält sich die Staaten um Leistung, Arbeit möglichst billig in Geld zu verwandeln. Zerrütet sind möglicherweise bald die Staaten, wenn das Finanzsystem weiter so parasitär bleibt.

Nachhaltiger Bio-Tofu jetzt nur Euro 9,99
 
12
28.6.2010, 12:43
Stoppt diesen Schwachsinn ...

G1, G7, G20, G435 ... wen juckt das?

Die gekauften Politzombies grinsen in die Kameras ... und das war´s dann.

Außer Spesen nichts gewesen ... na ja, solange sich die Bevölkerung des jeweiligen Landes den Affenzirkus gefallen lässt ... ;-(

Peter_23
01
28.6.2010, 12:39
Wie (un)wichtig die EU ist

erkennt man unter anderem an der Tatsache, dass die grössten EU-Ländern nicht gemeinsam in Form der EU bei G20 auftreten. Sondern nationalstaatlich als Deutschland, Frankreich, Italien, GB.

Ansich traurig, dass selbst die Propagandisten einer EU, dann wenn es auch nur symbolisch toll wäre mit einer EU-Stimme zu sprechen wie bei G20, sich nicht auf eine Stimme einigen können.

Oder kann sich wer vorstellen, dass aus der USA regionale Provinzkaiser wie die steirische Eiche aus Kalifornien bei der G20-Konferenz herumtanzt?

aiuto
00
28.6.2010, 13:33
Sie haben vollkommen recht,

aber leider glauben unsere nationalen Politiker noch immer, dass sie im Weltkonzert der Mächte wichtig sind. Und das versuchen sie uns auch noch laufend einzureden. Leider sind sie in Wirklichkeit kleine Würsterln, die bei solchen Konferenzen aber auch schon gar nichts erreichen können.
Daher bin ich dringend für die Instrallierung einer wirklichen gemeinsamen Aussenpolitik, die natürlich vom Europ. Parlament kontrolliert werden muss.

alois enzenhofer
00
28.6.2010, 12:36
Bravo, sehr gut!

aktuelle Epoche: DesInformationszeitalter
03
28.6.2010, 12:36

Marinetten der vermögenden Strippenzieher.

Sokum
00
28.6.2010, 12:25

Anscheinend ist es fuer den Menschen genug Befriedigung das Problem zu erkennen. Darauf kann man sich ja ausruhen.

100 gute Posts aber keine Sau macht irgendwas. Aber wir habens ja richtig erkannt .. wie toll wir doch sind und gescheit.

oink
010
28.6.2010, 12:22
gutes timing

2225 postings zum artikel des nicht gegebenen tors der engländer, 123 zu diesem.

da treffen sich die mächtigsten politiker der welt um endlich (fast 2 jahre nach beginn der finanzkrise!!!) die verantwortlichen zur kasse zu bitten, und was machen sie? sie einigen sich auf sparpakete! keine transaktionssteuern, kein verbot hochriskanter papiere, nein: die bürger müssen den gürtel enger schnallen.

als merkel während des gipfels ein interview gab, wurde sie über das fussballspiel befragt.

nach terroranschlägen und während fussballweltmeisterschaften können politiker und lobbies so ziemlich alles durchsetzen, es ist jedem schnurzegal.

Ofenkartoffel
03
28.6.2010, 13:34
Das is ja die Absicht dahinter...

Den Pöbel mit der WM ablenken und nebenbei Politdiskussionen (Anne Will, Maischberger,....) abdrehen.



Sepp Unterwurmbacher
00
28.6.2010, 12:15
der blaue block schlägt wieder zu

http://www.youtube.com/watch?v=7o0yN8oq8AY

laberkadabra
04
28.6.2010, 12:06
Da treffen sich zum Schein die aufgeblasenen Hampelzwerge,


und was soll sonst schon dabei "herauskommen"?..

Die Unwürdigkeit trägt alle Namen der Beteiligten.

Sternchen100
01
28.6.2010, 12:05

8 bzw. 20 Staaten, in denen Verbrecherlobbies und Bankster das Sagen haben, diktieren via Weltbank der ganzen Welt (über 200 Staaten), was sie für eine Steuerpolitik machen MÜSSEN. Alles zum Wohle der internationalen Kriminellen.

Tretmine
05
28.6.2010, 11:55

bitte auf der Zunge zergehen lassen >>

es treffen sich die wichtigsten Wirtschaftsstaaten und beraten folgendes -> Schuldenabbau

früher wollte man noch zum Mond, heute will man Schulden abbauen

Und wie soll das gehen? - Einsparungen im Gesundheitswesen / Stellen abbauen etc etc

Schulden abbauen wo das Geld immer weniger Wert wird - ich halts im Kopf nicht aus (Affig)

Knackt doch mal die Banken und aus ist es mit den Schulden und wir wirtschaften einmal vernünftig ohne diese mafiose Zwischenstruktur

Parkschwein
00
28.6.2010, 13:20

"Knackt doch mal die Banken"
wo haben denn die banken das geld her, das sie u.a. den staaten borgen, und wem fehlt das geld nachher wenn die banken es nicht zurückbekommen können, hmm?

Freie Welt
00
28.6.2010, 12:41
Wie wäre es z.B. mit

ein klein wenig Wohlstandsverzicht? Und zusätzlich vielleicht ein bissl mehr arbeiten? Und dabei ein bissl bessere Qualität liefern?
Also ich fände das eine gute Idee.
Und wenn nicht alle dabei mitmachen sollten, fang ich eben schon mal damit an.

Tretmine
00
28.6.2010, 13:08

wieso soll man auf Luxus und Qualität verzichten?
Auf alles andere kann ich verzichten nur auf das nicht

- bitte bei der Realität bleiben und Hirn einschalten

Sophist1
20
28.6.2010, 12:19
Es werden jetzt die zur Kasse gebeten, die sich bislang....

..am Staat bereichert haben.

Ofenkartoffel
00
28.6.2010, 13:41
Ja genau!

Diese sozialschmarotzende an der Börse spekulierende Unter / Mittel - Schicht hat die Krise verursacht und jetzt sollen Sie dafür bluten!

Es gibt halt doch noch Gerechtigkeit.

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